Zustände wie im Paradies |
20.08.10 |
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Eine Art Testlauf hatte er schon auf nationaler Ebene absolviert und zusammen mit seinem Vereinskollegen Henning Roos (NRW-Landesfachwart Speedskating) die Deutsche Meisterschaft der Einzelstrecken betreut. Freude und
Eine Art Testlauf hatte er schon auf nationaler Ebene absolviert und zusammen mit seinem Vereinskollegen Henning Roos (NRW-Landesfachwart Speedskating) die Deutsche Meisterschaft der Einzelstrecken betreut. Freude und Respekt vor der Aufgabe hielten sich die Waage: „Wir fühlten uns geehrt und sahen das hohe Ansehen der NRW-Funktionäre bestätigt, hatten aber zugleich gehöriges Lampenfieber.” Denn Wettkampfrichter seien normalerweise Zielscheibe für den Unmut von Aktiven und Betreuern. Doch dann habe alles optimal geklappt - auch dank des fairen und disziplinierten Verhaltens der Athleten. John Gerhards erhielt neben einem Kollegen aus Berlin die Chance, den Deutschen Rollsport- und Inline-Verband (DRIV) in San Benedetto zu vertreten, nachdem die profilierte Schiedsrichterin Barbara Fischer abgesagt hatte. Die erforderliche Qualifikation hatte Gerhards bei der Europameisterschaft 2008 in Gera erworben. Gastgeber Italien stellte fast so viele Schiedsrichter wie die übrigen europäischen Länder zusammen. „Wer nicht Italienisch sprach, stand leicht im Abseits. Teilweise herrschte babylonische Sprachverwirrung ”, berichtet Gerhards. Zudem sah er eine Art Zweiklassengesellschaft, von der die italienischen Athleten profitierten: „Gelegentlich schien es, als würden Sanktionen eher nach der Trikotfarbe als nach dem tatsächlichen Regelverstoß ausgesprochen.” Zum Heimvorteil zählte auch, dass die italienischen Starter mit den Wettkampfanlagen vertraut waren, während sich die Aktiven aus den übrigen 21 Teilnehmernationen schwer auf sie einstellen konnten. Die nur 175 Meter lange Bahn in San Benedetto verfügt über parabolisch überhöhte Kurven mit dem neuartigen Vesmaco-Belag. Insgesamt zeigte sich Gerhards, dessen Schiedsrichterposten hier an der Zielkurve lag, beeindruckt und begeistert von den Bedingungen im Mutterland des europäischen Rollsports, auch von den vielen Live-Sendungen im Fernsehen. Dass selbst die Langstrecken komplett übertragen wurden, zeige den Stellenwert des Inlinesports in Italien. Im Vergleich mit den Verhältnissen hierzulande nennt er den exklusiv für die Speedskater angelegten Straßenkurs „einen Traum”: 400 Meter lang, acht Meter breit, einen malerischen Palmenhain mit Fitness-Stationen umschließend. „Da blieb dem Rest Europas, der spontan den Titel »Skater?s Paradise« vergab, nur ungläubiges Staunen”, berichtet er. Gerhards? Aufgabe auch hier: von seiner Position aus - ausgangs der Kurve zur Gegengeraden - Regelverstöße zu beobachten und gegebenenfalls Verwarnungen auszusprechen, das alles in enger Abstimmung mit den zuständigen Schiedsrichterkollegen. Zu den Regelverstößen zählt beispielsweise die Behinderung von Konkurrenten. Drei Verstöße führen zur Disqualifikation. Möglich ist auch eine Deplatzierung, also Rückstufung in der Rangfolge. „Die Zusammenarbeit im internationalen Team, das Meistern der sprachlichen Verständigungsprobleme und das südländische Flair zählen zum Positiven, das ich mitnehmen durfte”, bilanziert der Solbader. Kritisch sieht er, dass sich die Organisatoren nicht an die Priorität der englischsprachigen Kommunikation - wie sie die europäische Prüfungsordnung vorsieht - hielten und teilweise auch organisatorisch versagten. Etwa, als es um den Transfer der Jury zwischen Hotel und Straßenkurs ging. Und auf den Marathonstart mussten die Damen eine Stunde lang warten, weil parkende Autos Teile der Strecke blockierten. Dennoch, bei ihm habe dieser zweiwöchige EM-Einsatz Lust auf mehr geweckt, gesteht John Gerhards im Blick auf die EM 2011 in den Niederlanden. Indes: „Wer dafür als Schiedsrichter nominiert wird, steht noch in den Skatersternen.” |
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