Verantwortung rund um die Uhr

27.11.12

Von Carolin Hlawatsch     Halle. Mit computergesteuerten Babysimulatoren versetzten sich sechs Mädchen, alle 13 und 14 Jahre alt, am letzten Wochenende in die verantwortungsvolle Rolle von Müttern. Im Mai hatten sie einen Babysitterkurs absolviert der vom Haller Jugendzentrum in Kooperation mit der Wertheraner Kindertagestätte »Bunter Sandkasten« veranstaltet wurde.

Von Freitag bis Sonntag konnten sie nun im »Elternpraktikum«, einem Rollenspiel-Projekt des Jugendzentrums, auf ihre Erfahrungen im Umgang mit Babys und Kleinkindern aufbauen und einen Blick für die Bedürfnisse einer Familie bekommen.

Die vierzehnjährige Sarah Becker sitzt auf einem Sofa in der Remise und wiegt ein Baby in ihren Armen. Nein, kein echtes Kind, sondern einen erstaunlich realistisch aussehenden Babysimulator. „Letzte Nacht hat es sich sieben Mal gemeldet”, berichtet sie ihrer Freundin Tabea Ellersiek (14), die ebenfalls mit einem unechten Baby neben ihr sitzt. Die beiden tauschen sich aus über die Erlebnisse die sie mit »ihrem Kind« zu Hause hatten.

Das ist auch Sinn der Stunden, in denen sie mit den anderen Teilnehmerinnen Leah Vahle (13), Christina Ferber (14), Sara Mattana (13) und Annika Müller (13) im Jugendzentrum zusammentreffen. Nur einen Teil des Elternpraktikums absolvieren die Mädchen gemeinsam und mit Anregungen und Hilfe der Pädagoginnen Julia Mattana und Brigitte Kruse. Nach diesen Treffen nehmen sie die Simulationspuppe mit nach Hause.

„Die Puppen wurden vorher programmiert und melden sich nun, wie echte Babys - zu unterschiedlichen Zeiten rund um die Uhr mit immer wieder anderen Bedürfnissen”, erklärt Brigitte Kruse. „Anfangs, als sich mein Baby gemeldet hat, wusste ich gar nicht so genau, was es jetzt will. Ich habe alles ausprobiert, es gewickelt, gefüttert, ein Bäuerchen machen lassen - bis es aufhörte zu nörgeln”, berichtet Annika Müller. „Inzwischen habe ich aber den Dreh raus und weiß, was wann und in welcher Reihenfolge zu tun ist.”

 

 

Gewinn neuer Perspektiven

 

 

Auch Hebamme Annina Bartsch war, wie schon beim Babysitterkurs, mit von der Partie. Sie setzte sich mit den Mädchen über die Themen Verhütung, Schwangerschaft und Geburt auseinander. Das Ausprobieren verschiedener Geburtspositionen sorgte für allgemeine Erheiterung in der Gruppe. „Es ist gut, dass sich die Teilnehmerinnen schon vom Babysitterkurs kennen. So trauen sie sich hier eher, ihre Fragen zu stellen”, meint Julia Mattana.

Die Babysimulatoren liehen sich die beiden Kursleiterinnen, die eine Fortbildung zur Durchführung des Elternpraktikums absolviert und dieses auch schon mit neunten Klassen der Peter-Korschak-Schule durchgeführt haben, von der Gleichstellungsstelle

Versmold.
Erfunden wurden die Säuglingssimulatoren in den USA zur Prävention von Teenager-Schwangerschaften - um Jugendliche und junge Paare ein Praktikum als Eltern machen zu lassen, damit sie die Anforderungen frühzeitig kennen lernen, führten die Sozialpädagoginnen Edith Stemmler-Schaich und Uta Schultz-Brunn aus Delmenhorst die Simulatoren in ihrer Initiative »Babybedenkzeit« auch in Deutschland ein.

„Schwangerschaftsprävention ist aber nicht unser Anliegen”, betont Brigitte Kruse im Jugendzentrum. Im Fokus des Projekts stände vielmehr der Gewinn von neuen Perspektiven im Verständnis für Eltern und im individuellen Umgang mit Stresssituationen. Die Teilnehmerinnen seien nun allesamt sehr gut vorbereitet auf einen Job als Babysitter.

 

 

 

 

 
 
 
 
 


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