Tausende Kinder lauschten auf ihrem Schoß

02.09.10
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Die Fähigkeit zum treffenden Witz ist eine weitere Eigenschaft, die man bei Ute Schäfer nicht unterschlagen sollte. Sie dokumentierte sich gestern in der Begründung für ihre Berufswahl: „Ich hatte drei größere

Die Fähigkeit zum treffenden Witz ist eine weitere Eigenschaft, die man bei Ute Schäfer nicht unterschlagen sollte. Sie dokumentierte sich gestern in der Begründung für ihre Berufswahl: „Ich hatte drei größere Geschwister, mochte die jüngeren Kinder aber irgendwie lieber”, erzählt sie und lacht.

So folgte nach der Ausbildung zur Kinderpflegerin - so hieß das Berufsbild damals - an der Carl-Severing-Schule in Bielefeld der Schritt ins Berufsleben: am katholischen Kindergarten in Halle. „Das war keinesfalls selbstverständlich, eine Frau evangelischen Glaubens an einer katholischen Einrichtung zu beschäftigen. Aber es gab damals Perso-nalengpässe”, erinnert sich Schäfer. Ein Umstand, der ihr nach nur einem Jahr allerdings - zunächst - zum Verhängnis zu werden schien. „Als der Engpass vorbei war, wurde meine Stelle wieder mit einer katholischen Kraft besetzt und ich musste gehen.” Was sich wiederum irgendwie als Fügung erwies, denn nur so konnte Ute Schäfer das Angebot des damaligen Gemeindeamtsleiters Wilhelm Paul annehmen und eine Stelle als Kinderpflegerin beim Kindergarten in Peckeloh annehmen. Was sie schließlich bewog, sich für diese Stelle und nicht eine andere mögliche in Werther zu entscheiden, gibt Ute Schäfer, wieder schmunzelnd, gerne zu: „Hier konnte ich eine eigene Wohnung am Kindergarten beziehen, was für eine damals 19-Jährige natürlich toll war.”

Am 1. Juni 1971 begann also die lange Laufbahn in Peckeloh, damals noch mit Elgin Brachmann als Leiterin der evangelischen Einrichtung. „Ich stieg ein, als der Rohbau noch stand, habe den Kindergarten dann mit eingerichtet”, erinnert sich Schäfer. Andere Zeiten waren es - was die personelle Ausstattung des Kindergarten angeht. Drei Kräfte kümmerten sich am Morgen um 60 Kinder. „Das war aber auch ganz anderes Arbeiten”, sagt die Jubilarin rückblickend. „Die Kinder machten sofort, was man sagte und ein Großteil des Vormittages war freies Spiel.” Heute kümmern sich die Kräfte des Kindergartens Peckeloh um mehr und vor allem auch ganz kleine Kinder unter drei Jahren.

Ute Schäfer ist in die wachsende Zahl der Aufgaben mit der ihr eigenen Gelassenheit hineingewachsen. „Geduld und Freude sind wichtig”, sagt sie heute. Eigenschaften, die auch Kollegin Elke Schwarz zugute kamen, die 30 Jahre den Kindergarten leitete und dabei stets mit Ute Schäfer in einer Gruppe arbeitete. Klar, dass es sich die ehemalige Chefin nicht nehmen ließ, als Überraschungsgast bei der kleinen Feier vorbeizuschauen.

Peckelohs Pfarrer Ulrich Potz nahm in einer Dankesrede eine sicher nicht übertriebene Schätzung vor, als er sagte: „Du hast schon tausende von Kindern auf den Knien gehabt” - darunter übrigens auch die drei Pfarrerskinder. Eine so lange Treue zum Arbeitsplatz schafft gerade im Kindergarten besondere Konstellationen: Ute Schäfer hat bereits Kinder von ehemaligen Schützlingen betreut, ihr eigener, heute 35-jähriger Sohn besuchte den Peckeloher Kindergarten, ein kleines Mädchen von einst ist mittlerweile Kollegin.

Was die Erziehungsstile angeht, ist die 58-Jährige ohnehin eine »alte Häsin«: „Ich habe die autoritäre und ab Mitte der 70er-Jahre die antiautoritäre Variante erlebt. Dann kam irgendwas dazwischen. Sicher ist nur, dass alles wiederkehrt.” Und was ist nun richtig? Da muss Ute Schäfer wieder lächeln: „Jedes Kind ist anders. Man muss es nehmen wie es ist, seinen eigenen Stil entwickeln. Und dazu aber auch stehen.”

 
 
 
 
 


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