Schlag gegen Gewinnspielmafia |
27.11.10 |
![]() Ein Schlag gegen die Gewinnspielmafia gelang der Polizei am Donnerstag. In Zürich nahmen Zielfahnder des Bundeskriminalamtes Thorsten S. fest. Der Fall steht im Zusammenhang von Kerstin spieker Werther. Ein Schlag gegen die Gewinnspielmafia gelang der Polizei am Donnerstag. In Zürich nahmen Zielfahnder des Bundeskriminalamtes Thorsten S. fest. Der Fall steht im Zusammenhang mit der Hausdurchsuchung bei der Bankverein Werther AG im Sommer dieses Jahres. Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann, Leiter der Schwerpunktabteilung Wirtschaftskriminalität, bestätigte gestern auf Anfrage des Haller Kreisblatts, dass gegen Verantwortliche eines mit dubiosen Lastschriftverfahren beauftragten Bankinstituts ein gesondertes Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum banden- und gewerbsmäßigen Betrug geführt werde. Es handelt sich um die Bankverein Werther AG. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 39-jährigen Paderborner Thors-ten S. wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs. Seit Juli wird er mit internationalem Haftbefehl gesucht. Zwei weitere Beschuldigte konnten im Sommer bereits festgenommen werden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. In enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Bundeskriminalpolizei konnte Thorsten S. am Donnerstagabend in einem Züricher Restaurant von Zielfahndern des Bundeskriminalamtes festgenommen werden. In seiner Ausgabe vom 10. November berichtete das Haller Kreisblatt über Zusammenhänge zwischen der Bankverein Werther AG und der Gewinnspielmafia, insbesondere dem so genannten Wiener Karussell. Das HK berichtete, dass Firmen rund um den mutmaßlichen Kopf des kriminellen Geflechts, die Wiener Firma Luck 24, das Wertheraner Traditionshaus als Finanzdrehscheibe nutzten. Der Bankverein nahm in der Folge über seinen Hamburger Rechtsanwalt Kontakt zur Redaktion auf und setzte die Veröffentlichung einer Gegendarstellung durch. Darin behauptete der Bankverein, keine Geschäftsbeziehungen zur Luck 24 zu unterhalten. Unterzeichnet war die Gegendarstellung, die das Haller Kreisblatt am Montag, 22. November, veröffentlichte, von Werner Hachmeister, Vorstand der Bankverein Werther AG. Zum Wahrheitsgehalt des Inhalts der Gegendarstellung befragt erklärte Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann gestern gegenüber dem HK folgendes: „Die in der Gegendarstellung aufgestellte Behauptung »Wir haben keinerlei Geschäftskontakt mit der Firma Luck24 (...)« ist nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Bielefeld nicht richtig.” Mit Hinweis auf eine drohende Verletzung des Bankgeheimnisses konnte Klaus Pollmann keine weiteren Details zum Thema nennen. Es liegt allerdings die Vermutung nahe, dass die Staatsanwaltschaft bei ihrer Hausdurchsuchung Akten sicherstellte, die eine geschäftliche Verbindung zwischen der als Kopf und Zentrum des Wiener Karussells in Verdacht stehenden Luck24 und der Bankverein Werther AG belegen. Was Thorsten S. angeht, so soll er einer Tätergruppe angehören, der vorgeworfen wird, über von ihnen betriebene Callcenter in betrügerischer Weise Kontendaten erfragt zu haben. Mit dem Ausblick auf tolle Prämien bei Gewinnspielen sollen die Anrufer ihren Opfern die Daten entlockt haben. Nach Recherchen des Haller Kreisblatts soll es sich dabei häufig um ältere Menschen gehandelt haben. Die Kontendaten sollen an einen in das Betrugssystem eingebundenen Finanzdienstleister weitergegeben worden sein. Der soll dann seinerseits Bankinstitute wie eben die Bankverein Werther AG damit beauftragt haben, von diesen Konten Geldbeträge in Lastschriftverfahren einzuziehen. Im Fall von Thorsten S. und der Tätergruppe, der er zuzurechnen sein soll, handelt es sich nach vorläufigen Bewertungen sichergestellter Akten und Daten um mehr als 300 000 Lastschriften. Das Gesamtvolumen beliefe sich danach auf rund 19 Millionen Euro. In etwa 40 Prozent der Fälle sollen die Geschädigten den Abbuchungen widersprochen haben. Dann wurden die Beträge zurückgebucht. Verbraucherschützer stellen in dem Zusammenhang die Frage, wie angesichts solcher Rückbuchungszahlen den beauftragten Bankinstituten verborgen bleiben konnte, dass hier offenbar etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Bankverein hatte in der Vergangenheit stets betont, seinen Kunden nur als technische Plattform zu dienen und will von hohen Rückläuferraten nichts bemerkt haben. |
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