Schlussstrich unter die Zeit der Debatten

21.10.09
Schütte,dsc_2006.jpg,Brinkmann,Reinhard Roy,DSC_0763,Tschorn,dsc_0339_2.jpg,Schulte in den Bäumen,dsc_0034.jpg,Große-Wiegert,dsc_0149_6.jpg

Von Marc Uthmann     Versmold. Am Dienstag, 27. Oktober, findet sich der Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung im Rathaus zusammen. Erstmals werden dann die neu gewählten Entscheidungsträger ihre Verantwortung zu schultern haben. Und doch markiert bereits der heutige Tag eine Zäsur - mit ihm endet die laufende Legislaturperiode. Elf Versmolder, die zum Teil über Jahre die Politik ihrer Stadt mitbestimmt haben, sind ab sofort keine Ratsherren und -frauen mehr. Lothar Hogreve von der CDU räumt einen verantwortungsvollen Posten. Und auch für Friedrich-Wilhelm Hanheide von der SPD bedeutet der Rückzug nach 34 Jahren eine Umstellung. Der Schöpfer der »Hanheide-Trasse« nimmt es sachlich.

„Es könnte schon sein, dass ich die Arbeit im Stadtrat vermissen werde. Aber man muss auch loslassen können”, sagt der 68-Jährige. Zur Politik kam Friedrich-Wilhelm Hanheide über den Sport. Er war stellvertretender Vorsitzender des SC Peckeloh und vertrat den Verein als sachkundiger Bürger im Sportausschuss. „Irgendwann hieß es dann, es sei doch Zeit, dass ich auch mal in eine Partei komme”, erinnert sich der Peckeloher und lacht. Maßgeblich beeinflusste ihn damals der spätere Parteigenosse Friedrich-Wilhelm Brinkmann: „Der war immer mit seinen Wahlplakaten für die SPD unterwegs und ich habe über ihn gefrotzelt. Da meinte er, ich sollte doch lieber mitarbeiten.” Hanheide wurde auf Anhieb in den Stadtrat gewählt und nahm seine Tätigkeit im Mai 1975 auf.

Der Start zur 34-jährigen Laufbahn als Kommunalpolitiker vollzog sich also als eine Aneinanderreihung mehr oder weniger zufälliger Ereignisse. Doch der Sozialdemokrat hat sein Engagement nie bereut. „Es hat mir einfach Spaß gemacht.” Wobei die Arbeit damals noch eine ganz andere war als heute - im Positiven wie im Negativen: „Die Ausschüsse waren noch nicht öffentlich; es wurde deutlich gesprochen.” Das behagte Hanheide, doch die zum Teil persönlichen Attacken schockierten ihn mitunter auch: „Da waren schon Hardliner dabei.”

Für den Peckeloher waren die parteipolitischen Grabenkämpfe nichts: „Ich denke, man muss mit dem politischen Gegner nach der Debatte noch ein Bier trinken können. Die enge Parteilinie hat mir nie gefallen.” Ein ausgleichendes Wesen, das Hanheide in die Verantwortung brachte: Er war in mehreren Ausschüssen vertreten, übernahm für zwei Perioden den Vorsitz des Schulausschusses und engagierte sich im Wasserbeschaffungsverband sowie im Zweckverband für das interkommunale Gewerbegebiet.



Wichtiger Vorschlag zur Ortsentlastungsstraße

Entscheidenden Einfluss nahm Hanheide 2004 bei der Planung der Ortsentlastungsstraße - mit seinem Vorschlag, den ersten Bauabschnitt nicht nur bis zur Rothenfelder Straße, sondern bis zur Laerstraße anzulegen. „Eine Zeit lang wurde das Stück die Hanheide-Trasse genannt”, erinnert sich der Rentner und schmunzelt. Nach einigem politischem Hin und Her wurde der Vorschlag umgesetzt. „Es war vernünftig”, sagt Hanheide ruhig. Darum ging es ihm immer in der Politik.

Den Bau der Ortsentlastungsstraße bezeichnet auch Lothar Hogreve als Meilenstein seiner Zeit in der Kommunalpolitik: „Es war toll, dass der erste Spatenstich noch in meine Amtszeit fiel.” Die dauerte zwar »nur« zehn Jahre, doch in dieser Zeit leitete Hogreve den Planungs- und Umweltausschuss, in dem wegweisende Entscheidungen getroffen wurden. Im wahrsten Sinne des Wortes, was den Stadtring anging.

Lothar Hogreve kam 1999 in den Rat: „Ich habe mich der Politik immer verbunden gefühlt und in Klaus Schulze schied damals der letzte Vertreter des Versmolder Einzelhandels aus”, erinnert sich der 71-Jährige. Da war ihm schon klar, dass ihn CDU-Frau Liesel Fronemann-Keminer - mit der er zudem familiär verbunden war - bei der Ehre packen würde. Dass der Einstieg gleichbedeutend mit dem Vorsitz im wohl komplexesten Ausschuss sein würde, wohl eher nicht: „Von vielen Dingen hatte ich keine Ahnung, aber ich bin ja lernfähig”, blickt Hogreve zurück.

Am Beginn seiner Amtszeit stand gleich eine hitzige Debatte um die Versetzung des Schweinebrunnens, die schließlich verworfen wurde. „Das waren schwierige Zeiten, damals gab es auch persönliche Angriffe”, so Hogreve.



Lange Sitzungen mit ellenlanger Tagesordnung

Doch er steckte nie auf oder drückte sich vor der Verantwortung. Lange Sitzungen mit abendfüllender Tagesordnung brachten auch einige Weichenstellungen hervor. „Wir haben viel gemacht”, sagt Hogreve mit Blick auf das Einzelhandelsgutachten und zahlreiche Baugebiete. Seine Flexibilität und die Menschenkenntnis aus der Erfahrung als Einzelhändler hätten ihm bei der politischen Verständigung viel geholfen.

Der überzeugte Versmolder will auch künftig gestalten - in einem offenen Arbeitskreis zum Einzelhandelskonzept und der Innenstadtentwicklung. So ganz lässt ihn die Politik nicht los.

Neun weitere Stadtvertreter werden demnächst ihre Abschiedsurkunde erhalten. Die stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Tschorn (CDU) hatte ihren Abschied bereits im Dezember 2008 angekündigt, im Februar taten das bei den Christdemokraten neben Hogreve auch Juliane Schütte, Klaus Große-Wiegert, Lis Fockenbrock und Reinhard Roy. Mitstreiter Wilhelm Schulte in den Bäumen schaffte den Einzug in den Stadtrat am 30. August nicht, ebenso Dieter Koch von der UWG. Bei der SPD hatte neben Friedrich-Wilhelm Hanheide auch dessen langjähriger Fraktionskollege Manfred Wallat frühzeitig seinen Abschied angekündigt. Gleiches gilt für Sonja Brinkmann, die aus beruflichen Gründen aus dem Rat ausscheidet und damit auch den Vorsitz des Jugend-, Kultur- und Schulausschusses abgibt. Es müssen also noch einige Karten neu gemischt werden in der Stadtvertretung.

 
 
 
 
 


« zurück