Sinnvolles zwischen Abi und Studium |
07.01.11 |
![]() ![]() Von Christiane Gerner
¥ Steinhagen-Amshausen. Melanie Huscheck und Jan Handelmann machen ihr freiwilliges soziales Jahr (FSJ) beim Lebensbaum - Verein für Soziale Hilfen. In der Wohngemeinschaft Dellbrügge am Ascheloher Weg fühlen sie sich so wohl, dass Melanie sogar um ein halbes Jahr verlängert hat. „Ich habe die Menschen hier lieb gewonnen”, sagt sie. „Und die Hausgemeinschaft auf dem Hof Dellbrügge ist wie ein zweites Zuhause für mich geworden”, sagt sie weiter und man sieht der jungen Frau die Begeisterung an. Jan wollte „zwischen Abitur und Studium eine ganz besondere Erfahrung” machen. Das scheint auf wunderbare Weise gelungen zu sein. Die beiden haben sich als Träger für ihr soziales Engagement den Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst (IJGD) ausgesucht und sind damit sehr zufrieden. Neben ihrem Dienst in der Hausgemeinschaft gibt es regelmäßige, mehrtägige Bildungsseminare, zu denen die FSJler sich in Tagungshäusern irgendwo in Nordrhein-Westfalen mit Gleichgesinnten und Fachleuten treffen und selbst gewählte Themen wie etwa das Kulturjahr »Ruhr 2010« bearbeiten. Jan Handelmann ist in einer interkulturellen Truppe, zu der auch junge Menschen aus aller Welt gehören. „Wir haben Leute aus der Ukraine, dem Kongo, aus Russland oder Usbekistan und Moldawien dabei. Die kommen aus völlig anderen Verhältnissen”, sagt Jan und erlebt die Begegnungen als große Bereicherung. Vorgestellt hat sich der sympathische junge Mann direkt beim Lebensbaum. Er wusste vom FSJ durch Freunde und Bekannte, die auch schon beim Lebensbaum gearbeitet und gute Erfahrungen gemacht hatten. Im Team der Mitarbeiter und bei den Bewohnerinnen sind Melanie und Jan gleich gut aufgenommen worden. Außerdem sind noch zwei Zivildienstleistende dabei. „So sind wir hier gleich vier junge Menschen. Und wir haben viel Spaß miteinander”, sagen die beiden FSJler. Sie haben zwölf Tage hintereinander je sieben Stunden Dienst - mal früh, mal spät - und haben dann ein Wochenende frei. „Nach dem Schulstress” gefällt Jan nun besonders, dass er jetzt feste Arbeitszeiten und zu Hause wirklich frei hat. „Vorher hatte ich immer das Gefühl, noch etwas für die Schule tun zu müssen”, erzählt Jan. Melanie fühlt sich durch ihre Arbeit viel sicherer im Umgang mit älteren Menschen. „Meiner Großmutter, mit der ich zusammenlebe, kann ich nun die Angst vor einer pflegebedürftigen Lebensphase nehmen. Denn ich weiß ja jetzt, wie gut es sich hier leben lässt”, sagt die junge Frau, Sie weiß zwar jetzt, wie anstrengend eine solche Arbeit auch sein kann. Und trotzdem: „Ich habe in diesem Jahr ganz viel für mein Leben gelernt, viel mehr als je in der Schule”, sagt Melanie, die nicht versteht, dass mancher in ihrer Umgebung ein freiwilliges soziales Jahr als verlorene Zeit ansieht. Das erleben die beiden FSJler beim Lebensbaum ganz anders. Wenn die großen Themen wie Alter, Krankheit oder Demenz doch mal heftig an den jungen Nerven zerren, wissen die beiden Freiwilligen, was ihnen guttut: Neben dem Gespräch mit den erfahrenen Kollegen hilft es Melanie, an der frischen Luft zu sein oder einfach mal im Garten am Teich zu entspannen. Jan freut sich über Theaterspielen in der kirchlichen Jugendgruppe. Für eine Intensivprobe auf der Insel Sylt hat Lebensbaum-Geschäftsführerin Sybille Florschütz sogar mal Sonderurlaub genehmigt. „Das fand ich echt nett”, sagt Jan. Nein, ausgebeutet fühlen sich die beiden überhaupt nicht. Auch wenn es neben einem übersichtlichen Taschengeld keine weitere Entlohnung gibt - deshalb heißt es eben auch freiwilliges soziales Jahr. Beide bestätigen, dass ihnen die Arbeit in der Hausgemeinschaft viel Freude bereitet. Allerdings: Melanie rät allen, die ein FSJ in Betracht ziehen, genau zu bedenken, ob man der verantwortungsvollen Aufgabe auch gewachsen ist. Sie hat im Laufe des Jahres auf dem Hof Dellbrügge für sich gemerkt, dass sie erst einmal kein Studium machen will, sondern eine Ausbildung anstrebt. Melanie und Jan möchten, dass die Möglichkeit dieses freiwilligen Einsatzes für die Gemeinschaft noch bekannter wird. „Viele junge Menschen wissen gar nichts darüber. Dabei kann man das Jahr auch in anderen Bereichen als im Sozialen ableisten”, weiß Melanie. Etwa als ökologisches Jahr. Angesichts des wegfallenden Zivildienstes wird das FSJ nun zunehmend wichtiger werden. |
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