Bravo-Rufe für die Solistin

27.11.12
kONZERT,Geige

Von Andreas Großpietsch     Halle. Wenn das Abschluss-Konzert des »Musik Herbst 2012« eine Verheißung für die anstehenden Jubiläums-Bachtage war, dann dürfen sich alle Kirchen- und Klassikmusik-Freunde ab jetzt freuen. Wie ein »florentinischer Wirbelwind« entbot die schon jetzt international geschätzte, junge Violinistin Laura Comini mit ihrer Solo-Partitur in Ludwig van Beethovens »Violinkonzert opus 61« ein facettenreiches und tief bewegendes Musikvergnügen.

Mozarts Requiem wurde zum würdigen Pendant am frühen Sonntagabend in der voll besetzten

Haller Johanniskirche. Martin Rieker agierte in seiner Gesamtleitung umsichtig und sehr erfolgreich: Der in Halle geliebte Klangkörper, das Orchester »La Réjouissance« aus Detmold, folgte seinem Dirigenten in allen Teilen - gerade in den herausfordernden. Genauso war die Johanniskantorei ganz aufmerksam beim Dirigenten und die junge Garde der Solisten mit Corinna Kuhnen (Sopran), Eva Hage (Alt)
, Victor Schiering (Tenor) und wieder Maximillian Lika (Bass) brillierte in Solo-, Duett- und Quartett-Partien.

Die Geschichte des Requiems ist eine besondere: Mozart komponierte in seinem letzten Lebensmonat an diesem unvollendeten Werk. Die zwölf Sätze vom »Introitus requiem« bis zum ergreifenden »Agnus Dei« sind heute zwar komplett, doch die frühe Kompositionsarbeit des Süßmayr, der von Constanze Mozart den Zettelkasten übergeben bekam, wurde im Laufe der neueren Musikgeschichte als mit »offensichtlichen Schwächen behaftet« bewertet.

Erst in unserer Zeit versuchte der Musikwissenschaftler Franz Beyer „im Sinne Mozarts die Dinge zu lichten”. Dieser Versuch lag der Aufführung zu Grunde. Das Ergebnis der Proben war ein deutlich starker Chor, etwa beim »Dies irae« und vier bestens miteinander harmonierenden Solostimmen. Ein gewaltiges Werk, das den Geist des großen Meisters spüren lässt.

Nicht in Konkurrenz, sondern als Teil des Weges durften die Zuhörer sich an der Vitalität und großen Klasse bei Ludwig van Beethovens Violinkonzert freuen. Mit den drei Sätzen »Allegro ma non troppo«, »Larghetto - attaca« und dem »Rondo (Allegro)« gelang Solistin und Orchester Beachtliches.

Vier leise Paukenschläge, gefolgt von der Vorstellung des Hauptthemas durch die Holzbläser, versprechen Elysium, wenn auch lyrisch gestimmt. Das Paukenmotiv kehrt an mehreren Stellen des ersten Satzes wieder und erhöht die Erwartung auf die Solovioline nach Vorstellung der beiden Hauptthemen und damit längeren Orchesterpassagen. Von da an setzte die nur scheinbar zarte Detmolder Einser-Absolventin zum Höhenflug an und bezauberte. Das Haller Publikum, allgemein nicht gerade für übertriebene Gefühls-ausbrüche bekannt, bedankte sich mit Bravo-Rufen, standing ovations und trampelnden Füßen in den Kirchenbänken für diesen Auftritt.

Für Triviales war am Sonntagabend kein Raum. Dieses Konzert verheißt wirklich Gutes für das anstehende Festival im Februar. Seit Montagmorgen, so ist zu hören, stehen die Menschen schon Schlange für Bach-Tage-Karten.

 
 
 
 
 


« zurück