Gemeinschaft soll beflügeln

21.11.12
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Von Marc Uthmann     Versmold. Zwei einsame Windräder stehen an der Langen Straße in Oesterweg. Sie sind die einzigen ihrer Spezies auf Versmolder Stadtgebiet. Manche Beobachter freuen sich darüber, dass nur wenig potenzielle Reviere für Artgenossen existieren, andere bedauern das. Doch trotz knapper Flächen gibt es nach den jüngsten politischen Entscheidungen (das HK berichtete) in der Fleischstadt Rückenwind für die Rotorriesen. Intensiv wird die Realisierung von Bürgerprojekten debattiert. Ohne die heimischen Landwirte als wichtigste Flächenbesitzer dürfte indes gar nichts gehen. Deren Ortsverbände wollen vor allem Streit vermeiden und Interessen versöhnen.

„Natürlich wird das Thema Windräder bei uns kontrovers diskutiert”, sagt Ulrich Holz, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes

Versmold.
„Es gibt ohnehin nur maximal 30 Bauern bei uns, deren Flächen für Windräder in Frage kämen - einige wissen wahrscheinlich noch gar nichts von ihrem Glück.” Generell sähen die älteren Landwirte solche Projekte skeptischer als die jüngere Generation, die sich mit solchen Konzepten offener auseinandersetze.

 

 

Klack warnt vor Flächenaufkäufern

„Uns geht es darum, Flächeneigentümer und Nachbarn gleichermaßen einzubeziehen”, so Holz, der auch Gespräche mit der Stadtverwaltung sowie der Strom- und Gasversorgung

Versmold (SGV)
führt: „Die Wertschöpfung sollte vor Ort bleiben. Es müssen ja nicht RWE und Co. die Windräder bei uns bauen.” So sieht es auch Joachim Klack, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Bockhorst: „In Harsewinkel waren bereits Flächenaufkäufer unterwegs und haben mit Eigentümern Vorverträge abgeschlossen. Wenn solches Schindluder getrieben wird, sind Bürgerwindräder natürlich nicht mehr möglich.”

Das immense Konfliktpotenzial der Windraddebatte mag Ulrich Holz derweil gar nicht verleugnen: „Abgesehen von den nötigen Abständen zur Wohnbebauung wird doch jeder Standort noch einmal individuell geprüft. Am Ende kommen vielleicht nur drei landwirtschaftliche Betriebe zum Zuge, die ihre Fläche für ein Windrad nutzen können. Und der direkte Nachbar geht leer aus.” Allein die hohen Planungskosten rechtfertigten darüber hinaus ein geneinsames Investment. Und dessen Rendite könnte unter Umständen auch Anwohner mit den Plänen versöhnen. „So ein Windrad in 500 Metern Entfernung von der Terrasse kann bestimmt erdrückend wirken”, sagt Holz, der in den Planungsprozessen mit Protest rechnet.

Handfesten Streit wie nahe an der Versmolder Grenze in Rippelbaum „müssen wir hier aber nicht haben”, hofft Holz der für vernünftige Gespräche, gemeinsame Projekte, aber auch für die Energiewende wirbt: „Denn dass wir keine Atomkraft mehr wollen, darüber besteht doch eigentlich ein Konsens.”

 

 

„Es geht darum, dem Wind ein Fenster zu öffnen”

Worte, die aus dem Mund von Joachim Klack stammen könnten. Der Sprecher der Bockhorster Bauern ist froh darüber, „dass dieses Thema wieder auf der Tagesordnung ist”. Dem zersiedelten Ravensberger Land und wenigen großen Freiflächen zum Trotz sieht Klack Chancen für Versmolder Bürgerwindräder: „Wenn Anlieger, wenn Nachbarn sich einig sind, können sie so etwas doch trotz Unterschreitung des Mindestabstandes gemeinsam auf die Beine stellen” - was mit einer Baulast auf den betroffenen Flächen verbunden wäre. „Es geht darum, dem Wind ein Fenster zu öffnen.”

Klack hat konkrete Vorstellungen darüber, wie es weitergehen könnte: „Politik, Verwaltung, Landwirte, Anlieger und SGV - denn der Strom müsste ja auch abgenommen werden - sollten über den Winter die Köpfe zusammenstecken. Und im Frühjahr müssten wir Ergebnisse und ein Konzept präsentieren.”

 
 
 
 
 


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