Eine Oase der Ruhe

27.11.12
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Von Marion Bulla     Halle. Der schmale Kiesweg führt zu einer kleinen weißen Holztür. Dahinter verbirgt sich eine Oase der Ruhe. Kerzen flackern im Wind. Der Besucher kommt in ein Idyll, das fast klösterlich anmutet, denn rund um das Grundstück säumen Holzbögen die Wege und erinnern an eine Art Wandelgang. Bernhard Strecker nennt sein Gebäudeensembles »Museumsinsel« und das trifft es wohl genau. Am Samstagabend öffneten sich zum ersten Mal dessen Pforten. Zum Auftakt gab es ein Flötenkonzert in memoriam Sigmund Strecker.

Auf 50 Gäste war der Gastgeber eingestellt. Doch immer wieder öffnet sich die weiße Tür und am Ende drängen sich mehr als 70 Besucher in den engen Räumen. Unter der Leitung von Frauke Keßner gibt das Flöten-ensemble der Johanniskantorei Halle ein kleines, aber feines Konzert. Die Musikerinnen spielen weltliche Musik der englischen Komponisten Robert Bateman, Anthony Holborne, William Brade und John Dowland.

Doch sind die meisten nicht nur wegen des Hörgenusses in die Gartenstraße gekommen. Sie möchten auch in Augenschein nehmen, wie Bernhard Strecker das ehemalige Wohn- und Atelierhaus seines Vaters, dem Kunstmaler Sigmund Strecker (1914-1969) saniert und umgestaltetet hat.

Vor rund einem Jahr hatte der Architekt mit dem Projekt angefangen, und das gründlich. Seine Idee, zum einen eine öffentliche Begegnungsstätte in Halle schaffen und zudem mit Hilfe der Museumsinsel die Erinnerung an seinen Vater zu bewahren, der hier viele Jahre gearbeitet und gelebt hatte. Eine langfristige Würdigung des kulturellen Erbes ist ihm wichtig. „Das hier war damals eine Oase, die durch Torheit und Ignoranz mit lächerlicher und belangloser Architektur in der Gartenstraße zerstört wurde. Es war für mich eine architektonische Leistung und ein Riesenkraftakt angesichts der Banalität des Städtebaus das wieder herzustellen”, so Strecker. Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Voller Begeisterung lassen sich die Besucher nach dem musikalischen Programmpunkt durch die Räume führen.

Zuerst geht es in die neu gestaltete ehemalige Fachwerkscheune. Die Wände sind weiß getüncht und es riecht noch nach Farbe. Hier hängen 23 Bilder von Sigmund Strecker, an denen immer mal wieder der ein oder andere bewundernd stehen bleibt. Durch die vielen Fenster wirkt der Raum freundlich und lichtdurchflutet. Der Boden ist aus robuster Eiche und besonders die Decke, die mit roter Farbe namens Ochsenblut bestrichen ist, sticht hervor.

„In dieser Scheune hat mein Vater damals immer zu Buß- und Bettag seine Bilder zum Verkauf angeboten”, erzählt Strecker. Doch seinem Vater sei es nie um finanzielle Belange gegangen. „Er liebte die Kunst und die Geselligkeit. Bei uns gab es die besten Feste in ganz Halle”, berichtet Strecker und seine Augen leuchten dabei.

Ein weiterer von Arkaden umsäumter Kiesweg führt die Gäste nun zum Atelier- und Wohnhaus. Gleich am Eingang führt eine weiße Holztreppe zum obersten Stock. Ein winziger Wohntrakt tut sich auf.

Unten, im künstlerischen Bereich des ehemaligen Schafstalls, steht das letzte Werk Sigmund Streckers noch immer genau da, wo der Künstler es einst gemalt hatte. Auf der Staffelei im Atelier. Das befindet sich natürlich an der von Malern bevorzugten Nordseite. „Wir haben damals, 1957, das Gebäude mit einem Kompass exakt nach Osten und Westen ausgerichtet”, erinnert Bernhard Strecker sich und zeigt auf ein Leporello, das auf der Fensterbank ausgebreitet ist. Dort ist die Geschichte des Auf- und Abbaus auf das Genaueste bildlich dokumentiert.

Am kommenden Wochenende ist die Museumsinsel Sigmund Strecker - Atelier und Museums-Café - ab 11 Uhr wieder geöffnet.

 
 
 
 
 


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