»Bravo«-Rufe und Wunderkerzen

29.06.09
von alexander heim     Halle. Man nehme: Einen lauen Sommerabend, gespickt mit einem Hauch leichten Windes. Dazu serviere man eine fröhlich-belebte Wiese, auf der sich mehr als 350 Musikinteressierte einfinden. Mit einer Prise Oliven hier und einem Quäntchen leckerster Käsekreationen dort bekommt das Ganze seine besondere Note. Für den Schuss Ambiente sorgt der ein oder andere Kerzenleuchter auf Tisch oder Picknickdecke. Dazu empfiehlt sich ein rassiger Montepulciano aus dem eigenen Weinkeller. Der kulinarischen Vielfalt - auch bei der dritten Auflage der »Opera Culinaria« war ihr keine Grenzen gesetzt. Und musikalisch standen diesmal die Frauen im Mittelpunkt.

»Prima Diva Assoluta« - die schönsten weiblichen Arien der Opernwelt, hatten »Opus Arte« und ihr kreativer Vater, Reiner Beinghaus, für das musikalische Sommerhighlight in der Lindenstadt mit auf die Bühne gebracht. Und die stand diesmal - sehr zur Freude vieler Zuschauer - quer zur Wiese, bot damit nicht nur mit den Bäumen im Hintergrund einen noch schöneren Blickfang, sondern trotzte damit auch der untergehenden Sonne.

Auf der Bühne versammelten sich indes im Laufe des Abends die großen Frauengestalten der Opernwelt: Sally Bowles, die Nachtclubsängerin aus »Cabaret«. Die österreichische Kaiserin »Elisabeth«. Oder Christine, die Muse des »Phantoms der Oper«.

Natürlich gab es da ein Wiedersehen mit der feurigen Carmen von Bizet. Natürlich baten da Fiordiligi und Dorabella im gemeinsamen Gesang mit Don Alfonso »Weht leiser ihr Winde« (ein toller Auszug aus Mozarts letzter »Opera Buffa«, Don Carlos). Da verlieh der dramatische Mezzo-Sopran von Marion Seidel wunderbar der »Santuzza« ihre Stimme als sie anhob »Voi lo sapete o mamma« - der Arie aus »Cavalleria rusticale«. Mehr als einmal wurden ihr am Abend »Bravo«-Rufe zuteil. Martina Klesse ging auf in der Rolle der Prinzessin Eboli aus »Don Carlos« - einem der Hauptwerke des »Opera Culinaria«-Abends.

Dass es viele Solo-Passagen in diesem Jahr gab - es war dem Jubiläum des Ensembles geschuldet. Fünf Jahre bringen die 36 Sängerinnen und Sänger nun schon die Welt der Oper auf die ostwestfälische Bühne. „Das Ensemble sollte diesen Abend auch selbst genießen können”, betonte Reiner Beinghaus. Auch deshalb hatte man sich für den dritten Durchlauf der »Opera Culinaria« bewusst für die ruhigeren Opernstücke entschieden, die flotteren Songs in den Musical-Teil vorab gelegt.

„Es ging uns heute darum, die großen Diven, die großen weiblichen Figuren aus Oper und Musical zu zeigen”, so Beinghaus weiter. Und die präsentierten ihr Können ebenso wie ihren Herz- oder Weltschmerz ganz ohne technische Verstärkung. Dass ausgebildete Sängerinnen wie die Augsburgerin Marion Seidel, die zuweilen auch als Wagner-Sängerin auf der Bühne steht, damit ohne Probleme brillierte - es war einfach nur schön anzuhören. Dass eine Martina Klesse bei ihrem erneuten Besuch in Halle mit ihrem Mezzosopran bestach - keine Frage. Umso höher waren dann allerdings auch die Leistungen von Christine Anselmetti (etwa als Christine) oder Manuela Heinrich mit ihrem Solo »Stride la vampa« aus dem Troubadour, dem zweiten großen Opernstück des Abends, einzuschätzen. Und auch Manuela Kreienbaum heimste viel Applaus für ihren ersten Solo-Auftritt und »Ich gehör nur mir« ein.

Eine große sängersiche und schauspielerische Leistung zeigte vor allem Larissa Kern. Die Steinhagenerin verkörperte in den Musical-Blöcken Sarah Bowles. Fazit: Prima gemacht! Das honorierten auch die Zuschauer mit tosendem Applaus.

„Mit Freunden zusammen zu sein, einen schönen Abend zu verbringen - das ist doch das Tollste, was man haben kann”, fand Heinz Damiss nur lobende Worte für die Neuauflage der »Opera Culinaria«. Über den ein oder anderen, auch technischen Wackler beim Singen sahen er und Ehefrau Karin großzügig hinweg. „Man darf doch nicht vergessen, dass das alles Laien-Darsteller sind”, betont er. Auch Thomas Dreier zog nach dem Opernabend ein eindeutiges Fazit: „Wir finden es wirklich großartig - wie jedes Jahr.”

Und so ging der Wunsch, den Bürgermeisterin Anne Roden brock-Wesselmann eingangs der Veranstaltung ausgesprochen hatte, mehr als in Erfüllung: Einen schönen Abend zu genießen, „mit einem Laienchor, der längst kein Laienchor mehr ist”. Gerichtet an die Opernfreunde - „und solche, die es spätestens heute werden”. Und nicht nur angesichts der zahlreichen Passanten, die neugierig an der Rathaus-Wiese halt machten um einen Blick zu erhaschen ließ sich ablesen: Genau dies dürfte wohl auch so eingetroffen sein.

 

 
 
 
 
 


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