Vögel im Bruch stehen in den Startlöchern |
16.03.10 |
![]() ![]() ![]() Ein toter Mäusebussard, ein verendeter Graureiher oder ein toter Turmfalke - verschiedene Funde von Vogelleichen machen deutlich, dass es vor allem die Mäusefresser angesichts der geschlossenen Schneedecke schwer hatten. „Sie konnten ihre Beute unter dem Schnee nicht ausfindig machen”, sagt Bernhard Walter. Der Vogel des Jahres 2009, der Eisvogel, hat im vergangenen Winter schon herbe Verluste hinnehmen müssen. „Diesen Winter wird sich der Bestand noch weiter verringert haben”, sagt der Ornithologe. Sorgen macht er sich um den Eisvogel aber nicht, die Population werde sich schnell erholen, so Walter. „Der Eisvogel kann bis zu dreimal im Jahr brüten.” Nicht so gut sieht es für den Vogel des Jahres 2010 aus, den Kormoran. Auch er taucht hin und wieder mal im Bruch aus. „Es hat eine Sondergenehmigung zum Abschuss gegeben, die zum Glück nun ausgelaufen ist”, sagt Bernhard Walter. Der Kormoran ist bei den Anglern ausgesprochen unbeliebt, weil er Fische fängt. Vor drei bis vier Wochen, als der Schnee im Bruch schon einmal weggetaut war, war auf den Weiden und am Wasser schon richtig was los. Brachvogel und Kiebitz waren zurückgekehrt. Brachvögel aus der ganzen Region haben sich versammelt, „die Versmolder hatten sogar schon ihre Brutplätze besetzt”, so Walter. Es wurde bereits kräftig gebalzt, seit dem erneuten Frosteinbruch war aber nicht mehr viel zu sehen. „Die Vögel müssen mit ihrer Energie haushalten. Das Balzgeschäft sparte man sich deshalb und beschränkt sich auf die Futtersuche,” so der Experte. Die Feldlerche ist inzwischen auch wieder da und hat sogar schon gesungen. „Momentan ist sie auch wieder verstummt”, sagt Bernhard Walter. Dafür bevölkern derzeit eine Menge Gänse den Bruch, sie versammeln sich hier als Wintergäste, bevor sie nach Nord-Ost-Europa weiterziehen. „Sie brüten in teils arktischen Gebieten, da ist das hier fast wie Sommer für sie”, so Bernhard Walter. Auch die Kanada-Gänse sind derzeit im Bruch zu Gast und bei ihnen hat Bernhard Walter eine ganz erstaunliche Beobachtung gemacht. Eine der Gänse trug einen Halsring mit einer Kennzahl, die verriet, dass die Gans aus dem niederländischen Groningen stammt. „Wieso holländische Gänse nach Versmold kommen, kann ich auch nicht erklären”, sagt der Biologe. Auch eine der 200 Graugänse trug einen Ring und verriet dem Experten, dass sie aus dem EU-Vogelschutzgebiet Rieselfelder Münster kommt und am Ijsselmeer überwintert hat. Jeder Ornithologe trägt seine Beobachtungen in einem zentralen Register ein. „So kann man die Zugbewegungen verfolgen”, sagt Walter. Der Silberreiher ist derzeit ebenfalls im Bruch zu Gast, er brütet in den umliegenden Ländern Frankreich, Holland, Belgien und Ungarn. „Seine Population ist gestiegen so dass wir hoffen können, dass er bald auch in Deutschland brütet”, so der Leiter der Biostation. Der Knackpunkt ist, dass der Silberreiher große Schilfgebiete braucht und die sind eben selten. Überregional bekannt ist der Versmolder Bruch als Überwinterungsplatz der Krickente. „Über 200 Paare überwintern hier”, sagt Bernhard Walter. Als die Wasserflächen im Bruch zugefroren waren, sind auch die Krickenten weitergezogen. „An die Küste oder an Flüsse, wo das Wasser offen bleibt”, erklärt Bernhard Walter. Jetzt, wo der Schnee endlich geschmolzen ist, wird der Versmolder Bruch zu einem wahren Eldorado für Vögel und auch deren Beobachter werden. „Wenn die Wintergäste noch da sind und die Brutvögel kommen, dann ist hier richtig was los”, sagt er. Mit der Wärme komme das Leben mit Macht in den Versmolder Bruch zurück. Es werde bald lautstark gebalzt und geflirtet. „Ein Spaziergang durch den Bruch lohnt sich dann allemal.” |
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