Regenbogen in der Uni-Halle

08.02.10
von Daniela Berheide  
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von Daniela Berheide


Steinhagen/Bielefeld. Konzentriert und vorsichtig gießt Anni eine Flüssigkeit in das Reagenzglas. „Das riecht wie Mittagessen”, sagt Jonathan und grinst sie an. Recht hat er, denn Anni hantiert mit Saft von gekochtem Rotkohl. Zehn Gläser befüllen die Schüler der Grundschule Steinhagen, am Nachbartisch hantieren die Jungen und Mädchen der Grundschule Halle.


Sie alle gehören zu den etwa 1 000 Schülern, die am Samstag in der Halle der Universität Bielefeld mit Flüssigkeiten experimentieren. Gemeinsam gehen die jungen Chemiker einen Weltrekordversuch an und tüfteln mit gekochtem Rotkohlsaft. Das Experiment soll die Farben des Regenbogens ergeben.
„Jetzt noch ein wenig von dem Zeug hier”, sagt der eine. Und „nein, nicht so viel”, sagt der Nächste. Oder „ich glaube, hier muss noch was rein”, - die experimentierfreudigen Schüler fachsimpeln eifrig über ihren Reagenzgläsern. Aufgrund der zugegebenen Zitronensäure kommen langsam bunte Farben zum Vorschein. Entzückt halten Marc, Jonas und Johannes zwei Gläser mit pinkfarbenem Inhalt in die Höhe und inspizieren ihre neu gewonnene Mischung - hat geklappt, der erste Farbton ist im Glas.
Die Steinhagener wirbeln um ihren Tisch herum und werden immer mutiger. Grüne und blaue Flüssigkeiten sind auch schon zu sehen, bemerken die Schüler stolz. „Ich experimentiere zu Hause auch”, sagt Marc fachmännisch. Salz, Zucker und Wasser habe er schon zusammengerührt. So richtig geschmeckt habe ihm die Mixtur allerdings nicht. Von dem Rotkohlsaft lässt er heute lieber die Finger. Hier geht es schließlich nur um Farbe und nicht um Geschmack. Anni ist das einzige Mädchen unter den Steinhagenern. Auf einer weiterführenden Schule möchte die Viertklässlerin auf jeden Fall das Fach Chemie belegen.
Nach 30 Minuten nehmen die Schüler ihre Schutzbrillen ab, die Steinhagener haben es geschafft. In ihren Reagenzgläsern sind die Farben des Regenbogens entstanden.
Dass parallel so viele Kinder ein und dasselbe Experiment durchführen, ist vermutlich weltweit einmalig, mutmaßen die Mitglieder des Bielefelder Schülerlabors Teutolab. Aus diesem Grund läuft auch eine entsprechende Anmeldung bei Guinness-World-Records. Teutolab feierte am Samstag sein zehnjähriges Bestehen und hatte Grundschüler überall aus Nordrhein-Westfalen eingeladen, an dem Farbexperiment mitzuwirken. An 100 Tischen in der 9 000 Quadratmeter großen Uni-Halle saßen und standen die jungen Chemiker und arbeiteten mit Hilfe von Rotkohlsaft und Zitrone die Farben des Regenbogens heraus. Erst auf ein Zeichen durften alle gemeinsam mit ihrer Arbeit beginnen.
Sechs riesige Behälter mit den jeweiligen Flüssigkeiten wurden am Ende der Aktion auf der Treppe in der Uni-Halle befüllt, so dass alle Nachwuchs-Chemiker das erzielte Ergebnis sehen konnten. Das Experiment war gelungen. Aus rund 1 000 Kehlen ertönte zum Abschluss ein Ständchen - schließlich feierte Teutolab zehnten Geburtstag.
 
 
 
 
 


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