Von d’Oppéde zu Dopheide

21.11.12

VON MARTIN

VON MARTIN

WERNEKENSCHNIEder

 

 

¥ Isselhorst/

Steinhagen.
Niehorster Familien mit Stammsitz auf einer Burg sind selten. Auch die Dopheides kommen nicht von einer Festung im Norden Güterslohs. Allerdings von einer Burg im südfranzösischen Oppéde de Vieux. Von dort wanderte der Baron Jean d’Oppéde als Glaubensflüchtling vor etwa 500 Jahren ins Ravensberger Land aus. Seit vielen Jahrzehnten treffen sich seine Nachkommen regelmäßig in Isselhorst. Darunter auch Steinhagener.

 

 

Vier Mal im Jahr treffen sich die Verbandsmitglieder. Der Familienverbandstag findet stets in Isselhorst statt. Zu Beginn wird bei einem Kirchgang der verstorbenen Dopheides gedacht. Dann geht es weiter zum Niehorster Gedenkstein für Johann den Friedfertigen. Im Anschluss an die Rückkehr nach Isselhorst wird im Gasthof »Zur Linde« traditionell Erbsensuppe gegessen und in gemütlicher Runde auf die Ereignisse des Jahres zurückgeblickt.

 

 

Gedenkplatte erinnert an den Ursprungshof

 

 

Die etwa 50 Teilnehmer der Jahreshauptversammlung hatten vor allem die letzte Reise nach Frankreich als Gesprächsthema. Alle paar Jahre steht eine Fahrt nach Oppéde de Vieux an. „Direkte verwandtschaftliche Beziehungen haben wir dorthin nicht mehr”, sagt Rolf Dopheide, 1. Vorsitzender. „Aber mit den Leuten vom Heimatverein verstehen wir uns sehr gut.”

Die französisch-deutsche Familiengeschichte begann mit einer Glaubensänderung. Die Familie des Barons d’Oppéde aus dem Ort Oppéde de Vieux in der Provence wandte sich der vorreformatorischen Bewegung der Waldenser zu. Daraufhin wurde die Familie verfolgt. Die d’Oppédes flüchteten in ein Herrschaftsgebiet, in dem sie als Waldenser willkommen waren.

Johann der Friedfertige, Graf von Ravensberg, ermöglichte ihnen die Ansiedlung in seinen Landen. So kamen die d’Oppédes nach Niehorst. Es dauerte nicht lange, bis sich der Baron durch Abwandlung seines Namens zur neuen Heimat bekannte. Fortan hieß er Johann Dopheide. Erstmalig nachweisbar ist der Name in einer ravensbergischen Schrift von 1536.

Die Dopheides bewohnten einen Hof am heutigen Reithallenweg in Hollen. Nachkommen der Neu-Ravensberger orientierten sich jedoch bald in Berufe außerhalb des bäuerlichen Standes und wurden Handwerker oder Kaufleute. Auch deshalb existiert der Ursprungshof nun nicht mehr. An seiner Stelle erinnert heute eine Gedenkplatte an Emil Dopheide.

Der Bielefelder Augenarzt gründete 1928 den Familienverband Dopheide. Nachdem es bis dahin immer wieder informelle Treffen geschichtsinteressierter Dopheides gegeben hatte, wollte er die Forschungen auf eine breitere Basis stellen. Emil Dopheide fuhr nach Frankreich, recherchierte in Kirchenbüchern und trug Informationen zusammen. Mit den Unterlagen baute er ein Familienarchiv auf. Heute wird es in Ummeln von einem Dop-heide geführt, der gelernter Archivar ist. Er verwaltet auch die Datenbank mit dem Stammbaum, der mittlerweile über 5000 Namen umfasst.

Noch heute wohnen etwa 70 Prozent der Familienmitglieder im Umkreis von

Bielefeld.
Viele von ihnen auch in der Gemeinde
Steinhagen.
Seit den ersten Forschungen von Emil Dopheide pflegen sie ihre Familiengeschichte auch in Form von Veröffentlichungen, die viele Daten in den historischen Kontext einordnen. So entstand eine dreibändige Chronik. Außerhalb des Familienverbandes sind sogar mehrere Romane über die Geschichte des Barons Jean d’Oppéde erschienen.

Trotz dieser reizvollen französisch-deutschen Familiengeschichte hat der Verband ein Problem mit der Altersstruktur. „Der Mittelbau ist nicht besonders stark vertreten”, erklärt Rolf Dopheide. Auf den Familientreffen fehlt es oft an Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Um den »Mittelbau« anzusprechen, wollen die Dopheides in Zukunft noch mehr die neuen Medien und soziale Netzwerke im Internet nutzen.

 
 
 
 
 


« zurück