Ein Rudel Feinschmecker

10.02.10
Von Marc Uthmann Versmold-Oesterweg. Auf den Weiden an der Oesterweger Straße gibt es nur einen König: Und der heißt Bruno. Der Damhirsch zeigt seinem Rudel, wo es langgeht und trabt stolz durch sein Reich. Wenn er auch nicht mehr so üppig gekrönt ist. Sein Geweih musste ihm Landwirt Klaus Uthmann stutzen - aus Sicherheitsgründen. Seit nunmehr 15 Jahren ist ein Damwild-Rudel auf den weiten Flächen seines Betriebes zu Hause, knapp zehn davon ist Bruno der Boss. Auch mit gestutztem Kopfschmuck.  
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Das Wild war eine Idee von Klaus Uthmanns Vater Wilfried. „Er hatte vorgeschlagen, ein paar anzuschaffen. Einfach zum Laufen”, erzählt der Junior. „Wir hatten für unsere Gänse ja schon die erhöhten Sicherheitszäune, da war es kein Problem, auch Damwild zu halten.” Mit einem Bock und zwei weiblichen Damtieren ging es los, später kamen noch Tiere aus einem Bestand in Versmold dazu, der aufgelöst werden musste. Schließlich entstand ein kleines Rudel, dessen Größe seit Jahren etwa konstant bleibt - so wie Bruno ihr Boss. Der musste kürzlich den Verlust seines üppigen Geweihs verkraften, „weil er hin und wieder mal die anderen Tiere stößt und etwas wild ist. Und weil er sich hier und da auch schon mal verfängt”, wie Klaus Uthmann erklärt.
Als der sonst so draufgängerische Hirsch dermaßen gestutzt vor sein Rudel trat, nahm das erst einmal Reißaus. „Da hat er sich geschämt und in die letzte Wiese verkrochen”, erinnert sich Klaus Uthmann. „Aber nach ein paar Tagen war alles wieder in Ordnung.” Bruno ist auch über die Brunft hinaus bei seinem Rudel, während wild lebende Hirsche außerhalb der Paarungszeit in der Regel Einzelgänger sind.
Generell ist der Umgang mit dem Damwild sehr einfach. Die Tiere tummeln sich mit Schafen und Rindern friedlich auf den großen Weiden und in der kleinen Waldschonung, ihr Reich umfasst immerhin fünf Hektar. Und wenn Wilfried Uthmann kommt und mit dem Futtereimer rappelt, traben Bruno und seine Schar schnell zu ihm herüber: Kastanien, kleine Kartoffeln, Gemüsereste oder Brot - die Tiere sind durchaus Feinschmecker. Oft suchen sie sich allerdings auf den Weiden, was sie brauchen. „Die stöbern auch im hohen Schnee nach Fressbarem. Aber da haben wir für sie ja auch Heu in der Schutzhütte”, erzählt Klaus Uthmann.
„Mucki, mucki!”, ruft er über die Weide und lässt die Kastanien im Eimer erklingen. Schon nähert sich das Rudel wie an der Schnur gezogen. „Die sind ganz friedlich, manche Tiere fressen sogar aus der Hand”, sagt Uthmann. Nur in der Brunft im Oktober und November ist mit Hirsch Bruno nicht zu spaßen. Da wacht er mit Argusaugen über das Rudel, geht auf die jungen Spießer los, verliert vor lauter Stress 25 Prozent seines Körpergewichtes. Im Juni folgt dann der Lohn der Mühen: Nachwuchs. „Dann setze ich mich abends manchmal einfach hin und schaue zu, wie die Jungtiere durch die Weide springen”, verrät Klaus Uthmann.
Dann wird Bruno wieder sein üppiges Geweih haben, doch steht ein Umzug an. „Wir müssen den Leithirsch bald austauschen, damit die Herde eine Blutauffrischung bekommt. Bruno wird dann zu einem anderen Betrieb gebracht”, erklärt der Oesterweger. Auch sonst gibt es Fluktuation im Rudel - regelmäßig werden Tiere zum Schlachter gebracht, Klaus Uthmann bereitet das Wild fachmännisch zu. Das Fleisch ist gefragt; so hat sich aus einem Hobby auch ein Zuverdienst entwickelt.
Und Uthmann profitiert zudem von einer Vorliebe der Tiere, die Förster und Landwirte sonst zur Verzweiflung bringt: „Sie halten mir die Weide frei von Pflanzensprösslingen. Das ist für die Tiere eine Delikatesse.” König Bruno führt wahrlich ein majestätisches Leben.
 
 
 
 
 


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