»Mondo Musica« wird gefeiert

20.11.12
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von ed rekate     Borgholzhausen. Von Aguilera bis Rossini, von Bach bis Webber, der 20-köpfige Weltmusik-Chor »Mondo Musica« unter der Leitung der sizilianischen Opernsängerin Claudia Oddo feierte am vergangenen Samstagabend Premiere und öffnete eine außergewöhnlich brillant gemixte Musiktruhe. Die prima geschulten Stimmen präsentierten in der wunderbaren Akustik der evangelischen Kirche die Tophits geistlicher und weltlicher Musik und kreierten eine klingende Atmosphäre voller Emotionen.

„Wir singen in zehn Sprachen, wenn man die sizilianische und lateinische Sprache dazu zählt. Wir stehen für die Offenheit gegenüber jeder Stilrichtung in der Musik”, eröffnete die Sopranistin Claudia Oddo das Konzert. In ihrer Funktion als Leiterin und Lehrerin moderierte sie die Mondo-Musica-Premiere und definierte die gemeinsamen Ziele: „Offenheit, und die Betonung auf das Miteinander sind bei diesem Chor sehr, sehr wichtig”.

»Nearer my God to thee«, anschwellend erklang der christliche Choral, der auf ein Gedicht der englischen Dichterin Sarah Flower Adams von 1841 basiert. Die Chormitglieder zogen überraschend durch das Ostportal in die mit mehr als 200 Konzertbesuchern besetzte Kirche ein und ließen das religiöse Lied, das beim Untergang der Titanic 1912 gespielt worden sein soll, durch das gesamte Kirchenschiff schreitend, klanglich bewegend in den Altarraum einströmen, in dem die Bielefelder Pianistin Lilia Simtchenkova virtuos aufspielte.

Nach dem überzeugenden Auftakt hatten Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart leichtes Spiel, die Mondo-Münder artikulierten die vierstimmige Kantate »Jesus bleibet mein Freude« perfekt und Claudia Oddo setzte beim nachfolgenden »Laudate Dominum« effektiv ihre Gänsehaut-Stimme ein. Dass nicht nur sie allein die besonders bewegliche Koloratur-Fähigkeit hat, bewies die sizilianische Stimmbildnerin, indem ihre Gesangsschülerin Felicitas Gellermann ein frühbarockes Stück von Heinrich Schütz solistisch interpretierte.

Souverän meisterte Gellermann die geforderten Höhen des Koloratursoprans. Nach ihrem bejubelten Erfolg schwoll in der Piumer Kirche der Gefangenenchor aus Nabucco an, der dreistimmig den Weg freimachte für den modernen Mythos vom Sohn des Mondes. In »Hijo de la luna« griff Oddo in die Tremolo-Trickkiste und schraubte ihre Stimme glasklar ausgedeutet in kosmische Dimensionen.

Aus dem Christina-Aguilera-Album »Back to the Basics« koppelte dann Chiara Kooijmans den Titel »Hurt« aus. Kräftig und mit einem bezaubernden Timbre generierte die 15-jährige Schülerin die Ballade, die den Verlust eines geliebten Menschen thematisiert. Mit »Memory« folgte der wohl populärste Song aus dem Musical »Cats« von Andrew Lloyd Webber. Der musikalische Rückblick in die Vergangenheit einer Glamour-Katze erschallte in einem speziellen vierstimmigen Arrangement von Dirk Martin und wurde fantastisch von den beiden Solistinnen Petra Finke und Felicitas Gellermann interpretiert, die in ihren Stimmlagen Alt und Sopran eine überzeugende Einfühlungsgabe präsentierten und fundamentale Unterstützung durch die Bassstimme Christof Lachettas erhielten.

Der füllende Bass Lachettas brillierte besonders im Wiegenlied »Ach, ?pij kochanie«. Der bewegende Song, der im Mondo-Musica-Kontext im Rahmen eines internationalen Schlaflied-Reigens steht, in dem auch tamilische, kubanische, russische und sizilianische Songs als Gute-Nacht-Gruß ertönen, stammt aus der polnischen Filmkomödie »Pawe? i Gawe?« aus dem Jahre 1938. Weitere Filmmusiken von Ennio Morricone und Amanda McBroom aus den Filmen »The Mission« und »The Rose« schlossen sich an, in denen Manuela Dickenhorst und Petra Finke solierten.

Zum Finale schlüpfte Claudia Oddo in die Rolle der feurigen »Carmen« und breitete zusammen mit dem Chor das volle Leistungsspektrum in Sachen Frequenzumfang aus. In Bizets »Habanera« verdrehte die Sängerin den Zuhörern in den ersten Reihen buchstäblich den Kopf. Die Begeisterung des Publikums, das nach soviel Emotionalität stehend applaudierend Zugaben forderte, bekam mit dem in russischer Sprache vorgetragenen »Kalinka« rhythmischen Effet. Und das ansteckende Mitklatschen verwandelte sich schlussendlich in einen tosenden Beifallssturm.

 
 
 
 
 


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