Der eisige Norden - erschreckend und schön

23.11.12
DSC_9103,DSC_9106

Von Rolf Uhlemeier     Halle. Einen grandiosen Auftakt der Reihe »Länder und Menschen« der Volkshochschule Ravensberg erlebten Mittwochabend 350 Gäste in der ausverkauften Aula des Haller Berufskollegs: Polarforscher und Abenteurer Arved Fuchs nahm seine Zuhörer mit auf eine Reise in die eisige Welt des Nordpolarmeeres - in eine Welt voller Schönheit, aber auch voller Dunkelheit und Tragödien.

Mit imposanten Bildern und einfühlsamen Worten zeichnete Arved Fuchs die Expedition »Nordpoldämmerung« auf den Spuren des US-amerikanischen Polarforschers Adolphus Greely nach. Wie ein Krimiautor entwickelte der Abenteurer die Geschichte der legendären »Greely-Expedition«, die in einer Katastrophe endete. Geheimnisvoll begann Arved Fuchs seine Erzählung mit einem Anruf einer älteren Dame aus Hannover, die ihm den Nachlass eines deutschen Mitgliedes der »Greely-Expedition« anbot. Das Tragische: Kurz bevor die letzten noch lebenden Mitglieder der Expedition völlig entkräftet und fast verhungert am 22. Juni 1884 von einem Rettungsteam entdeckt worden waren, hatte Greely den Deutschen erschossen, weil er angeblich Nahrungsmittel gestohlen hatte. Eine grausige Entdeckung machte das Rettungsteam, als es die Gräber der verstorbenen Expeditionsmitglieder öffnete: Offensichtlich hatten sich die Überlebenden in der Eiswüste durch Kannibalismus vor dem sicheren Hungertot gerettet. „Diese Geschichte hat mich sehr angerührt und ich beschloss, die Expedition nachzufahren”, sagte Arved Fuchs. Er schilderte, wie er zusammen mit seiner Crew die Originalschauplätze der »Greely-Expedition« besuchte und wie leicht die Katastrophe damals hätte verhindert werden können.

Arved Fuchs berichtete von der Überwinterung des Expeditionsschiffes »Dagmar Aaen« vor der Küste Grönlands, den Rückgang des Packeises in Folge des Klimawandels und von der gnadenlosen Ausbeutung der einst so fischreichen Polarregion.

Im zweiten Teil des Abends schilderte Fuchs die sommerliche Rückreise mit Stationen auf so malerischen Atlantikinseln wie »Tory Island«, auf der die 150 Insulaner Gälisch sprechen und sich nach wie vor einen König wählen. Der ist auf der Insel mit einem Kleinwagen unterwegs - Nummernschild: »king of tory«.

In diesen Tagen tourt Arved Fuchs mit seinem bildgewaltigen Vortrag durch die Republik, doch schon bald wird er mit der »Dagmar Aaen« und seinem Team wieder auf Expeditionsreise gehen. Vielleicht wird er dann irgendwann auch in die Lindenstadt zurückkehren und erneut viel zu berichten haben - über ferne Länder und fremde Menschen.

 
 
 
 
 


« zurück