Tote aus Kölkebeck offenbar Nelli Graf

14.02.12
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Von Nicole Donath     Halle. Bei der Leiche, die vergangenen Donnerstag am Rande eines Wäldchens im Haller Ortsteil Kölkebeck gefunden wurde, handelt es sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit” um Nelli Graf. Als Todesursache hat die Obduktion vielfache Stichverletzungen gegen den Körper der Frau ergeben. Das haben gestern Mittag die Staatsanwaltschaft Bielefeld und die Polizei in einer gemeinsamen Mitteilung erklärt.

Nachdem der Kölkebecker Landwirt Gerhard Schacht und sein Labrador Henry am Nachmittag des 9. Februar die Tote in einer Senke zwischen Wäldchen und Acker am Kölkenweg gefunden hatten, wurde der Leichnam mitsamt dem gefrorenen Unterboden geborgen und noch am späten Abend nach Bielefeld gebracht. Als der Fund dort mit speziellen Hilfsmitteln aufgetaut worden war, hat die Rechtsmedizin Münster im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bielefeld am Wochenende eine erste Obduktion durchgeführt. Das Ergebnis: Die Bekleidung des Opfers und der aufgefundene Schmuck stammen von der dreifachen Mutter und Ehefrau, zudem entspricht die Statur des Leichnams dem der 46-Jährigen. Vor diesem Hintergrund gehen die Ermittler auch mit „hoher Wahrscheinlichkeit” davon aus, dass es sich bei der Leiche um Nelli Graf handeln muss, die seit dem 14. Oktober vergangenen Jahres vermisst wird. Endgültige Gewissheit werde jedoch erst die in Auftrag gegebene DNA-Untersuchung des Leichnams geben. Diese Untersuchung wird in einem speziellen Sektionsraum eines Bielefelder Bestattungsunternehmens durchgeführt. Mit einem Ergebnis wird in wenigen Tagen gerechnet.

 

 

Frage nach sexuellem Missbrauch wird noch geklärt

 

 

Da es sich hierbei um Täterwissen handelt und der Täter noch nicht ermittelt ist, werden aus ermittlungstaktischen Gründen zu der Art und der Anzahl der Verletzungen sowie der genauen Auffindesituation am Fundort der Leiche seitens der Polizei noch keine weiteren Angaben gemacht. Auch zur Klärung der Frage, ob das Opfer zudem sexuell missbraucht worden ist, wie teilweise gestern bereits verbreitet wurde, kann nach den Feststellungen der Rechtsmedizin noch keine abschließende Angabe gemacht werden: „Hierzu sind noch weitere rechtsmedizinische Untersuchungen nötig, die Wochen in Anspruch nehmen können”, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Angesichts der neuen Umstände im Fall Nelli Graf hat die Mordkommission »Ahorn« der Polizei Bielefeld unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Ralf Östermann die Ermittlungen wieder aufgenommen. Unterstützung gibt es dabei von den Kolleginnen und Kollegen aus Gütersloh. Zurzeit sind acht Kommissare mit dem Fall beschäftigt, die aktuell vom Polizeipräsidium in Bielefeld aus agieren.

 

 

„Die Ermittlungen fangen bei Null wieder an”

„Nachdem die Mordkomission zunächst die Familie von Nelli Graf über das Obduktionsergebnis informiert und psychologische Betreuung angeboten hat, fangen sie mit ihren Ermittlungen nun bei Null wieder an”, erklärte Staatsanwalt Christoph Meckel im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt. Dabei seien Ralf Östermann und seine Kollegen auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen: „Die Untersuchungen am Fundort der Leiche wurden am Wochenende abgeschlossen, jetzt werden Zeugen gesucht, die ab dem 14. Oktober, also zum Zeitpunkt der Entführung, etwas gesehen haben, das zur Aufklärung des Falls dienen könnte”, so Christoph Meckel weiter. Wie lange die Leiche am Fundort in Kölkebeck gelegen hat, lässt sich zurzeit übrigens noch nicht sagen. Jäger, die zwischen Weihnachten und Neujahr in dem Bereich am Kölkenweg unterwegs waren, sollen jedenfalls nichts Auffälliges bemerkt haben.

Nachdem nun traurige Gewissheit über das Schicksal von Nelli Graf herrscht, befassen sich neben der Mordkommission auch die Menschen in Halle mit der Frage: Wer hat Nelli Graf erstochen - und warum? Zahlreiche Schaulustige fuhren am Wochenende nach Kölkebeck und versuchten, einen Blick auf die Fundstelle der Leiche zu werfen. Anlieger berichten, dass der Pkw-Verkehr nie so hoch gewesen sei wie Samstag und Sonntag. Nicht zuletzt wird in diversen Internet-Foren über Täter und Motiv spekuliert.

 

 

Woher stammt der

SC-Halle-Schlumpf?

 

 

Angsichts der Tatsache, dass die Leiche mit einem blauen Schlumpf, der die Aufschrift »SC Halle« auf dem Rücken trägt, abgedeckt gewesen sein soll, machen sich auch SC-Vorsitzender Henning Witte und diverse Mitglieder natürlich so ihre Gedanken, wie das Kleidungsstück dorthin gelangt sein kann und wer es getragen hat. „Zunächst einmal muss geklärt werden, aus welcher Abteilung und aus welchem Jahr der Schlumpf stammt”, so Henning Witte. „Jede Abteilung hat ihre eigenen Modelle, ihr eigenes Design.”

 
 
 
 
 


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