Spielhallen in der Kritik

12.03.10
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Versmold ist spitze - und zwar wenn es um die Zahl

Vier Spielhallen an drei Standorten mit 40 Geräten sowie 13 Glücksspielautomaten in Gaststätten - so sah die Faktenlage (das Haller Kreisblatt berichtete bereits im Dezember ausführlich) in der Fleischstadt bisher aus. Seit 1. März gibt es an der Knetterhauser Straße einen weiteren Betrieb mit 47 Automaten in vier Spielhallen. Eine andere Anfrage auf Errichtung von vier zusätzlichen Spielhallen mit 47 Geräten Im Industriegelände liegt der Stadt vor. Mit deren Genehmigung würde Versmolds Quote von Glücksspielautomaten pro Einwohner noch einmal nach oben schnellen.

Und nicht nur deshalb tut man sich bei der Stadt schwer mit den Genehmigungen. Denn das Thema Glücksspielsucht ist auch in Versmold aktuell. Knapp eine Million Euro verspielten die Besucher der Versmolder Spielhallen im Jahr 2008. Und zu dieser Zeit - wie eingangs erwähnt - lag die Zahl der Automaten noch bei 53.

„Automaten sind das suchtrelevanteste Glücksspiel”, sagt Ilona Füchtenschnieder. Die meisten der Spielsüchtigen, die in Behandlung sind, verschleudern ihr Geld - und auch das, was sie nicht haben - an den blinkenden Geräten. Angestiegen sei die Zahl der Spielhallenbesucher sprunghaft, seit 2008 das Glücksspiel im Internet gesetzlich verboten wurde.

Natürlich sind die Ursachen für ein Suchtverhalten, gleich welcher Art, vielschichtig. Die Suchtexpertin hält jedoch eine Reduzierung des Spielhallenangebots für die beste Prävention. Im Falle des Bauvorhabens an der Straße Im Industriegelände 20 gibt es, nach Meinung von Bürgermeister Thorsten Klute, städtebauliche Gründe, eine Vergnügungsstätte an diesem Standort auszuschließen. „Die ohnehin nur begrenzt verfügbaren Gewerbeflächen sollten auch tatsächlich für Gewerbe- und Industrienutzungen vorgehalten werden”, so Klute.

Der mit der Planung der Halle beauftragte Architekt sieht das anders. Er erinnert in einem Schreiben an die Stadt an die Gewerbefreiheit und daran, dass die Eigentümergemeinschaft der Immobilie einen Leerstand und somit Mietausfall hinnehmen müsse, solange die Stadtvertretung kein grünes Licht für das Spielhallenvorhaben gebe. Zudem bestehe das Publikum einer Spielhalle „nahezu ausschließlich aus gut verdienenden Personen mittleren Alters, vorwiegend Frauen”, die wüssten, was sie tun, glaubt der Architekt zu wissen.

Er erinnert an die 20 Prozent Vergnügungssteuer, die die Stadt von den Spielhallenbetreibern bekomme. Etwa 110 000 Euro waren es bislang jährlich. Dies dürfe aber kein Kriterium sein, sagt Ordnungsamtsleiter Hans-Jürgen Matthies. Denn die Spielsucht, das machten auch alle Stadtvertreter deutlich, sei ein zu ernst zu nehmendes Problem. Sie beschlossen, alternativ Bereiche festzulegen, in denen Spielhallen ausnahmsweise zulässig sein sollen.

 
 
 
 
 


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