Eine Schnapsidee!?

24.11.12
besser_foto_hemd_krawatte.jpg

von Juergen Wohlgemuth     Steinhagen. Am Montag hatte Bürgermeister Besser noch bekannt gegeben, dass auf dem Kreisverkehr an der Bahnhofstraße keine überdimensionale Steinhäger-Flasche aufgestellt werden dürfe. Trotzdem: Seit Freitagmorgen steht eine solche Kruke, drei Meter hoch, auf dem Kreisel. Der stellvertretende Bürgermeister Gerhard Goldbecker hatte selbst Hand angelegt.

Die eigenmächtige Aktion von Gerhard Goldbecker birgt einigen Zündstoff. Bürgermeister Klaus Besser (siehe eigener Text rechts) war gar nicht amüsiert.

Im Ausschuss für Schulen, Jugend, Sport und Kultur hatte Besser noch am Montag erklärt, dass das zuständige Landesstraßenbauamt - die Bahnhofstraße ist eine Landesstraße - eine solche Steinhäger-Flasche nicht wünsche.

Straßen.NRW halte die Verbindung von Alkohol und Straßenverkehr für unangemessen. Grundsätzlich wolle man den Kreisverkehr auf der Kreuzung Bahnhofstraße/Patthorster Straße/Brückhof, die seit vier Jahren befahren werden kann, aber mit einem Kunstwerk attraktiver gestalten. SPD und Grüne hatten schon 2008 angeregt, einen Wettbewerb um die schönste Skulptur auszuschreiben. Zwar stehen dafür seitdem im Haushalt 10 000 Euro bereit. Doch die will die Gemeinde nur ausgeben, wenn es dem Bürgermeister gelingt, die Ausgaben durch Sponsoreneinnahmen zu decken.

Den passenden Hingucker glaubt Gerhard Goldbecker derweil gefunden: eine Steinhäger-Kruke. Die hat Goldbecker - er ist Vorsitzender des Vereins Historisches Museum - eben dort entnommen. Die Flasche ist 2,50 Meter hoch und steht auf einem etwa 60 Zentimeter hohen Sockel. Goldbecker, seit vielen Jahren Ratsmitglied für die CDU in Steinhagen, betont ausdrücklich, dass er die Flasche als Privatperson aufgestellt habe, unabhängig von Ämtern und Posten. Gleichwohl ist er der Zweite stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde (hinter Udo Bolte).

Und: Ihm sei sehr wohl bewusst, dass Straßen.NRW als zuständiger Baulastträger mit seiner Aktion nicht einverstanden sei. Der Weihnachtsbaum, der immer im Dezember auf dem Kreisverkehr in Brockhagen für den Sternchenmarkt wirbt, habe anfangs auch nicht aufgestellt werden dürfen. Man habe es dann einfach getan, inzwischen wird der Baum seit zehn Jahren aufgestellt.

„Manchmal muss man eben Fakten schaffen, wenn Anträge nicht weiterhelfen”, sagt Goldbecker. Er hält die Steinhäger-Flasche auf dem Kreisel für ein schönes Symbol im Ortseingang. Schließlich habe der Steinhäger den Ort Steinhagen in aller Welt bekannt gemacht. In Harsewinkel steht beispielsweise ein Mähdrescher auf einem Kreisverkehr. Als Zeichen für die weltbekannte Firma Claas, die ihren Sitz in Harsewinkel hat. Warum nicht auch in Steinhagen ein ortstypisches Symbol?

Goldbecker geht noch weiter. Er schlägt vor, auf einem weiteren Kreisverkehr Heidekraut und Wacholder zu pflanzen. Auf dem noch zu bauenden Kreisverkehr auf der Kreuzung Brockhagener Straße/Woerdener Straße könnte eine Brennblase aufgestellt werden, um ebenfalls an die Tradition der Schnapsbrenner im Ort zu erinnern. „Kreisverkehre sind die moderne Begrüßung unserer Gemeinde und sollten deshalb interessant gestaltet werden”, sagt Gerd Goldbecker.

Er will die Kruke dort stehen lassen, ist gespannt auf die Reaktionen aus der Öffentlichkeit und hofft auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Am Freitagmorgen hatte ihm schon so mancher Autofahrer wohlwollend zugenickt.

Goldbecker stellt sich vor, als Dauerlösung eine Kunststoffflasche neu anfertigen zu lassen, die dann dauerhaft installiert wird. Sponsoren dafür habe er bereits.

 
 
 
 
 


« zurück