Stadtbibliothek stapelt hoch

08.08.12

Von Anja Hanneforth

Von Anja Hanneforth

 

 

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Werther.
„Der Wasserschaden hat uns richtig vorangebracht.” Dass Susanne Damisch das jemals sagen würde, hätte sie wohl selbst nicht gedacht. Doch die Leiterin der Stadtbibliothek muss zugeben, dass der Wasserrohrbruch im Februar 2011 durchaus seine guten Seiten hatte. Getreu dem Motto »Kein Schaden so groß, immer ein Profit dabei« gab er den Anstoß, dass das Team der Bücherei den Bestand großflächig durchforstete. Alle Bücher - auch die, die von dem Vorfall gar nicht betroffen waren - wurden in die Hand genommen und dann entschieden, ob man sie noch brauchte oder nicht. „Das vergangene Jahr hat also viel frischen Wind ins Haus gebracht”, resümiert Susanne Damisch, als sie jetzt den Jahresbericht 2011 vorstellte.

 

 

Kinder und Familien - sie sind und bleiben die Hauptzielgruppe der Stadtbibliothek. Größtes Augenmerk liegt auf den Sechs- bis Zehnjährigen. „Wenn wir es schaffen, sie fürs Lesen zu begeistern, bleiben sie auch im späteren Leben dabei”, hat Susanne Damisch festgestellt. Selbst wenn die Kinder als Jugendliche nicht regelmäßig zum Buch greifen würden, erinnerten sie sich doch im Erwachsenenalter wieder daran, wie schön dies sein könne.

„In eine andere Welt abzutauchen, Abenteuer zu erleben oder eine Liebesgeschichte, ein Verbrechen aufzuklären oder fremde Orte kennen zu lernen - das ist ein Vergnügen, das mit nichts vergleichbar ist”, findet Susanne Damisch. Dieses Vergnügen anderen zu vermitteln sei das Anliegen der Stadtbibliothek.

Dabei müsse man bei den Kindern möglichst früh ansetzen und ihnen zunächst die Scheu vor der Bibliothek nehmen. Regelmäßig organisiert das Team daher Führungen für Schulklassen und Kindergartengruppen, stellt außerdem Bücherkisten zusammen, die die Kinder oftmals anlässlich eines Besuchs abholen und auch zurückbringen. „Wenn sie uns erst einmal kennen gelernt haben, kommen sie vielleicht öfter, mit ihren Eltern oder auch allein”, nennt Susanne Damisch das erklärte Ziel.

Dass sich ein Besuch lohnt und für jeden Geschmack das Passende bietet, wird am Angebot deutlich. Über 15 600 Medien stehen zur Verfügung, nicht nur eine große Menge an Kinder- und Jugendliteratur, sondern auch Sachbücher und Romane, Reiseliteratur, Bau- und Bastelbücher für Haus und Garten, dazu CDs, CD-ROMs, DVDs, Brettspiele und - erst seit Anfang dieses Jahres - wii-Konsolenspiele.

„Was sollen wir drum herumreden?”, so Damisch: Es sei Fakt, dass Kinder und Jugendliche heute andere Interessen hätten als noch vor 20, 30 Jahren. Heute nähmen neue Medien, besonders solche, die man am Computer spielen könnte, eben eine große Rolle ein. Und dieser Nachfrage müsse man Rechnung tragen, findet die Bibliotheksleiterin. Dass es neue Medien jemals schaffen könnten, Bücher zu verdrängen, glaubt sie nicht: „Sicher kommen in den nächsten Jahren immer neue Angebote hinzu. Aber die alten werden ihre Attraktivität behalten, davon bin ich überzeugt. Den Kulturpessimismus, den viele pflegen, teile ich nicht. Eine möglichst große Bandbreite - das macht das Angebot einer Stadtbücherei attraktiv.”

Natürlich achte die Bibliothek darauf, was angeschafft wird. „Unsere Computerspiele spielt man mit mehreren, so dass sie besonders für Familien geeignet sind”, erklärt Susanne Damisch. Sie seien so nachgefragt, dass sie - wenn überhaupt - nur wenige Stunden im Regal der Stadtbibliothek verblieben und flugs wieder ausgeliehen würden. „Unser Bestreben ist es, das Sortiment so aktuell wie möglich zu halten, gleichzeitig aber beim Einkauf der Medien nicht zu forsch zu agieren.” Lieber warte man ab und schaue, wie andere Bibliotheken es machen, bevor man selbst Geld ausgibt.

So groß, dass sich die Stadtbibliothek Experimente leisten könnte, ist der Etat ohnehin nicht. 11 000 Euro stellt die Stadt jedes Jahr zur Verfügung, hinzu kommen einige Projektmittel und 1000 Euro durch die Kreissparkasse und die Volksbank für den Sommerleseclub. Weitere Gelder spielen die Bücherflohmärkte ein, „eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle”, unterstreicht Susanne Damisch, die mit der Erneuerungsquote von 13,2 Prozent im vergangenen Jahr sehr zufrieden ist.

Über 66 000 Ausleihen kann sie für 2011 vermelden, womit jedes Medium im Durchschnitt mehr als viermal ausgeliehen wurde. Eine ebenso gute Bilanz wie die der aktiven Bibliothekskunden. 1423 Ausweise seien im vergangenen Jahr im Umlauf gewesen, aktive Kunden gäbe es vermutlich mehr, da ein Ausweis oft von mehreren Familienmitgliedern genutzt würde. Dennoch wolle sie nicht verhehlen, dass die Zahl der Kunden im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig sei. So konnte die Bibliothek 2009 noch 1481 Ausweise ausgeben, 2010 waren es noch 1476.

Umso wichtiger die vielen kleinen und größeren Aktionen, die die Stadtbibliothek veranstaltet und damit auf sich aufmerksam macht: die Schlossgeschichten zum Beispiel, Lesungen für Erwachsene, die »Lange Lesenacht« oder aktuell den Sommerleseclub.

 
 
 
 
 


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