Sorge um die Stubentiger

24.11.09
p1050977.jpg
Von Silke Derkum     Versmold-Hesselteich. Völlig entkräftet und schwer verletzt lag Kater Kalle am frühen Donnerstagmorgen vor der Tür. Doch trotz des erschreckenden Anblicks fiel Jutta Knippel ein Stein vom Herzen. Sie hatte befürchtet, die zweite Katze innerhalb von drei Wochen zu verlieren. Ende Oktober war nämlich bereits ihr Kater Willi auf rätselhafte Weise verschwunden. Und er ist nicht der einzige. Mindestens vier weitere Katzen wurden in den vergangenen zwei Wochen im Raum Hesselteich als vermisst gemeldet.

Es war am Morgen des 31. Oktober, als Jutta Knippel wie jeden Morgen gegen sechs Uhr ihre Katzen aus dem Haus lässt. „Sie sind alle kastriert, bewegen sich nur ums Haus herum”, sagt sie. Meistens kommen die Tiere schon nach wenigen Minuten wieder zurück ins Warme. An diesem Morgen war es anders. „Kalle kam zurück, Willi nicht”, berichtet die Katzenbesitzerin.

Zunächst nichts Ungewöhnliches, denn Katzen sind nun einmal selbstständige Tiere. Wenn da nicht dieses Auto gewesen wäre. Ein weißer Bulli, der im Schritttempo fuhr und einige Meter vom Haus Jutta Knippels entfernt anhielt. „Ich bin auf den Wagen zugegangen, weil ich fragen wollte, ob er jemanden sucht”, sagt die Katzenbesitzerin, die in ländlicher Gegend an der Straße Zur Heide wohnt. Fremde Autos fallen in den einsamen Wohnlagen auf, erst recht morgens gegen sechs Uhr. „Als ich mich dem Auto genährt habe, ist es mit abgeschaltetem Licht einfach weggefahren”, sagt Jutta Knippel. Um sieben Uhr war Willi noch immer nicht zurück - bis heute.

„Ich habe tagelang alles abgesucht, überall geklingelt, niemand hat die Katze gesehen”, berichtet die Hesselteicherin. Aber der weiße Bulli war einigen Nachbarn aufgefallen, und das nicht nur am 31. Oktober. Zudem erfuhr Jutta Knippel noch von zwei weiteren Nachbarn, dass sie ihre Katze vermissten.

Und auch bei Martina Auhage, die im Auftrag des Tierschutzvereins in Versmold entlaufene oder ausgesetzte Katzen beherbergt, sind in den vergangenen Wochen vier Katzen im Bereich Hesselteich als vermisst gemeldet worden. „Das ist schon auffällig”, sagt die Tierexpertin, „denn das waren alles kastrierte Katzen, die gehen normalerweise nicht über Land, sondern haben ihr Revier nur im Umkreis von 500 Metern um ihr Haus herum.”

Auch Jutta Knippels Kalle ist so ein Tier, das sich lieber drinnen als draußen aufhält. Als er am vergangenen Mittwoch ebenfalls verschwunden ist, klingeln bei der Hesselteicherin alle Alarmglocken. 24 Stunden bleibt die Katze wie vom Erdboden verschluckt, bis sie mit einer schweren Augenverletzung und völlig verstört auf der Fußmatte der Familie Knippel liegt. Gedanken von einem möglichen Katzenfänger schießen Jutta Knippel durch den Kopf. Sie habe gehört, dass auch einheimische Haustiere für Versuchslabore gefangen werden oder gerade in der Vorweihnachtszeit ihr Fell für Schlüsselanhänger und Kuscheltiere mit Echtfell vermarktet wird.

Solche Gerüchte sind auch beim Deutschen Tierschutzbund bekannt. „Beweise für diese Vermutungen gibt es aber nicht”, sagt eine Sprecherin auf HK-Anfrage. Tierversuchslabore dürften nur für diesen Zweck gezüchtete Katzen verwenden. Fellhändler konnten Katzen- und Hundefelle, die tatsächlich in Deutschland Bestandteil einiger Kleidungs- oder Schmuckstücke seien, bislang günstiger aus Asien importieren. Seit Beginn dieses Jahres gibt es jedoch EU-weit ein Importverbot für diese Felle. Versmolder Tierschützer vermuten deshalb, dass die einheimischen Katzen gerade wieder für den Fellhandel attraktiv geworden seien. Belegen lässt sich jedoch nichts. Ausschließen aber auch nichts, heißt es beim Tierschutzbund.

Jutta Knippel lässt ihre Katzen zumindest vorerst nur noch unter Aufsicht aus dem Haus. Und hofft, dass die 100 Euro Belohnung, die sie auf das Auffinden von Willi ausgesetzt hat, helfen, den Kater wiederzubekommen. Hinweise unter ` (0 54 23) 47 52 17.

 
 
 
 
 


« zurück