„Gründlich und ehrlich informieren”

09.08.12
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Borgholzhausen (DHS). „Eigentum verpflichtet.” Die Pressekonferenz der SPD-Ortsvereine Halle und Borgholzhausen im Ladencafé Knaust läuft schon eine ganze Weile, da fällt der entscheidende Satz. Heimische Sozialdemokraten um Klaus Brandner (MdB) kündigen am Mittwochmorgen zwar in erster Linie eine Informationsveranstaltung zum Thema »Netzausbau und Elektrosmog« am 14. August in der Lebkuchenstadt an. Eine Lösung im Sinne der betroffenen Stromtrassenanlieger könne es aber nur unter Mithilfe von Grundeigentümern im Bereich der Trasse geben, bringt es der Bundestagsabgeordnete auf den Punkt.

„Menschen mit großem Landbesitz sollten die Flexibilität haben, Veränderungen in der Trassenführung zum Nutzen vieler Anlieger möglich zu machen”, lautet der Appell von Klaus Brandner an die Landwirte, deren Äcker im Bereich von je 500 Metern rechts und links der bestehenden Trasse liegen. „Die Verhandlungen laufen, wir wollen niemanden verprellen”, betont Rolf Syassen als Fraktionsvorsitzender der SPD in

Borgholzhausen.

Arnold Weßling hat am Mittwoch als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Gütersloh im Haller Kreisblatt eine Dauerrente für die Grundeigentümer gefordert. Deren Höhe solle von der durchgeleiteten Strommenge abhängen. „Das bekommen die Städte schließlich auch”, so Weßling. Er bezeichnet lediglich die „kleine Verschwenkung der Trasse” als realistisch.

Während die genaue Lage der Trasse noch ungewiss ist, steht für die SPD-Ortsvereine Halle und Borgholzhausen sowie Klaus Brandner fest, dass die Betroffenen „so gründlich und ehrlich wie möglich” über die Risiken der Höchstspannungsfreileitung informiert werden sollen. „Viele Bürgerinnen und Bürger befürchten Risiken für Mensch und Natur, wir nehmen die Bedenken der Menschen sehr ernst”, betont Klaus Brandner.

Um möglichst unabhängigen Sachverstand zu gewinnen, hat sich der heimische Abgeordnete an die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gewandt. „In der Industrie werden Maschinen mit Hoch- und Höchstspannung betrieben und diese Maschinen werden von Menschen bedient”, erläutert Brandner. Die Bundesanstalt müsse sich deshalb mit dem Thema beschäftigen.

Den Stand der Forschung in Sachen elektromagnetische Strahlung und ihre Auswirkungen auf den Menschen werden am Dienstag, 14. August, Gruppenleiter Dr. Erik Romanus und Dr. Hannelore Neuschulz ab 17.30 Uhr im Rathaus von Borgholzhausen vorstellen. Neuschulz ist eine renommierte Expertin für elektromagnetische Felder. Alle Interessierten sind willkommen, Klaus Brandner übernimmt die Moderation.

„Wir als SPD ducken uns nicht weg, wenn es jetzt darum geht, die Folgen einer durch die Bundesregierung verbockten Energiewende zu bewältigen”, erklärt Klaus Brandner und verweist darauf, dass der im Jahr 2000 von Rot-Grün vereinbarte Atomausstieg von der CDU-FDP-Koalition zunächst 2009 „zu unserem Bedauern” rückgängig gemacht wurde. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima folgte dann die „Rolle rückwärts” in den Atomausstieg.

„Mit dieser Politik wurden Verbraucher und Firmen stark verunsichert”, so Brandner. Dieser Zickzackkurs sei auch mitverantwortlich dafür, dass jetzt der Ausbau regenerativer Energien stocke und große Anstrengungen unternommen werden müssten, um die Versorgungssicherheit mit Strom in Deutschland zu sichern. „Der Netzausbau ist dafür nötig”, betont der Abgeordnete.

Bei Photovolataik gebe es im Sommer und bei Windkraft im Winter große Überschüsse. „Es kommt zu Spitzen im Angebot und in der Nachfrage, die das Stromnetz verkraften muss”, so Brandner. Als Netzbetreiber bekomme Amprion einen Auftrag von Energieunternehmen und letztlich von der Bundesnetzagentur, dafür auf einer genehmigten Trasse zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen.

„Es darf nicht dazu kommen, dass die Betroffenen ihre Bedenken, Sorgen und Ängste nicht artikulieren können und das Gefühl bekommen, bei einem sehr wichtigen Vorhaben nicht gehört zu werden”, fordert Klaus Brandner. Das Anliegen der SPD sei es jetzt, mit der Informationsveranstaltung am 14. August den wissenschaftlichen Sachstand in Sachen elektromagnetischer Strahlung zu vermitteln und Fragen an ausgewiesene Fachleute zu ermöglichen.

„Es geht nicht um die Frage, ob vielleicht eine bessere Trasse außerhalb der genehmigten Trassenbreite möglich ist”, erklärt Rolf Syassen. Innerhalb dieser Breite sei Amprion bereit, mit „nicht unwesentlichen Mehraufwendungen das Mögliche für die Anlieger zu machen”, beschreibt Klaus Brandner die Ausgangssituation. Die Grundeigentümer müssten natürlich mitspielen.

Während es am 14. August um die Risiken der Strahlung geht, soll es zwei Wochen später auf einem »Info-Markt« am Dienstag, 28. August, ab 17 Uhr im Schulzentrum Masch in Halle um das Bauvorhaben an sich gehen. Vertreter von Amprion werden vor Ort sein und das Vorhaben vorstellen. Anschließend soll diskutiert werden.

Klaus Brandner wird ebenfalls dabei sein und er wünscht sich, dass ein verantwortlicher Vertreter der Landwirtschaft ebenfalls Rede und Antwort steht. „Amprion wird die Frage möglicher Entschädigungen natürlich nicht mit den einzelnen Eigentümern, sondern möglichst mit dem Verband zentral für alle führen wollen”, so der SPD-Politiker. Wenn jeder das Maximum für sich herausholen wolle, dann sei man in der Sache am Ende. Dazu dürfe es nicht kommen, fordert der Abgeordnete.

 
 
 
 
 


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