Wunderbar aufgearbeitet

26.08.10
OWL 5 Ausschnitt
Von Anja Hanneforth


„Nein”, lachen Brigitte Sonntag und Ute Dausendschön-Gay, benennen, wie viele Arbeitsstunden sie und der gesamte Arbeitskreis in den vergangenen zwei Jahren für die Realis

Von Anja Hanneforth



Werther. „Nein”, lachen Brigitte Sonntag und Ute Dausendschön-Gay, benennen, wie viele Arbeitsstunden sie und der gesamte Arbeitskreis in den vergangenen zwei Jahren für die Realisierung des Rahmenprogramms zur Ausstellung »9.11.1938: Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe« aufgewendet haben, können sie nicht. Fest steht: Die 30 Mitglieder und mindestens ebenso viele, die sie unterstützt haben, haben Großartiges geleistet. Entstanden ist nicht nur die Begleitausstellung »Spuren. Jüdisches Leben in Werther«. Sondern überdies ein Rahmenprogramm, das von Vorträgen über Lesungen, Gesprächs- und Filmabenden, einer Stadtführung und einer Podiumsdiskussion bis hin zu den Schlossgeschichten für Kinder eine bunte Fülle bietet, das sensible Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.



Die Spannung, das ist den beiden Initiatorinnen Brigitte Sonntag und Ute Dausendschön-Gay anzumerken, steigt. Noch genau drei Wochen, dann wird die renommierte Wanderausstellung über die Reichspogromnacht in OWL und die dazugehörige lokale Schau mit ganz besonderen Wertheraner Bezügen im Haus Werther eröffnet. „Wir freuen uns”, sagen die beiden Stadtführerinnen - umso mehr, da derzeit die Ergebnisse aus den verschiedenen Projektgruppen zusammenfließen und ein rundes Ganzes abgeben.

Für die Bürger greifbar wird die Ausstellung zum ersten Mal am Donnerstag, 16. September, um 18 Uhr mit der Eröffnung - aufgrund der vielen erwarteten Zuschauer nicht im Haus Werther, sondern in der Aula der Gesamtschule.

Am Samstag, 18. September, 15 Uhr, erwartet die Gäste eine besondere Stadtführung. Unter der Überschrift »Spuren jüdischen Lebens in Werther« wird ein Rundgang unternommen, der unter anderem zum Ort der ehemaligen Synagoge und zum jüdischen Friedhof führt.

Der Film »Zeitzeugen« wird am Sonntag, 19. September, um 17 Uhr gezeigt. Männer und Frauen beleuchten die Situation um den 9. November 1938 in Werther. Anschließend besteht die Möglichkeit, mit ihnen persönlich ins Gespräch zu kommen.

Ein Vortrag über »Jüdisches Leben in Werther und die Synagoge« steht am Dienstag, 21. September, um 15 Uhr im Haus Tiefenstraße auf dem Programm. Erwartet werden Dr. Volker Beckmann, Autor des Buches »Juden in Werther«, sowie Heimatforscher Ulrich Maaß, die gemeinsam einen Einblick in das jüdische Leben vor Ort geben werden.

Um das jüdische Laubhüttenfest geht es bei den Schlossgeschichten für Kinder von acht bis zwölf Jahren am Donnerstag, 23. September, um 15 Uhr in der Stadtbibliothek.

Am gleichen Tag und zur gleichen Zeit wird in den Räumen der Ausstellung der Kurzfilm »Spielzeugland«, 2009 mit einem Oscar ausgezeichnet, gezeigt. Es geht um eine Mutter, die den jüdischen Freund ihres Sohnes vor der Deportation rettet.

Ein ganz anderer Film erwartet die Besucher am Sonntag, 26. September, um 17 Uhr. Dann spricht der aus Werther stammende Holocaust-Überlebende Artur Sachs, der 1997 verstarb, in einer Interview-Aufzeichnung über seine Erinnerungen.

Daran schließen sich Vortrag und Podiumsdiskussion am Mittwoch, 29. September, 19.30 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus zum Thema »Die Familien Sachs, Weinberg und die anderen« mit Prof. Hans-Ulrich Wehler sowie Schülern und Lehrern an.

Kinder zwischen acht und zwölf Jahren kommen dann am 1. Oktober bei den Schlossgeschichten zum Zuge. Ab 15 Uhr geht es um den Schabbat - an einem Freitag, genau wie es der jüdischen Tradition entspricht.

Ein jüdisch-christlicher Dialog mit Irith Michelsohn vom Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld und Christoph Grün, Pfarrer im Kirchenkreis Halle, findet am 6. Oktober um 19 Uhr im Gemeindehaus statt.

Am Sonntag, 10. Oktober, geht die Ausstellung im Haus Werther zwar zu Ende - das Rahmenprogramm allerdings noch lange nicht. Hier haben die Organisatoren noch einige besondere Highlights in petto: So gibt der Musiker Daniel Kempin am 24. Oktober um 19.30 Uhr ein Konzert mit jiddischen Liedern im evangelischen Gemeindehaus.

Ein Besuch der Bielefelder Synagoge inklusive einer Führung durch Irith Michelsohn wird am 26. Oktober angeboten.

Und am 2. November wird in der Stadtbibliothek eine Ausstellung eröffnet, die bis zum 3. Dezember zu sehen sein wird: Es geht um das Prager Tagebuch von Petr Ginz, der das Leben im Ghetto 1941/42 schildert. Mit 16 Jahren wurde er in Auschwitz ermordet.

Zum Abschluss wird dann die bekannte Autorin Mirjam Pressler am 4. November um 19.30 Uhr im Haus Werther erwartet. Sie liest aus ihrem neuen Buch »Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank«.



¦ Das genaue Programm findet sich auch auf der Homepage der Stadt Werther und in den Faltblättern, die ab dem Wochenende im Rathaus, der Stadtbibliothek, den Kirchengemeinden, der Buchhandlung Lesezeichen, den Banken, den Apotheken und den HK-Geschäftsstellen zur kostenlosen Mitnahme bereitliegen.

 
 
 
 
 


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