Flagge zeigen für die Heimat |
07.06.12 |
![]() „Europa wird sehen, dass Polen und die Ukraine in der Lage sind, so ein Ereignis zu organisieren”, sagt Niektow (46), der seit acht Monaten in Versmold lebt. Matejewski, 29 Jahre alt und vor elf Jahren nach Versmold gekommen, fügt hinzu: „Das ist für die Länder eine tolle Möglichkeit zu zeigen, dass sie gute Gastgeber und die große Mehrheit der Menschen friedlich und freundlich sind.” Als Chance erachten sie das Turnier aber nicht nur, weil es eine Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung bewirken kann. Die neuen Straßen, Bahnhöfe und Flughäfen, die gebaut wurden und werden, heben den Lebensstandard und werden es den Ländern noch nach der EM ermöglichen, sich westeuropäischem Niveau weiter anzunähern. „Es ist schon unglaublich”, sagt Niektow und lacht, „da ist in den vergangenen drei Jahren mehr Infrastruktur entstanden als vorher in zehn oder 15 Jahren - alles wegen der EM.” Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass er von einem zwischenzeitlich diskutierten Boykott der Spiele gar nichts hält. Dass es in der Ukraine Probleme wie Menschenrechtsverletzungen und Korruption gibt, stellt Niektow nicht in Abrede. Doch seine Überzeugung lautet: „Sport und Politik muss man trennen.” Die EM biete zudem den sogenannten kleinen Leuten die Möglichkeit, für kurze Zeit ihre Probleme zu vergessen. Das sieht Matejewski genauso. Die Vorfreude auf die Spiele ist bei beiden groß. Die Polen, die am Freitag im Eröffnungsspiel auf Griechenland treffen, haben zwar mit Russland und Tschechien als weiteren Gegnern eine vermeintlich leichte Gruppe erwischt. Das Erreichen des Viertelfinales hält Matejewski denn auch für machbar. Ein mögliches Duell mit Deutschland fände er, der seit seiner Ankunft in Versmold für den SC Peckeloh kickt, sehr reizvoll. „Polen, ist doch klar”, antwortet er auf die Frage, wem er die Daumen drücken würde. Auch Niektow, der früher Eishockey und Fußball spielte, zeigt Flagge für sein Heimatland. „Ich bin Patriot”, sagt er, rechnet sich aber wenig aus: „Wir haben in der Gruppe mit Frankreich, England und Schweden fast keine Chance.” Die große Hoffnung beider liegt darin, dass ihre Teams vor heimischem Publikum über sich hinauswachsen. Gleich an zweiter Stelle folgt bei ihnen die deutsche Mannschaft. Der trauen sie sogar den Titel zu. Niektow überlegt, mit seiner Familie zum Public Viewing im kleinen Stadtpark zu gehen: „Ich will die schöne Atmosphäre miterleben.” Für Matejewski hingegen ist Rudel-Gucken nichts. „Ich kann Fußball nur im kleinen Kreis genießen”, sagt er. Mit Ehefrau Friederike und deren Großeltern wird er zu Hause ein paar Begegnungen gucken. Spätestens beim zweiten Gruppenspiel seiner Mannschaft gegen Russland will er dann auch das richtige Outfit tragen. Am nächsten Dienstag wird Matejewski 30, und sein größter Wunsch ist ein Polen-Trikot. |
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