„Es gibt immer etwas zu verbessern” |
19.06.10 |
![]() 18 Jahre lang hat Elmar Remus die Nacht von Borgholzhausen begleitet. Zuerst als laufbegeisterter Teenager am Streckenrand, später als Aktiver. Zuletzt war er 2008 im Einsatz - als Rennsprecher. Sein Eindruck: „Viele Leute sind heute nicht mehr so zufrieden mit der Veranstaltung.” Mehr noch: Remus glaubt sogar, dass »Deutschlands ältester Citylauf« seinen Kultstatus verloren hat. „Früher wurde die Nacht in einem Atemzug mit dem Hermannslauf genannt. Das ist heute anders”, sagt er. Die Zahlen scheinen ihm Recht zu geben: Erreichten in den sportlich ambitionierten Wettbewerben (fünf Meilen, zehn Meilen, Schnupperlauf) um die Jahrtausendwende noch regelmäßig rund 1 200 Läufer das Ziel, waren es 2008 - nach der Abschaffung des Volkslaufes - nur noch knapp über 400. Der Rest verteilte sich auf spaßorientierte Angebote wie Schoolrunning oder Firmenlauf. Grund genug für Remus, den Ursachen des Abwärtstrends wissenschaftlich auf den Grund zu gehen. „Ich wollte ein Konzept erstellen, das den Wünschen der Läufer nachkommt und der Veranstaltung hilft, sich im immer größer werdenden Wettbewerb zu behaupten und wieder an bessere Zeiten anzuknüpfen”, beschreibt Remus sein Ziel. Was aber ist es genau, das vielen Läufern offenbar den Spaß an der Nacht genommen hat? Um dies herauszufinden, führte Remus eine Befragung unter den Teilnehmern des Borgholzhausener Berg-Einzelzeitlaufs durch. 81 füllten die Interviewbogen bereitwillig aus, ein Großteil von ihnen war zuvor mindestens einmal bei der Nacht gestartet. Remus? Rat: Ein offiziell vermessener »Zehner« Dabei stellte sich heraus, dass die einst als charakteristisch und exklusiv geltenden Meilendistanzen heute kaum noch Läufer nach Borgholzhausen locken - im Gegenteil. „Die meisten wollen sich messen und verbessern - ob im Vergleich mit anderen oder sich selbst”, weiß Remus und folgert, „dass sich dafür klassische Distanzen eindeutig besser eignen als krumme Streckenlängen”. Wie die große Mehrheit der Befragten spricht er sich für die Einführung eines offiziell vermessenen 10-Kilometer-Kurses aus - wohl wissend, dass die Konkurrenz in diesem Segment enorm ist. „Aber einen wirklich guten Zehner mit guter Stimmung zu finden ist nicht einfach. Darin könnte die Chance für Borgholzhausen liegen”, sagt Remus, der zudem auch einen Halbmarathon für denkbar hält. Kritikpunkt Nummer zwei richtet sich gegen die Entwicklung des so genannten Elitelaufes, der in den vergangenen Jahren von schwarzafrikanischen Assen beherrscht wurde. „Dadurch, dass die Läufer an der Spitze für gewöhnlich sogar dem Fachpublikum unbekannt waren, durch die häufig vorkommende Ähnlichkeit der Namen und das - zumindest für den Westeuropäer - ähnliche Äußere erschienen sie dem Publikum als vollkommen austauschbar”, heißt es in Remus' Arbeit. Der Betriebswirtschaftler weiß, dass diese Frage für den Veranstalter schwer zu lösen ist, ohne sich dem Verdacht der Diskriminierung oder gar des Rassismus auszusetzen. Sein Vorschlag: „Der LC Solbad könnte mit anderen Veranstaltern eine Deutsche Junioren-Cupserie organisieren. Die Afrikaner könnten zwar weiterhin mitlaufen, zu verdienen wäre für sie dann aber nichts mehr.” Last but not least scheint vielen Läufern ein Start in Borgholzhausen bei Meldegebühren zwischen zehn und 15 Euro schlichtweg zu teuer. „Deutschlandweit ist das nicht zu viel, aber in der Region sind viele Läufe günstiger”, weiß Remus. Neue Sponsoren oder der Verzicht auf ein Finisherpräsent könnten helfen, die Startgelder zu reduzieren. Beim LC Solbad hat man Remus? Arbeit mit großem Interesse gelesen. „Ein paar Dinge werden wir sicherlich diskutieren”, sagt Vereinschef Friedhelm Boschulte. Insbesondere das Markenzeichen der Nacht, die meilenorientierten Streckenlängen, aber bezeichnet er als „unantastbar”. Dass Boschulte ausgerechnet in diesem Jahr erstmals wieder steigende Teilnehmerzahlen für den Hauptlauf erwartet (das HK berichtete) sieht Remus indes nicht als Widerspruch zu seinen Untersuchungsergebnissen. „Natürlich freue ich mich, wenn es wieder aufwärts geht. Trotzdem gibt es sicher immer noch etwas zu verbessern”, sagt er. Rundum zufrieden ist Elmar Remus hingegen mit dem Urteil der Professoren. Sie gaben ihm für seine 58-seitige Arbeit die Note 2,0. Den Bachelor-Abschluss hat er damit in der Tasche. Herzlichen Glückwunsch! ¦ Alles Wissenswerte zur 35. Nacht von Borgholzhausen lesen Sie in unserer großen Sonderbeilage zur heutigen Ausgabe. |
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