Pflege fördert die Vielfalt

27.08.10
Ravensberger Lichtlandschaften Werther 3,Ravensberger Lichtlandschaften Werther 2
Ober-Isingdorf war für die Gruppe nicht nur wegen der vorbildlichen Jägerschaft ein interessantes Gebiet. „Hier gehen der Hügelkamm des Teutoburger Waldes und die Ravensberger Hügellandschaft ineinander über”,

Ober-Isingdorf war für die Gruppe nicht nur wegen der vorbildlichen Jägerschaft ein interessantes Gebiet. „Hier gehen der Hügelkamm des Teutoburger Waldes und die Ravensberger Hügellandschaft ineinander über”, erläutert Helge Jung, Landschaftsarchitekt und Vorsitzender der Initiativgruppe, die sich »Ravensberger Lichtlandschaften« genannt hat, weil alle bedrohten Biotope und Landschaftsabschnitte lichtbedürftig seien. „Das heißt, dass sie freigestellt, entschlammt oder abgemäht werden müssen”, so Jung.

Mit Wildwuchs hat die Gruppe also wenig im Sinn. „Ohne Pflege wuchert alles mit Brennnesseln zu und das wars dann mit der Vielfalt”, betont Jung.

Das gilt ebenso für die Waldsäume. Auf den mageren Muschelkalkböschungen am vorgelagerten Kamm fühlen sich etwa Glockenblume und Thymian wohl. „Diese Böschungen müssen regelmäßig gemäht werden, denn sonst würden diese seltenen Arten verdrängt”, erklärt Jung, der auch weiß, wie ein optimaler Waldrand aufgebaut ist: „Wichtig ist ein stufenweicher Übergang von den Waldbäumen zum Waldmantel mit Blühsträuchern und dem Saum mit krautigen Pflanzen.”

Ständige Pflege benötigt ebenso die Streuobstwiese, die die Gruppe auf einem bislang intensiv bewirtschafteten Acker am Isingdorfer Weg angelegt hat. Elf alte, regionaltypische Sorten wachsen hier seit dem vergangenen Jahr. „In fünf bis sechs Jahren können die ersten Äpfel, Zwetschgen und Birnen geerntet werden”, ist sich Jung sicher. Zudem ist die Streuobstwiese, die übrigens so heißt, weil die Bäume in neun bis zehn Metern Entfernung verstreut angepflanzt worden sind, mit einer Blumenwiesenmischung eingesät. Darüber freuen sich nicht zuletzt Bodenbrüter und Insekten.

Zweimal im Jahr muss die Streuobstwiese gemäht werden. Genauso wie die trockene Glatthaferwiese in Ober-Isingdorf. „Der Kalkstein-Untergrund steht nah unter der Oberfläche, was ein besonders hohes Potenzial für eine wertvolle, blütenreiche Wiesenvegetation bedeutet”, erläutert Jung, der mit bis zu 40 verschiedenen Arten auf einer solchen Glatthaferwiese rechnet.

Die Grünpflege kann aber auch ganz ohne Maschinen auskommen. Diese Aufgabe erfüllen im oberen Schwarzbachtal Galloway-Rinder aus Schottland. „Die sind ziemlich anspruchslos und verschmähen viele Kräuter nicht, die ihre hochgezüchteten Artgenossen stehen lassen”, so Jung.

Zu den Maßnahmen, die die Gruppe seit 2007 in die Wege geleitet hat, gehört darüber hinaus die Entwicklung einer artenreichen Feuchtwiese unterhalb der Schwarzbachquelle. Zwar bietet ein aufgestauter Löschteich, 300 Meter entfernt von der Quelle, Lebensraum für eine Vielzahl von Amphibien. „Aber auch der muss von Menschen gepflegt werden”, sagt Jung, der bedauert, dass in den 1960er Jahren der Schwarzbach in Ober-Isingdorf zu großen Teilen verrohrt wurde, um größere Ackerschläge zu erhalten: „Dadurch sind weit verzweigte Bachtäler verloren gegangen.”

Sämtliche Maßnahmen führt die Initiativgruppe in Zusammenarbeit mit der Stadt Werther und den Grundstückseigentümern durch. Für einige Arbeiten kooperiert die Gruppe auch mit der GAB, der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung.

Ansprechpartner für weitere Informationen rund um die »Ravensberger Lichtlandschaften« sind Helge Jung unter ` (0 52 03) 90 24 80, E-Mail: info@igl-gartengestaltung.de, und Werthers Umweltbeauftragter Werner Schröder unter ` (0 52 03) 705-48, E-Mail: werner.schroeder@gt-net.de.

 
 
 
 
 


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