88-Jährige gab Führerschein ab |
26.02.09 |
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Halle (anke). „Ich fahre seit 1953 Auto und habe noch kein Kind und kein Huhn angefahren”, sagte eine 88-jährige Hallerin gestern im Amtsgericht. Schweren Herzens gab sie ihren Führerschein dennoch ab, weil es im vergangenen Jahr gleich zweimal zu Unfällen mit Blechschäden gekommen war.
Die 88-Jährige war am 10. Dezember mit ihrem Opel auf der Alleestraße Richtung Stadtmitte unterwegs gewesen. Kurz vor den Bahnschienen ordnete sie sich vorschriftsmäßig rechts ein. Etwas zu weit rechts, wie sich später herausstellte. Der rechte Außenspiegel hatte den linken Spiegel eines parkenden Autos touchiert. Das Glas des Spiegels des parkenden Autos ging dabei zu Bruch. „Sie hat einen Knall gehört, konnte aber nicht einordnen, woher er kam”, erklärte Rechtsanwalt Jost Heidrich für seine Mandantin. Bei der nächsten Möglichkeit sei sie rechts rangefahren und habe angehalten. Dann sei die alte Dame ausgestiegen und habe sich die Autos in der Parkreihe angesehen. Weil ihr keine Schäden aufgefallen seien, sei sie weitergefahren. Eine Zeugin beobachtete die Unfallflucht, notierte sich das Kennzeichen und meldete den Vorfall der Polizei. Bereits wenige Monate zuvor war es in Halle durch die Schuld der Rentnerin ebenfalls zu einem Unfall gekommen. Das Straßenverkehrsamt hatte daraufhin aufgrund des hohen Alters der Hallerin verlangt, dass sie sich auf ihre Fahrtauglichkeit hin untersuchen lässt. „Diesen Test hat sie bestanden”, sagte Heidrich. Amtsanwältin Birgit Korn legte der Dame dennoch ans Herz, ihren Führerschein abzugeben. „Sie sind über 50 Jahre lang Auto gefahren, ohne dass jemand zu Schaden gekommen ist”, sagte sie. „Sie haben all meine Sympathie und Anerkennung, aber es ist unvernünftig, noch weiter Auto zu fahren”, sagte sie. Ein Polizist, der den Schaden aufgenommen hatte, bestätigte, dass auch sein Eindruck gewesen sei, dass die Hallerin mit der Teilnahme am Straßenverkehr überfordert sei. Schon beim Zurücksetzen aus dem Carport für die polizeilichen Fotos habe die Angeklagte mindestens zwei Anläufe gebraucht. „Sie hatte Probleme, das Auto als solches zu bedienen”, sagte der Beamte. Nach vielen guten Worten des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und auch der Zeugen gab die 88-Jährige schließlich nach. „Ich bin nicht damit einverstanden, aber ich sage ja”, entschloss sie sich, ihre Fahr- erlaubnis für immer abzugeben. Als Honorierung dafür wurde das Verfahren gegen sie sanktionslos eingestellt. |
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