Wachstumsrekord beim Süßwaren-Riesen

10.02.10

VON NICOLE DONATH   ¥ Halle. Mit voller Wucht traf die Finanz- und Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr die deutschen Unternehmen – da-runter so bekannte Firmen wie Karstadt, Karmann, Schiesser oder Rosenthal. Nicht so die Storck-Gruppe: Ausgerechnet in der größten Wirtschaftskrise hat der Haller Süßwarenriese die Umsatzerlöse in den letzten zwölf Monaten auf über 1,5 Milliarden Euro gesteigert. „Das ist neuer Rekord und darauf“, betonte Konzernchef Axel Oberwelland gestern Nachmittag während eines Gespräches in Halle, „sind wir sehr stolz.“


Und nicht nur das. Angesichts der Zahlen  weist das unabhängige Marktforschungsinstitut Nielsen die Storck-Gruppe in Deutschland für das zurückliegende Jahr als den Wachstumsgewinner im Süßwarenmarkt aus. Die Umsätze konnten um sechs Prozent gesteigert werden. Storck legte also in fast allen Marktsegmenten zu und baute die Marktanteile aus. Und während der Süßwarenmarkt eigentlich stagniert, hat sich Storck damit deutlich stärker als der Markt entwickelt.  „Wir haben die Konkurrenz mit deutlichem Abstand hinter uns gelassen“, fasste ein sichtlich entspannter Axel Oberwelland das Ergebnis zusammen.
Im Bereich Pralinen erreichte die Gruppe mit einem Plus von 9,2 Prozent ein überdurchschnittliches Wachstum. „Der Marktanteil wurde in unserer über hundertjährigen Unternehmensgeschichte auf den einzigartigen Wert von 18 Prozent gesteigert“, fuhr der 43-Jährige in seinen Erläuterungen der aktuellen Geschäftszahlen fort. Vornehmlich wird dieser Erfolg durch die »Werther’s Original Schokoladenspezialitäten« getragen: Die Pralinen haben im Herbst 2009 den Sprung in die Top Ten dieser Kategorie geschafft und sind in diesem Segment zur erfolgreichsten Neueinführung der letzten Jahre avanciert.
Auch im Bereich der Lollies konnte Storck deutlich wachsen: „Mit den unter den Marken »nimm2«, »Campino« und »Schleckies« angebotenen Lutschern gelang es, die Stellung als Marktführer mit zuletzt 37 Prozent Marktanteil weiter auszubauen“, berichtet Oberwelland.
In den Bereichen Bonbons und Fruchtgummis ließ Storck die Mitbewerber ebenfalls hinter sich: Auch hier basieren die Zuwächse  maßgeblich auf den Produkteinführungen der letzten Jahre – da-runter »nimm2 soft« und »nimm2 Lachgummi Frucht & Joghurt«. „Insgesamt generiert das Unternehmen über 20 Prozent der Gruppenumsätze mit Produkten, die erst in den letzten fünf Jahren in die Märkte eingeführt worden sind.“
Ebenfalls deutlich positiver als der Markt entwickelte sich für die Storck-Gruppe auch das Geschäft mit Schaumküssen: Mit einem Zuwachs von zuletzt 15 Prozent erhöhte sich der Marktanteil auf 67  Prozent. „Das ist der höchste Marktanteil im letzten Jahrzehnt“, fügte Axel Oberwelland hinzu. Einen Wermutstropfen in der positiven Bilanz des Jahres 2009 bilden lediglich die Absätze bei »Knoppers«: „Das konnte sich der allgemeinen negativen Marktentwicklung nicht entziehen und büßte Umsätze ein.“
Diese Markterfolge der Storck-Gruppe führt Axel Oberwelland, der übrigens 82 Prozent der Anteile am Unternehmen hält, während seine drei Geschwister mit je sechs Prozent beteiligt sind und ihn „wunderbar tragen“, wesentlich auf die erheblichen Werbeinvestitionen zurück, die im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 77,8 Millionen Euro anstiegen: „Damit waren wir in 2009 wie zuvor der zweitgrößte Werbetreibende der Süßwarenbranche.“ Nicht zuletzt die Auslandsmärkte stellen sich „äußerst positiv“ dar, schließt Axel Oberwelland seine Erläuterungen auf das aktuelle Zahlenwerk. „In Nord-, West- und Südeuropa, in Nord- und Südamerika sowie im Mittleren und Fernen Osten konnten wir zulegen und zum Teil ein deutlich zweistelliges Umsatzwachstum verzeichnen. Die Ergebnisse in den zuletzt sehr stark gewachsenen Märkten im Osten wie Russland, Polen und Ungarn vermochten dagegen nicht zufriedenzustellen. Die besonders auf Wechselkursschwankungen basierenden Einflüsse konnten nicht kompensiert werden.“
Insbesondere mit Blick auf die beiden jüngsten Artikel der Wirtschaftszeitungen »Wirtschaftswoche« und »Capital« (siehe dazu auch unten stehenden Hintergrund-Kasten) hatte Axel Oberwelland gestern Nachmittag vor der jährlichen Jubilars-Ehrung mit fast 250 Gästen die aktuellen Zahlen öffentlich gemacht. Und nennt auch gleich den Grund: „Die Berichte haben mir in erster Linie für unsere Mitarbeiter leid getan. Sie haben Verunsicherung ausgelöst und die Mitarbeiter zugleich in ihrem Stolz und ihrer Ehre gekränkt. Und genau das haben sie nicht verdient, denn dazu haben sie zu viel geleistet und einen zu großen Anteil am Erfolg unseres Unternehmens.“ Er selber habe die Berichte, wie er zwinkernd erklärte, an die Pinnwand geheftet und die Antwort „auf dem Platz gegeben“: „Wir sind der Wachstumsgewinner im Süßwarenmarkt.“
Weiter meinte er, dass er die Geschäftsführung von Storck keinesfalls als Bürde, sondern als Geschenk betrachte. „Ich betrachte es als Geschenk, diesen Laden in der vierten Generation leiten zu dürfen und es ist ein wundervoller Laden mit einer ebenso wundervollen Perspektive.“
Die Grundlagen dazu hätten seine Vorfahren gelegt und alle hätten dabei ihr Päckchen zu tragen gehabt: der Opa, der das Unternehmen durch den Zweiten Weltkrieg führen musste. Oder der Vater Klaus Oberwelland, der an der Seite von Otto Pahnke gleich zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 1971 mit der Ölkrise zu kämpfen hatte, um später die Wiedervereinigung und den Aufbau Ost für das Unternehmen zu nutzen. „Und wir kämpfen heute mit der Wirtschaftskrise, der schwierigen Konsumentenstimmung oder exorbitant steigenden Kakaopreisen. Aber es mangelt uns eben nicht an tollen Marken und so lange halten wir es auch nicht für erforderlich, in neue zu investieren“, betonte der vierfache Familienvater.
Weiter investieren will er stattdessen am Standort Halle. Hier, wo über 2000 Menschen für Storck arbeiten. „Es werden Investitionen von bedeutender Tragweite sein“, deutete Axel Oberwelland an. „Denn trotz der anhaltend schwierigen Wirtschaftslage blicken wir zuversichtlich in die Zukunft und sehen uns gut aufgestellt, um auch das Jahr 2010 erfolgreich zu gestalten.“     

 
 
 
 
 


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