Abkehr vom Hass hin zur Liebe

18.11.12

Von Christiane Gerner     Werther. Wetter und Anlass passten so gut wie selten zueinander. Nach dem Gottesdienst in der St. Jacobikirche fand am gestrigen Sonntag die Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages am Ehrenmal direkt am Gotteshaus in grauem Nieselregen statt.

Abordnungen der Kyffhäuser-Kameradschaft, der Schützen und des Männergesangvereins Liedertafel waren gekommen, um gemeinsam den Kranz niederzulegen. Musaikalisch umrahmt wurde der feierliche Moment dabei von den Mitgliedern des Posaunenchores. Im Anschluss erinnerte der stellvertretende Bürgermeister Udo Lange an die auch in der heutigen Zeit nicht weniger aktuellen Verpflichtung zur aktiven Friedensarbeit. „55 Millionen Menschenleben hat allein der Zweite Weltkrieg gefordert”, forderte Udo Lange seine Zuhörer auf, sich entvölkerte Nachbarstaaten wie Großbritannien, Frankreich oder Italien vorzustellen. Dabei habe bereits 1920 der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Volkstrauertag eingeführt. „Damals waren den Menschen die entsetzlichen Ereignisse des Ersten Weltkrieges noch allzu bewusst”, bezog Lange auch die zehn Millionen Opfer aus der Zeit von 1914 bis 1918 mit ein.

Reichstagspräsident Paul Löbe habe 1922 anlässlich der Gedenkfeier im Reichstag ehrliche Worte zum Sinn des Volkstrauertages gefunden: „Leiden lindern, Wunden heilen, Tote ehren, Verlorene beklagen - das bedeutet Abkehr vom Hass, Einkehr zur Liebe, die die Welt Not hat.”

Diese Tradition wurde nur elf Jahre später jäh unterbrochen, als 1933 der Volkstrauertag zum »Heldengedenktag« mutieren musste. Da auch aktuell wieder »Heldengedenken« an deutschen Soldatenfriedhöfen zu vermelden sei, forderte Udo Lange seine Zuhörer auf, „allen mutig entgegenzutreten, die durch ihr Verhalten zeigen, dass sie aber auch gar nichts verstanden haben.”

Über drei Viertel der Deutschen seien gegen den Krieg im Irak gewesen und Ähnliches gelte auch für das andauernde Engagement in Afghanistan, das bis heute mehr als 50 deutsche Soldaten das Leben gekostet habe, so Lange. Deshalb warnte der stellvertretende Bürgermeister davor, darüber zu diskutieren, ob Bundeswehrsoldaten im zentralafrikanischen Staat Mali gegen ein islamistisches Unterdrückungsregime eingesetzt werden sollten.

Mit dem Singen der Nationalhymne endete die gut besuchte Gedenkfeier zum Volkstrauertag.

 
 
 
 
 


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