Nostalgie im Netzwerk |
02.08.12 |
![]() ... »du im Parkbad nachtschwimmen warst«, lautet einer der mittlerweile kaum mehr zählbaren Kommentare, auf die es wie in fast jedem Fall zahlreiche Reaktionen gibt. Und wenn sich dann einer der Versmold-Jünger daran erinnert, dass damals auch der Bademeister verschmitzt um die Ecke lugte und dem nächtlichen Treiben seinen Segen gab, werden plötzlich längst verdrängte Erinnerungen geweckt.
Ein Fundus für Versmolder Geschichten Man kann dem Forum zwar auch ohne eigenes Zutun hinzugefügt werden, soweit man Facebook-Mitglied ist. Dass die Gruppe beliebt ist, daran besteht trotzdem kein Zweifel. So diskutieren Versmolder Nostalgiker seit dem 20. Juni ebenso wie jene, die der Fleischstadt schon vor langer Zeit den Rücken kehrten und sich jetzt gemeinsam mit anderen erinnern möchten. Hoffte Gruppengründer Nick Reichelt anfangs noch darauf, dass er die 300-Mitglieder-Grenze knackt, hat sich das Forum bei Facebook längst zum Fundus für Versmolder Geschichten gemausert, die sonst möglicherweise verloren gehen würden. Denn wer wird in einigen Jahren noch wissen, dass in der Diskothek an der Rothenfelder Straße, die damals noch Nanu hieß, einst ein legendäres - strahlend blau schimmerndes - Freigetränk zur Begrüßung serviert wurde? Dessen geschmackliche Qualitäten übrigens waren hoch umstritten. Wer erinnert sich, dass es die beste Bratwurst der Stadt einst bei Temme an der Münsterstraße gab? Dort, wo heute der Istanbul-Grill zu finden ist. Oder dass die Bäckerei Götze an der Alten Landwehr sonntags erste Adresse für Süßwaren, Butterkuchen und Brötchen war? Die Gemeinde beschränkt sich aber keinesfalls nur darauf, längst geschlossene Geschäfte wieder zum Leben zu erwecken. Da werden die Namen Versmolder Originale jongliert, es gibt aber auch eine offene Debatte über die Vor- und Nachteile der Stadt mit mehr als 50 Beiträgen. Viele nutzen das Forum auch, um sich auf den neuesten Stand zu bringen: Was macht eigentlich ...? Wer kennt noch ...? Allen Beiträgen ist eines gemein: Sie verbinden Generationen, denn die eigene Stadt ist für Mittzwanziger ebenso interessant wie für Mittfünfziger. Und darum sind in der Gruppe auch die verschiedensten Altersklassen vertreten. Der 31-jährige Renato Ferreira, der aus Versmold kommt und mittlerweile in Hamburg lebt, war erst skeptisch: „Ich dachte, das wäre wieder so eine Gruppe, in der man nur mit Beiträgen zugeschüttet wird.” Doch was er las, interessierte ihn und so schrieb er selbst einen Beitrag über den ehemaligen Tante-Emma-Laden von Marlene Eggert in Peckeloh. „Man stößt in dieser Gruppe auf einen Haufen Dinge, die man fast schon wieder vergessen hatte. Das ist einfach schön und hat ein Stück weit mit Heimatverbundenheit zu tun”, sagt Ferreira über seine Motivation. Es ist die eines bekennenden Versmolders.
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