Geldanlage macht zum Mitunternehmer |
15.11.08 |
![]() „Was denkt sich ein Unternehmer dabei, einen Teil von seinem Gewinn abzugeben?”, stellt Friedhelm Meyer die rhetorische Frage zum Ursprung des Mitarbeiterbeteiligungsgedanken bei Kolbe. So etwas geschehe sicher nicht aus reiner Güte. Die Mitarbeiter zu kleinen Mitunternehmern zu machen, bringe natürlich für beide Seiten materielle Vorteile mit sich, sagt Martin Kümmerling, geschäftsführender Gesellschafter. Das Unternehmen stocke sein Eigenkapital auf, in das die Einlagen der Mitarbeiter wandern. Die Mitarbeiter erhalten - abhängig von der erwirtschafteten Umsatzrendite - eine jährliche Dividende. Doch neben den finanziellen Gewinnen, zahlt sich die Beteiligung auch in anderer Hinsicht aus: Die Motivation der Belegschaft wird durch die Beteiligung gesteigert. „Die Kollegen sehen die Firma, Maschinen und Werkzeuge, mit denen sie arbeiten, als ihr Eigentum”, berichtet Friedhelm Meyer aus der Praxis. Das bringe einen verantwortungsvolleren Umgang mit sich. Zudem können die Erfolge des Unternehmens und damit die Höhe der Dividende durch die eigene Arbeitskraft gesteuert werden, ergänzt Geschäftsführer Kümmerling. Damit sich die Beteiligung jedoch nicht nur auf den Erwerb von Anteilsscheinen beschränke, werden die Mitarbeiter auch an richtungsweisenden Entscheidungsprozessen beteiligt. 1991 erweiterte Kolbe beispielsweise sein Leistungsprofil um den Rollendruck. „Damals waren hohe Investitionen nötig und eine umfassende Umstrukturierung der Arbeitsabläufe”, erinnert sich Friedhelm Meyer. In mehreren Versammlungen wurden die Mitarbeiter damals in die Planungen einbezogen und auch darüber informiert, dass die Dividende möglicherweise für einige Zeit sinke. „Alle waren einverstanden, das Risiko mitzutragen und so langfristig ihre Arbeitsplätze zu sichern”, sagt Friedhelm Meyer. Solch ein Ergebnis sei eine Frage von Vorbereitung und Vertrauen, sagt Martin Kümmerling und verschweigt nicht, dass die Beteiligung nicht beinhalte, dass Mitarbeiter gegen unternehmerische Entscheidungen stimmen könnten. Aber sie werden über Neuerungen umfassend informiert und nach ihrer Meinung befragt. Vierteljährlich unterrichtet die Geschäftsführung Vertreter der Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft über die Lage des Unternehmens. Die Identifikation mit dem Unternehmen wachse dadurch. Diese Zufriedenheit ist auch ein Pfund, mit dem Kolbe Coloco auf dem Arbeitsmarkt wuchern kann. In einer ländlichen Gegend ist der Pool, aus dem man qualifizierte Mitarbeiter gewinnen könne, begrenzt. „Deshalb sind wir darauf angewiesen, in der Region als anerkannt guter Arbeitgeber zu gelten und die Mitarbeiter an uns zu binden”, sagt Martin Kümmerling. Rund 60 Prozent der 160 Kolbe-Mitarbeiter machen von der Beteiligungsmöglichkeit Gebrauch. „Für uns hat sich dieses Modell absolut bewährt”, zieht der Geschäftsführer nach 20 Jahren Bilanz. Und auch für die Mitarbeiter zahle sich die Geldanlage aus. „Die Dividende ist höher als die Zinsen, die es bei der Bank gäbe”, sagt Martin Kümmerling. |
|
« zurück









