Landesamt: „Bitte entfernen”

27.11.12
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von Juergen Wohlgemuth     Steinhagen. Die große Steinhäger-Flasche auf dem Kreisverkehr an der Bahnhofstraße wird zum Medienspektakel. Gestern Mittag kamen RTL, WDR und Sat.1 mit Fernsehteams nach Steinhagen. Sie stellen die »Schnapsidee« des stellvertretenden Bürgermeisters als »Provinzposse« dar.

»Schnaps-Idee in Steinhagen - Vize-Bürgermeister stellt Drei- Meter-Pulle in Kreisverkehr« titelte gestern Bild-online. Ein solches Echo hatte Gerhard Goldbecker eigentlich nicht bewirken wollen. Jetzt geschieht, was Klaus Besser befürchtet hatte: Die Gemeinde Steinhagen wird auf das »Schnapsdorf« reduziert.

Deshalb hatte er, Besser, gestern darauf verzichtet, den Fernsehsendern Interviews zu geben. Gestern Abend liefen die Beiträge in den Regionalprogrammen.

Gerhard Goldbecker selbst hat seinen Schritt nicht bereut. Wie bereits berichtet hatte er am Freitag eine drei Meter hohe Flasche auf den Kreisel gestellt. Eine Genehmigung war schon vor Jahren verweigert worden, doch Goldbecker will mit dem ortstypischen Symbol für die Gemeinde werben. Steinhagen war viele Jahre für seine zahlreichen Schnapsbrennereien bekannt. Ein solches Symbol würde den Ortseingang der Gemeinde verschönern, meint der 68-Jährige.

Goldbecker fühlt sich noch bestärkt. „Ich habe hundert E-Mails bekommen. Alle positiv”, sagte er gestern dem Haller Kreisblatt. „Am Kreisverkehr haben mir wieder viele Bürger zugenickt”, ergänzt Goldbecker. Gestern Mittag gab er am Kreisel, dem Tor zur Gemeinde, Interviews für die Kamerateams von RTL, Sat.1 und WDR.

Er wolle keine Zwietracht mit dem Bürgermeister, fügt Goldbecker an. „Wir wollen künftig auch weiterhin gemeinsam Motorrad fahren”, so Goldbecker.

„Gerade ein stellvertretender Bürgermeister sollte Vorbildfunktion haben und Gesetze und Ausschussbeschlüsse beachten”, sagt derweil Klaus Besser. „Schließlich kann ja nicht jeder machen was er will.”

Auch der Landesbetrieb Straßenbau sah sich gestern zahlreichen Medienanfragen gegenüber. Der Leiter der Regionalniederlassung Ostwestfalen-Lippe, Andreas Meyer, hatte den Fernsehteams ebenfalls Rede und Antwort stehen müssen. Schließlich fällt die Bahnhofstraße in den Zuständigkeitsbereich des Landes NRW.

Meyer zeigte sich gestern vor allem überrascht. „Weil wir in den vergangenen Jahren mit der Gemeinde einen vernünftigen Dialog hatten”, so Meyer. Als Straßen.NRW vor etwa drei Jahren das Aufstellen einer Steinhäger-Flasche abgelehnt hatte, habe die Gemeinde signalisiert, den Kreisverkehr stattdessen zu bepflanzen und später mit einem Kunstwerk zu verschönern.

„Und man kann den Charakter dieser schönen Gemeinde sicher besser darstellen als so”, sagt Meyer. „Es gibt bestimmt andere Möglichkeiten, die die Gemeinde mit mehreren Facetten beleuchten anstatt nur einseitig.”

Weil also keine Genehmigung vorliegt, den Kreisel so »zu verschönern« und weil Straßen.- NRW Bedenken sieht in der Verbindung von Alkohol und Straßenverkehr, hat Meyer gestern Konsequenzen angeordnet. Er werde Goldbecker anschreiben („Das lege ich heute noch aufs Fax”) und auffordern, die Flasche wieder zu entfernen. „Und ich werde ihm eine sehr kurze Frist setzen. Wenn die Flasche bis Freitag nicht verschwunden ist, werden wir das Objekt entfernen und Herrn Goldbecker die dadurch entstehenden Kosten in Rechnung stellen.” Auf eine Ordnungsverfügung wolle er verzichten. „Wir wollen vernünftig mit der Angelegenheit umgehen”, so Meyer im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt.

 
 
 
 
 


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