Hitler-Arbeitsblatt bringt Eltern auf |
22.02.12 |
![]() Das Arbeitsblatt war keineswegs Teil des Geschichtsunterrichts. Vielmehr bot es den Schülern eine Anleitung, wie man ein Referat vor Mitschülern hält. Was Adolf Hitler auf dem Zettel zu suchen hat, konnten sich weder Schüler noch Eltern erklären. Die Eltern setzten aufgebracht und verunsichert über einen womöglich rechtsradikalen Hintergrund des Lehrers die Telefonkette in Gang. Sie berieten sich und beschlossen schließlich, die Schulbehörde der Bezirksregierung zu informieren. Die Kinder diskutieren in einer geschlossenen Gruppe des sozialen Netzwerkes facebook über den Lehrer. Und auch unter den Kollegen ist das Arbeitsblatt Thema. Eine rechtsradikale Neigung des Lehrers schließen die meisten aus. „Er ist Antifaschist”, ist sich eine seiner Kolleginnen sicher. Die Bezirksregierung Detmold hat am gestrigen Dienstag entschieden, den Lehrer mit sofortiger Wirkung zu suspendieren. „Die Maßnahme ist notwendig geworden, weil dem Beamten wegen des Verdachts der unzulässigen Verwendung von nationalsozialistischen Symbolen im Unterricht erhebliche Dienstpflichtverletzungen vorgeworfen werden”, heißt es in einer offiziellen Presseerklärung der Bezirksregierung. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe die Bezirksregierung sofort begonnen, den Sachverhalt aufzuklären. Das werde jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Da die Vorwürfe, sollten sie zutreffen, auch den strafrechtlichen Bereich berühren, hat sich die Bezirksregierung zudem entschieden, die zuständige Staatsanwaltschaft in Bielefeld zu informieren, heißt es in der Erklärung weiter. Über diese Entscheidung hat die Behörde den betroffenen Beamten bereits in Kenntnis gesetzt. Die Suspendierung besteht nach Angabe der Bezirksregierung voraussichtlich für die Dauer der Ermittlungen. Die Behörde betont, dass mit der Suspendierung keinerlei Vorverurteilung oder Schuldzuweisung verbunden ist. Ob der Lehrer wirklich eine Dienstpflichtverletzung begangen hat, darüber könne erst nach Abschluss der Ermittlungen befunden werden. Ulla Husemann, Schulleiterin der Kreisgesamtschule, zeigt sich bestürzt. „Ich bin betroffen über die Vorwürfe”, sagt sie. „Wichtig ist aber auch mir, den Kollegen nicht vorzuverurteilen, bevor die Ermittlungen der Bezirksregierung nicht abgeschlossen sind”, appelliert sie vor allem an die Eltern der Schule. „Was muss man geraucht haben, um so etwas auf ein Arbeitsblatt zu schreiben?”, formuliert ein Vater aus der betroffenen Klasse etwas salopp, was sich nun auch die anderen Eltern fragen. Hinnehmbar sei eine solche Formulierung nicht, selbst wenn es sich um einen wie auch immer gemeinten Scherz gehandelt haben sollte. „Eigentlich war er ein korrekter Lehrer, mit dem man klar kommen kann”, findet ein ehemaliger Schüler des suspendierten Lehrers. Ein solcher Spruch könne allerdings allenfalls am Stammtisch als Scherz aufgefasst werden. „Aber das sind Kinder und mit denen kann man über so was tatsächlich nicht scherzen”, urteilt der heute 24-Jährige. |
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