Langsam fahren geht nicht |
10.07.09 |
![]() Der Anzug ist knalleng, deckt Arme und Beine nur zum Teil ab. Lediglich ein Helm schützt den Elftklässler vor schwereren Verletzungen. In der prallen Sonne dreht Naerger seine Runden auf einem Parkplatz, legt sich steil in die Kurven, schwingt die Arme rhythmisch mit. „Bei Wettkämpfen sind wir ungefähr 40 Stundenkilometer schnell”, erzählt er. Durchschnittliche Inlineskater sind gerade halb so fix unterwegs. Das ist nicht der einzige Unterschied zu den Freizeitfahrern. „Die Körperhaltung ist anders, eher wie beim Eisschnelllauf”, erklärt der Schüler des Bielefelder Oberstufen-Kollegs. Auffällig sind auch die Skates. Nur vier statt fünf Rollen schnallt sich Patrick Naerger unter die Füße, außerdem ist der Schaft sehr flach. Gut 800 Euro kostet ein Paar der schnellen Skates aus Carbon. Ein teures Hobby, räumt der Skater ein. Zum Glück hat sein Team vom LC Solbad Ravensberg seit kurzem einen Sponsor. Naerger führt die deutsche Rangliste bei den A-Junioren (16 bis 17 Jahre) an und war schon zum vierten Mal bei einer Deutschen Meisterschaft dabei. Zuletzt vor wenigen Wochen. „Da sind wir als Außenseiter an den Start gegangen.” In seiner Altersklasse ist er in mehreren Disziplinen gefahren, belegte in der Gesamtwertung Platz drei. „Für eine Medaille hat es aber nicht gereicht. Das ist schon ärgerlich.” Dabei hat er selbst wahrscheinlich am wenigsten damit gerechnet, überhaupt so weit zu kommen. Denn erst vor vier Jahren hat er mit dem Speedskaten angefangen. „Meine ganze Familie hat lange Kampfsport gemacht, aber ich wollte dann gerne mal was Neues ausprobieren.” Seine Schwester Janina hat schließlich Speedskaten vorgeschlagen. „Dabei fand ich In- lineskaten vorher gar nicht so toll”, sagt Naerger und lacht. Dass er Talent hat, haben seine Trainer von der Spvg. Heepen, bei der er seine ersten Schritte gemacht hat, schnell gemerkt. Der Bielefelder wechselte bald zum LC Solbad Ravensberg, weil er professioneller trainieren wollte. Viermal pro Woche steht Naerger auf den Rollen, übt meistens auf der Straße. Die meisten Wettkämpfe werden auf der Bahn ausgetragen. Trainieren kann er dafür nicht, denn ein Oval gibt es in Bielefeld nicht. Trotzdem schlägt sich Naerger gut. Ob er allerdings im nächsten Jahr wieder bei der Deutschen Meisterschaft dabei ist, hat er noch nicht entschieden. Dann müsste er wegen seines Alters nämlich in die Klasse der Aktiven einsteigen und gegen die »Profis« antreten. Auch beruflich ist das Speedskaten keine Perspektive. Denn Geld lasse sich damit nicht verdienen, sagt Naerger. „Vielleicht werde ich mal Sport studieren. Im Moment genieße ich aber erst mal, nicht wirklich Verpflichtungen zu haben.” Skate-Ausflüge mit der Familie gibt es in der Freizeit übrigens nicht. „Da hätte ich keinen Spaß dran, weil ich nicht langsam fahren kann.” |
|
« zurück









