„Hier wird nichts gemauschelt oder gekungelt”

23.11.12

von Detlef Hans Serowy     Werther. Ob auf der Ackerfläche des ehemaligen Hofes Overbeck einmal gebaut wird, steht noch lange nicht fest. Sicher ist aber, dass die öffentliche und politische Diskussion um das potenzielle Baugebiet »Blotenberg« eine in Werther bislang kaum gekannte Dimension erreicht hat. Über zwei Stunden lang debattierte der Planungsausschuss am Mittwochabend über dieses Thema, obwohl lediglich ein Sachstandsbericht auf der Tagesordnung stand. Architektin Tanja Schrooten präsentierte Entwürfe zur möglichen Gestaltung des Baugebietes.

Mit 11 zu 8 Stimmen sei im Januar die Entscheidung gefallen das Planungsbüro »Tischmann Schrooten« mit der Erstellung eines Planentwurfes zum Baugebiet Blotenberg zu beauftragen, führte Vorsitzender Rainer Schütz (SPD) in die Sitzung ein. Tanja Schrooten aus Rheda-Wiedenbrück fasste den Planungsstand zusammen und gab einen Ausblick, wie das Baugebiet aussehen könnte. „Wir haben unsere Ideen in zwei Planskizzen umgesetzt, die Grundlage weiterer Beratungen sein können”, so die Architektin.

Für ihren Vortrag erntete die Fachfrau Lob von Gegnern und Befürwortern des Projektes. Hinter einem Riegel von Bürogebäuden an der Durchgangsstraße soll eine maximal mäßig verdichtete Bebauung entstehen. Das Gebiet könnte von einem Grüngürtel durchzogen werden und die Häuser dürfen nicht zu dicht aneinander stehen, damit sie sich nicht gegenseitig verschatten. Durchgangsverkehr soll es in dem Wohnquartier nicht geben. Vorgesehen sind ein große Wendebogen oder zwei Stichstraßen.

„Das ist sicherlich das Beste, was man aus dieser Situation machen kann”, erklärte Ulrich Buchalla, um anschließend die Ablehnung der Pläne durch seine CDU-Fraktion ausführlich zu begründen. Noch deutlich ausführlicher legte Reinhard Kreft dar, warum die UWG das Baugebiet mit voller Überzeugung unterstützt. Kurz und knapp lehnte Thorsten Schmolke (Grüne) das Baugebiet ab und argumentierte dabei insbesondere mit der Demografie. Gert Klages machte deutlich, dass die SPD das Projekt unterstützt.

In einer Sitzungspause konnten Vertreter der Protestbewegung gegen das Baugebiet ihrem Unmut Luft machen. Artur Kusch kritisierte das Baugebiet an sich und auch die Entscheidungsprozesse heftig als intransparent. „Es ist schön, dass man vom Berg aus später noch die Kirche sehen kann, von unten sieht man dann aber den Blotenberg nicht mehr”, so Kusch. Der Bürger forderte nachdrücklich die von der Architektin vorgestellten Planunterlagen ein. „Wir kommen wieder, wenn wir die Unterlagen ausgewertet haben”, kündgte er an.

Dass auf Seiten mancher Protestierer offenbar noch Informationsbedarf über den Ablauf und Stand des Verfahrens bestand, machten nicht nur die Ausführungen von Artur Kusch deutlich. „Haben die Bürger denn noch eine Möglichkeit, das alles zu verhindern?”, wollte Helmut Brandenburg wissen. Rainer Schütz mühte sich mehrfach, den Ablauf des Verfahrens zu erklären, bei den Gegnern des Blotenberges drang er damit nicht recht durch.

Jan-Holm Sussieck (FDP) unternahm den Versuch, das Geschehen politisch einzuordnen und auf die Faktenlage zurückzuführen. „Man kann seine Meinung auch mal ändern”, bemerkte er in Richtung CDU-Fraktion, die den Blotenberg in der Vergangenheit auch unterstützt hatte. Es sei aber unredlich, jetzt so zu tun, als stünde der Untergang des Abendlandes bevor, wenn dieses Baugebiet verwirklicht werde, kritisierte der Freidemokrat.

„Wir stehen erst am Anfang des Verfahrens”, betonte Sussieck. „Frau Weike setzt hier auch nichts mit ihrer Mehrheit durch, denn die gibt es nicht”, antwortete er auf eine entsprechende Äußerung von Ulrich Buchalla. Im Rat von Werther gebe es keine Koalitionen und das sei auch gut so. Vehement trat Sussieck der verschiedentlich öffentlich geäußerten Kritik am Ablauf des Planverfahrens entgegen. „Hier wird nichts gemauschelt und nichts gekungelt, es handelt sich auch nicht um einen Schnellschuss.”

Politik und Verwaltung hätten viele Stunden Arbeit in das Projekt investiert, Einwände würden sehr ernst genommen. „Wir müssen investieren, um unsere Steuerkraft zu sichern, es handelt sich um eine moderate und sensible Bebauung”, erklärte der FDP-Politiker.

Im Januar 2013 geht die Debatte um den Blotenberg im Ausschuss in die nächste Runde.

 
 
 
 
 


« zurück