Wenn die Herzklappe versagt |
28.11.08 |
|
Von Birgit Nolte
Steinhagen. 80 Mal schlägt das Herz im Schnitt pro Minute. Ein Leben lang. Ein gutes Stück Arbeit für das Organ. Durch die immer höher werdende Lebenserwartung machen insbesondere die Herzklappen immer häufiger schlapp. Im Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen werden bereits 1500 Herzklappen-Operationen pro Jahr durchgeführt. Mit steigender Tendenz, wie Dr. Heinrich Körtke am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung zum Thema berichtete.
Rund 200 Gäste waren auf Einladung der Kardiologischen Gemeinschaftspraxis von Dr. Wolfgang Kaufhold und Dr. Norbert Buhr in die Aula des Schulzentrums gekommen. Die Luft wird knapp, die Brust wird eng, das Treppensteigen wird zur Qual: Symptome, die auf eine Herzklappenerkrankung hindeuten. „Je älter wir werden, desto höher ist das Risiko, dass die Herzklappen undicht werden oder einfach verschleißen”, erläuterte Dr. Körtke. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann der Kardiologe schnell feststellen, ob es sich um eine Herzklappenerkrankung handelt. Den Gang zum Arzt sollte man bei Verdacht nicht lange aufschieben. „Bei unbehandelten Herzklappenproblemen wird der Herzmuskel angegriffen, dann hilft nur noch eine Transplantation und das eigene Herz ist immer noch das beste”, machte der Kardiologe am Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen die Gefahren deutlich. Das Risiko bei Herzklappeneingriffen sei dagegen äußerst gering. „Bei geplanten Operationen liegt es im Promillebereich”, so Körtke. Nur in zehn Prozent der Fälle könne die betroffene Herzklappe repariert werden. Bei der großen Mehrheit sei ein Austausch unvermeidbar. Die Chirurgen haben dann die Wahl zwischen biologischen und mechanischen Herzklappen. „Die biologische Lösung wurde stets bei Menschen ab 70 Jahren angewendet, weil sie zehn bis zwölf Jahre hält”, berichtete der Mediziner. „Heute geht das nicht mehr, weil die Menschen immer älter werden.” Die biologischen Herzklappen würden wieder degenerieren, ein zweiter Eingriff sei dann die Folge. „Es gibt zwar nichts Schöneres als eine Herz-OP, aber einmal reicht”, scherzte der Spezialist, der auf das Einsetzen künstlicher Herzklappen schwört. „Tests haben erwiesen, dass mechanische Herzklappen 150 bis 200 Jahre ihren Dienst tun”, berichtete Körtke. Die mechanische Herzklappe kann aber nur dann richtig funktionieren, wenn der Herzkranke nach der Operation Zeit seines Lebens Blutverdünnungsmittel einnimmt. „Wichtig ist, dass der Patient richtig eingestellt wird”, betonte Körtke. „Dann ist trotz der lebenslangen Medikation, die künstliche der biologischen Herzklappe auf jeden Fall vorzuziehen.” Der Entzündung der Herzinnenhaut beim Einsetzen der mechanischen Herzklappe sei zudem durch die stundenweise Verabreichung von Antibiotika vor und nach der OP beizukommen. Bei der Nachsorge würde zudem die Eigenverantwortlichkeit der Patienten angesichts des steigenden Ärztemangels insbesondere im ländlichen Bereich immer wichtiger. Projekte wie die Telemedizin, bei der Daten wie Blutzucker- und Blutdruckwerte, Gewicht oder Herztöne mittels moderner Geräte vom Patienten selbst erfasst und per Datenleitung an Fachärzte übermittelt werden, sollen Abhilfe schaffen. Bereits ein Drittel der Ärzte ginge heute in die Industrie oder ins Ausland. „Eigentlich müsste jeder Arzt, der in Deutschland teuer ausgebildet worden ist und dann im Ausland praktiziert, die Ausbildungskosten zurückzahlen müssen”, kritisierte Körtke. |
|
« zurück






