Botschafter deutscher Chormusik

28.01.12
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Von Frank Jasper     Steinhagen. Als Werner Jacobs nach einem Konzert 1998 im britischen Glasgow von der Bühne kam, trat ein enttäuschter Schotte vor ihn und beklagte sich: Er sei extra 80 Kilometer gereist, um deutsche Lieder von Schubert, Brahms oder Mendelssohn-Bartholdy zu hören. Warum die Gäste aus Deutschland nur auf Englisch gesungen hätten? „Das hat mich nachdenklich gemacht”, sagt Werner Jacobs, der diese Begebenheit gerne zum Besten gibt, um dann eine Lanze zu brechen - für das deutsche Kunst- und Volkslied. Der Männerchor Belcanto, der an diesem Wochenende sein 20-jähriges Bestehen feiert, sieht sich bis heute als Botschafter jener Chorliteratur.

Es war der 30. Januar 1992, als im Heimathaus 18 Männer zusammenkamen, um den Männerchor Belcanto zu gründen. Hervorgegangen ist der Chor aus der Sängergemeinschaft

Steinhagen.
„Unser Anliegen war es damals, dass der Männerchor selbständiger wird. Als sich dafür in der Sängergemeinschaft keine Mehrheit fand, haben wir einen eigenen Verein gegründet”, blickt Werner Jacobs zurück.

Der Chor sei vor 20 Jahren mit dem festen Willen angetreten, neue Wege zu gehen. So wurde es beispielsweise zur Pflicht, dass die Sänger ohne Notenheft auftraten. Die Liedtexte sollte jeder auswendig können. Heute sieht das der Chor nicht mehr ganz so eng.

Viel Wert legt der Männerchor Belcanto, dessen Name sich aus dem Italienischen ableitet und so viel wie „schöner Gesang” bedeutet, auf eine sorgsame Wahl der Auftrittsorte. „Unser erstes Konzert haben wir im Garten von Heinz Wittler gegeben, unter Beteiligung des Fanfarenchors aus Woerden”, erinnert sich Werner Jacobs, der lange Jahre als Erster Vorsitzender der Sänger fungierte. Außerdem trat Belcanto als erster weltlicher Chor in der Steinhagener Dorfkirche auf. Gut in Erinnerung werden vielen Steinhagenern die Gastspiele vor der wunderschönen Kulisse des Patthorster Schlosses sein oder die Auftritte neuerer Zeit im Historischen Museum.

„Daneben waren wir oft im Ausland unterwegs”, blickt Werner Jacobs zurück, „Zum Beispiel haben wir 1997 in Danzig ein Konzert mit dem dortigen Eisenbahner-Männerchor gegeben.” Die Konzert- und Kulturreisen führten die Steinhagener außerdem ins italienische Fivizzano und ins niederländische Woerden.

Bis heute pflegen die Sänger das deutsche Kunst- und Volkslied und nehmen immer wieder Titel aus bekannten Opern in ihr Repertoire auf. Damit stemmt sich der Männerchor Belcanto ganz bewusst gegen den Zeitgeist, in dem die eigene Kultur immer mehr zu verwässern droht.

 

 

In 20 Jahren ist keine einzige Chorstunde ausgefallen

 

 

Ein weiterer Meilenstein in der Chorgeschichte ist neben den Konzertreisen auf jeden Fall 2003 die Gründung des Kammerchors Belcanto, in dem ausschließlich Frauen singen. Daneben nehmen die Mitglieder den 20. Geburtstag zum Anlass, an die Chorleiter zu erinnern, die maßgeblich zum Erfolg des Klangkörpers beigetragen haben. Nachdem Manfred Altvater von der Sängergemeinschaft die ersten Übungsabende geleitet hatte, dirigierte von April 1992 an Heti Schmidt-Wissing den Chor.

Es folgten unter anderem Hauke Osada, Yeow Hoay Aw und Karen Schulze-Koops. Seit zehn Jahren zeichnet Michael Lehmann für die musikalische Leitung verantwortlich. Nicht ohne Stolz merkt Werner Jacobs an: „In den 20 Jahren unseres Bestehens ist keine einzige Chorstunde ausgefallen.”

Sehr am Herzen lag dem Chor schon immer die Nachwuchsförderung. Das belegen die Gastauftritte zahlreicher Musiker, aber auch die Veranstaltungsreihe »Kinder brauchen Musik«, die die Sänger in Zusammenarbeit mit heimischen Kindergärten und Grundschulen durchgeführt haben. Die Rekrutierung des eigenen Chornachwuchses gestaltet sich indes schwer.

Im Rahmen des Neujahrsempfangs an diesem Sonntag feiert der Männerchor Belcanto gemeinsam mit Freunden und Förderern seinen runden Geburtstag im Hotel-Restaurant Graf Bernhard 1344. Beginn ist um 11.15 Uhr. Eine kleine Ausstellung erinnert dort an die Geschichte des Chores.

Und gewiss wird es sich Werner Jacobs nicht nehmen lassen, den Anlass zu nutzen, um ein flammendes Plädoyer für den Chorgesang zu halten und ein Loblied auf das deutsche Liedgut zu singen.

 
 
 
 
 


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