»Filigranist« aus Leidenschaft

23.11.12
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von remmert feldkirch     Borgholzhausen. Bei seinen Freunden hat er den Spitznamen »Filigranist« und Eckart Lindemann gibt es selber zu, diesen Namen trägt er zu Recht. Er kann handwerklich eigentlich alles, ist Autodidakt und arbeitet sehr genau, geht den Dingen auf den Grund. Sein neuestes Hobby, das Drechseln von Kugelschreibern und Füllfederhaltern, lässt ihn zum äußerst filigran arbeitenden Handwerker werden. An seiner Drechselbank zaubert er regelrecht mit seltenen und ausgefallenen Hölzern individuelle und edle Schreibgeräte.

Das 59-jährige Allround-Talent aus Kleekamp ist in der Lindenstadt Halle geboren, in Steinhagen aufgewachsen. Von Beruf ist er Elektrotechniker, vor einigen Jahren bereits in den Ruhestand gegangen. Ein großer Schritt war vor fast genau 27 Jahren zusammen mit seiner Frau der Kauf der ehemaligen Homann-Villa. Heute wohnen hier drei Familien auf 600 Quadratmetern Wohnfläche, 1884 baute das Haus die Familie Homann. Hier wurde auch die erste Margarine hergestellt, weiß der jetzige Hausbesitzer, und die zwei Homann-Brüder wurden hier geboren.

Seit 27 Jahren wird auch an diesem Haus renoviert, und Eckart Lindemann hat fast alles selber gemacht. „Der Eckart ist noch auf dem Gerüst”, hatten die Nachbarn oft bemerkt, wenn er im Sommer bei Licht und bis Mitternacht die Außenfassade des Hauses sanierte. Bei einer speziellen Firma hat er nachgefragt, was denn die Reparatur der Stuckelemente kosten würde. „Da hab ichs lieber selber gemacht.” Und so war es auch mit der Heizung, dem Fußboden, den Fenstern ...

Er baute Holzkrippen, exklusiv und auch ganz einfach, er töpferte, verzierte die Sachen mit der Servietten-Technik. Da wird die gemusterte oder auch bunte Serviette mit einem Lack auf den Ton aufgetragen.

Ein weiterer Lebensabschnitt begann für den leidenschaftlichen Handwerker vor sieben Jahren. Durch Zufall bekam er eine Drechselbank angeboten. „Da ich auch im Maschinenbau gearbeitet hatte, hat mich das interessiert.” So kaufte er gleich die ganze Werkstatt mit allen Werkzeugen auf. Die Werkstatt wurde immer weiter ausgestattet, er begann zu drechseln, hat sich wieder alles selber erarbeitet, er ist eben mit Leib und Seele Autodidakt.

Mit der Zeit und viel Übung hat er sich an immer kleinere und filgranere Stücke herangewagt, „Drechseln ist eine richtige Kunst”, weiß er aus eigener Erfahrung. Man könne unheimlich viel drechseln, man müsse nur die Fantasie haben. „Solange meine eigene Festplatte oben noch in Ordnung ist, entwickele ich immer neue Dinge.” Oft hat Eckart Lindemann ein toll gemasertes Stück Holz in der Hand, spannt es ein und weiß noch nicht, was daraus wird.

Vor etwa drei Jahren begann es dann mit den Schreibgeräten. Das sei etwas für Könner, denn diese filigranen, da ist das Wort wieder, Kugelschreiber und Füllfederhalter sind aus einem Stück gedrechselt, da ist das Holz oft nur einen Millimeter stark. Sensationell! Inzwischen gibt es aus den seltensten Hölzern ganze Schreibsets - das sind alles wertvolle Unikate.

 
 
 
 
 


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