Holprige Angelegenheit |
11.03.10 |
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Von Anja Hanneforth
Von Anja Hanneforth Werther. Das Pflaster auf der Ravensberger Straße: Es bröselt und bröckelt, viele Steine sind kaputt, haben die Haftung zum Unterbau verloren, die Fugen sind ausgespült, der Winter hat dem Ganzen den Rest gegeben, es muss etwas passieren, und zwar schnell. Aber was? Darüber streiten sich die Geister. Während die Verwaltung jetzt im Bauausschuss der Politik einen ersten Vorschlag zur Neuverlegung unterbreitete, regt sich seitens des Heimatvereins Kritik. Dessen Vorstand bemängelt, dass seine Lösung, nämlich die Fugen mit Bitumen auszugießen, wie 2006 bei einem Teilstück vorgenommen, nicht einmal erwähnt wurde. Jeder Wertheraner dürfte das Pflaster zur Genüge kennen. Und inzwischen festgestellt haben, dass das Befahren eine holprige Angelegenheit ist. Am wenigsten allerdings in Höhe des Bankvereins, wo auf Initiative von Detlef Snay und den Männern vom Heimatverein im Sommer 2006 eine Probepflasterung vorgenommen wurde. Die Fugen wurden dabei mit Bitumen ausgegossen, was die Oberfläche versiegelt und ein Eindringen von Wasser in den Unterbau verhindert. Doch diese Art der Verlegung kommt für die Verwaltung nicht in Frage. Erstens, so Bauamtsleiter Jens Kreiensiek, aus optischen Überlegungen. Und zweitens halte es auf Dauer ebenso wenig wie die herkömmliche Verlegetechnik. Nach gerade einmal dreieinhalb Jahren sei die Bitumenmasse ebenfalls am Bröckeln, „für uns keine funktionierende Alternative”, so Kreiensiek. Er und seine Kollegen hätten sich verschiedene Pflaster angeschaut, unter anderem in Münster, wo die Belastungen des Autoverkehrs um ein Vielfaches höher seien als in Werther. Allerdings habe sich bei Gesprächen mit dem Planer herausgestellt, dass diese Art der Verlegung allein aus Kostengründen nicht in Frage kommt, „für gerade einmal 265 Quadratmeter vor Sudfeld hätten wir 95 000 Euro bezahlen müssen - das ist nicht drin”, bedauert der Bauamtsleiter. Er hat jedoch eine andere Lösung aufgetan. Dazu müssen das Pflaster und der gesamte Unterbau aufgenommen und neu verlegt werden, wobei an zwei Stellen so genannte Geogitter eingebaut werden. Das sind Kunststoffmatten, die die Lasten durch den Autoverkehr besser verteilen, für mehr Stabilität sorgen und eine starke Spurrillenbildung verhindern sollen. Bereits in der Mai-Sitzung könnte der Ausschuss über ein Ob, Wo und Wie entscheiden. Eines stellte Kreiensiek jedoch klar: „Von den 1700 Quadratmetern Pflasterfläche werden wir uns zunächst ein oder zwei kritische Bereiche heraussuchen müssen. Alles auf einmal lässt die Haushaltslage nicht zu.” Liefe alles nach Plan, könnte bereits im Sommer angefangen werden, „dazu wird es nötig sein, auch die Geschäftsleute ins Boot zu holen und die Schulen, denn auch der Busverkehr müsste während der Bauphase anders abgewickelt werden”. Ein Allheilmittel, daraus machte Kreiensiek kein Geheimnis, sei diese Art der Neuverlegung nicht. „Es wird nicht so sein, dass wir dann die nächsten 30 Jahre Ruhe haben werden”, betonte er. Partielle Arbeiten im Fugenbereich würden sicher immer wieder anfallen. Genau das macht Paul-Heinz Wöhrmann und Dieter Schulte vom Heimatverein sowie Detlef Snay Sorgen. Sie waren eigens am Dienstagabend ins Rathaus gekommen, um die Diskussionen mitzuverfolgen - und waren am Ende erheblich verärgert. „Uns drängt sich fast der Eindruck auf, die Verwaltung hätte aus Boshaftigkeit unsere Probepflasterung nahe dem Bankverein nicht erwähnt”, so Schulte. „Ein ordentlicher Sachstandsbericht, wie angekündigt, war das jedenfalls nicht.” Die penetrante Ablehnung von Expertenmeinungen, wie sie seinerzeit bei der Probepflasterung zu hören waren, mache ihn skeptisch, ob die jetzt vorgeschlagene Lösung wirklich geeignet ist. Und es mache ihn wütend, dass die Verwaltung sich neuen Argumenten einfach nicht öffne. „Das hat System”, findet Schulte. Auch Snay, der seinerzeit die Probepflasterung mit der Bitumenverfugung initiiert hatte, ist sauer: „Was sich inzwischen seit dreieinhalb Jahren bewährt, wird mit keinem Wort angesprochen. Das ist nicht in Ordnung.” |
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