Pferdemann von Kopf bis Fuß |
04.09.10 |
![]() ![]() Seit 1966 ist der gebürtige Holsteiner Mitglied im Versmolder Reitverein. Seit Mitte der 70er-Jahre ist der Reitverein auf seinem Hof in Loxten zu Hause. Der Akzent verrät den Holsteiner auch nach mehr als 40 Jahren in Ostwestfalen noch. „Wenn man hierhin zieht, dann muss man sich auch hier wohlfühlen”, betont Sönksen dennoch seine Verbundenheit zur zweiten Heimat. Unternehmer Werner Stockmeyer war es, der den damals 28-jährigen Landwirtssohn in die Fleischstadt holte. „1965 hat er beim Hamburger Derby meinem Vater das Pferd abgekauft, das ich damals geritten habe”, erzählt Sönksen. „Ein Jahr später bin ich dann meinem Pferd gefolgt.” Der Stall Stockmeyer, sagt Sönksen, sei damals ein Begriff in der Springreiterszene gewesen. Von dort zog Sönksen mit dem Schimmelwallach Kwept aus und holte die Bronzemedaille bei den Europameisterschaften 1975 und Gold mit der Mannschaft, 1976 gewann er im Team Olympiasilber und wurde 1978 Deutscher Meister. 13 Jahre währte die erfolgreiche Zusammenarbeit, dann starb Werner Stockmeyer. Der Stall wurde aufgelöst. „Man wollte zwar, dass ich hier bleibe, aber ich hätte nur noch am Wochenende reiten können”, sagt Sönksen. Für einen Vollblutsportler wie ihn viel zu wenig. Doch er hatte Glück. Die Lebensmittelwerke Rau aus Hilter boten sich als Sponsor an. Ebenfalls 13 Jahre dauerte diese Partnerschaft. Seit einigen Jahren steigt der Versmolder nicht mehr selbst in den Sattel. „Rückenprobleme - und die Gesundheit geht vor”, sagt er. Stattdessen fühlt er sich nun im Sulky zu Hause. Zwei Traber stehen in seinem Stall. „Ich habe bei sogenannten Promirennen mitgemacht oder bin gegen Fritz Ligges und Georg Ahlmann bei Trabrennen für Springreiter gefahren”, erzählt er. Doch seit zwei Jahren ist es mit Wettbewerben vorbei. „Auto fahren darf man in Deutschland mit 90 Jahren noch, aber die Trabrennlizenz muss man mit 70 abgeben”, sagt er verärgert. 400 junge Reiter stellen sich seinem kritischen Blick So ist er jetzt nur noch rund um den heimatlichen Stall auf dem Sulky unterwegs. Und das Reiten vermisst er gar nicht? „Nein, es fehlt mir nicht, denn oftmals ist der am Boden sogar noch wichtiger als der im Sattel”, sagt er. Und als »der am Boden« ist Sönksen gefragt. Nach dem Mauerfall ging er als Trainer im Auftrag des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) in die neuen Bundesländer. Der Springsport war in der DDR ziemlich stiefmütterlich behandelt worden. „Es hat in den 60er-Jahren mal einen Vergleichskampf zwischen bundesdeutschen und DDR-Springreitern gegeben, und danach war Springreiten in der DDR keine olympische Disziplin mehr”, erzählt er schmunzelnd. Noch heute ist Sönksen jedes Jahr von Oktober bis Dezember auf Turnieren unterwegs, um 400 junge Reiter zu sichten, von denen die Besten nach Warendorf zum Trainingslehrgang eingeladen werden. „Es gibt im deutschen Springsport keinen Nachwuchsreiter, den ich nicht beurteilt habe”, sagt der 72-Jährige und lobt die Jugendarbeit, durch die in der deutschen Reitsportszene Talente nach vorne gebracht werden. „Wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat, wird man in Deutschland sehr gut gefördert”, sagt er. Und bis dahin müsse man eben auch mal selbst aktiv werden. Die, die es bereits geschafft haben, begleitet Sönke Sönksen als Equipechef auf internationale Turniere, wo sich die Reiter für Deutschland im Nationenpreis beweisen müssen. „Ich kenne alle Turnierplätze Europas und kann so im Vorfeld schon Ratschläge geben, welche Reiter und Pferde dort hinpassen und Chancen haben”, sagt Sönksen, der selbst 25 Nationenpreise geritten ist. Vor einigen Wochen erst hat er mit seinem Team und einem zweiten Platz beim berühmten Turnier im englischen Hickstead dazu beigetragen, dass Deutschland weiterhin in der Superleague der acht besten Springnationen verbleibt. Durch sein internationales Renommee ist der Springsportexperte auch als Trainer gefragt. Aus Finnland, Norwegen, Kanada und den USA kamen seine Schüler schon. Neben dem ungarischen EM-Teilnehmer Balazs Krucso trainiert er seit März auch einen Nationenpreisreiter aus Bulgarien. Die deutsche Meisterin von 2009, Rebecca Golasch, holte sich bis zum vergangenen Jahr ebenfalls ihre Ratschläge bei dem Versmolder ab. Verbindungen, von denen der ZRFV profitiert. Denn um in der Region an den Start gehen zu können, füllen die prominenten Reiter auch einen Mitgliedsantrag des Versmolder Reitvereins aus. „Damit sind sie natürlich ein guter Werbeträger für den Verein”, sagt Sönksen, der selbst jedoch nach wie vor prominentestes Mitglied des ZRFV ist. „Und wenn man mal zu einer Sache ja gesagt hat, muss man auch dazu stehen”, sagt Sönksen. So ist es für ihn auch Ehrensache, dass er bei den Reitertagen als Richter sein Know-how für seinen Klub zur Verfügung stellt. In einem Alter, in dem andere seit Jahren den Ruhestand genießen, ist Sönksen immer noch jedes Wochenende auf den großen Turnierplätzen unterwegs - und gefragt. Denkt er denn gar nicht daran, etwas kürzerzutreten? „Ich habe das mein Leben lang gemacht”, sagt er und lächelt dann, „da muss ich ja wohl irgendetwas richtig gemacht haben.” |
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