Schülerinnen schminken Musicaldarsteller

22.11.12

Von Rolf Uhlemeier     Halle. Seit Jahren ist das Berufskolleg Halle bemüht, die einzelnen Ausbildungsgänge so praxisnah wie möglich zu gestalten. Jetzt ist der Schule ein besonderer Coup gelungen: Die Schülerinnen der höheren Berufsfachschule für Kosmetik arbeiten künftig mit dem Institut für Musik der Hochschule Osnabrück zusammen.

Durch Zufall hatte Berufskolleg-Lehrerin Anne Afzal-Gach von den Musical-Aufführungen der Osnabrücker Studenten gehört. „Ein Freund von mir studiert an der Hochschule und hat mir erzählt, dass sich die Darsteller vor den Aufführungen immer selbst schminken müssen. Da habe ich mit gedacht, das könnte doch eine tolle Herausforderung für meine Schülerinnen sein.” Die Haller Diplom-Kosmetologielehrerin nahm kurzerhand Kontakt zu Dirk Engler auf. Der Profilleiter »Musical« der Osnabrücker Uni war von der Idee begeistert und stimmte freudig zu. Engler: „Das ist eine typische »Win-Win-Situation«. Die Schülerinnen aus Halle erleben, was hinter der Bühne alles passiert und die Studenten müssen sich nicht mehr selbst schminken.”

20 Schülerinnen werden seit Anfang des Schuljahres in dem neu eingerichteten Bildungsgang unterrichtet. Nur acht von ihnen bekommen einen Platz in der »Visagistik-AG«. Anne Afzal-Gach: „Ich werde die Schülerinnen nach Leistung und Talent auswählen.”

Die besondere Herausforderung wird darin bestehen, dass die Musicaldarsteller als ganz normale Menschen geschminkt werden müssen. Dirk Engler: „Bei dem Musical »Working« geht es um Arbeitsbiographien. Normale Menschen berichten über ihr Leben, ihre Arbeit und das Land, in dem sie leben.” Laut Engler dokumentieren die ursprünglich von Pulitzer-Preisträger Studs Terkel geschriebenen Interviews die Zeit von der großen Depression bis in die Gegenwart. Die Studenten der Osnabrücker Hochschule beschränken sich in ihrer Aufführung allerdings auf aktuelle Bezüge. Dirk Engler: „Die Palette der Rollen reicht von der Putzfrau bis hin zum Börsenmakler.” Entsprechend anspruchsvoll wird die Arbeit für die Schülerinnen des Haller Berufskollegs sein. Anne Afzal-Gach: „Das ist eine ganz spannende Aufgabe. Es müssen die Charaktere der Figuren herausgearbeitet werden.”

Neben der rein handwerklichen Arbeit hinter den Kulissen befassen sich die Schülerinnen in der Visagistik-AG auch mit der Planung ihrer Arbeit. Anne Afzal-Gach: „Es muss ein Maskenplan entwickelt werden, in dem die Abläufe für die 20 Darsteller genau festgelegt werden.” Weil einige Studenten zwei Rollen haben, müssen die Zeiten laut Dirk Engler minutiös geplant und eingehalten werden.

Auch Hans-Jürgen Kuhlmann, Leiter des Haller Berufskollegs, war von der Zusammenarbeit mit der Hochschule sofort begeistert: „Die Schülerinnen lernen nicht im luftleeren Raum, sondern sind vor Ort, arbeiten mit den Darstellern zusammen und sehen, wie die dann später auf der Bühne stehen.”

 

 
 
 
 
 


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