Das »Weihnachtsland« im Heimathaus

21.12.09
Lit-Advent-1,Lit-Advent-2
von Edwin Rekate

von Edwin Rekate



Steinhagen. »Schneeflöckchen, Weißröckchen« - das Finale des vierten Literarischen Adventskalenders am vergangenen Freitagabend konnte gar nicht trefflicher eröffnet werden als mit diesem wunderbaren Winterlied. Draußen rieselte leise der Schnee, drinnen duftete es nach aromatischem Punsch und frischem Gebäck, und auf mehr als 50 Gesichter legte sich leuchtender Kerzenschimmer.



„Umso schöner ist ja das Ambiente, wenn man heute hier nach draußen blickt und Richtung Schlichte-Carree guckt. Das ist schon einmalig”, sagte Bürgermeister Klaus Besser und malte zur Eröffnung der Abschlussveranstaltung in begeisterten Worten das stimmungsvoll verschneite Bild. Der Heimatverein, der seit vier Jahren traditionell den bunten Reigen der besinnlichen Lesereihe beendet, hatte in das gemütliche, festlich geschmückte Heimathaus eingeladen.

Den gefühlvollen Auftakt, die Intermezzi und Schlussakkorde gestalteten vier Musikschüler unter der Leitung von Janine Nußbeck. Das talentierte Nachwuchs-Orchester präsentierte parallel zum literarischen einen ausgezeichnet klingenden musikalischen Adventskalender und das Publikum belohnte Jacqueline Niemietz, Jan Philip Lehmann, Nadja Rückert und Florian Langer für ihre Leistungen auf Violine, Gitarre, Flöte, Klangholz und Schellenkranz mit regem Beifall.

Margret Krullmann, die Vorsitzende des Heimatvereins, zitierte Lyrik der westfälischen Heimatdichterin Margarete Windthorst: „Nun nimm dein Kind an deine Hand und weise ihm das Weihnachtsland.” In Windthorsts Dichtung »Im Dezember« wird buchstäblich die gesamte Symbolik des christlichen Festes komprimiert. Lichterglanz und Bücherzauber kombinierte auch der Vorleser Paul Bubig, der im Wechsel mit Margret Krullmann so manch bezaubernden Text darbot. Er startete mit der amüsanten Weihnachtsfabel »Madame Huhn beschwert sich« von Anna Peters.

Der Helgoländer Autor James Krüss war mit seiner »Weihnachtsmaus« dabei, die immer zum Fest heimlich alle Leckereien aufknabbert. Und der Luxemburger Hans Eisermann verarbeitete in seiner Erzählung »Sitzung mit Folgen« die aktuelle Finanzkrise und übertrug die Sichtweise eines gefeuerten und abgefundenen Bankmanagers auf den Weihnachtsmarkttrubel. Krullmann „kürte ok op Platt un vertellte” die plattdeutsche Story »Prost Willem« von Helga Grzonka, die von einem einsamen alten Mann berichtet, dessen Tochter und Enkelkinder in Amerika leben. „Frohe Wiehnachten, up dien Wohl” - so endet für ihn das feinfühlige Familienfest.

Zum Ausklang stimmten alle Besucher gemeinsam in das Weihnachtslied »O du fröhliche« ein, dem Paul Bubig mit seiner uralten Ziehharmonika schallende Sehnsucht einflößte.

Besonderen Grund zur Freude hatten Petra Holländer und Regina Howorek, die beiden Organisatorinnen des Literarischen Adventskalenders. Im vierten Jahr seines Bestehens hatten die beiden bei 17 Veranstaltungen insgesamt 1 300 Besucher gezählt. „Wir sind sehr zufrieden”, sagte Howorek. Und Bürgermeister Besser versprach, dass das besinnliche Format auch im nächsten Advent die Zuhörer begeistern wird.

 
 
 
 
 


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