Fremdwährungskredit: Risiko für Bauherren |
21.07.08 |
![]() ![]() Das Prinzip der Fremdwährungsdarlehen ist einfach. Der Schuldner nimmt sein Darlehen beispielsweise in der Schweiz in Schweizer Franken auf und muss auch in dieser Währung Zins und Tilgung zahlen. „Wir würden dazu nicht raten und bieten das unseren privaten Immobilienkunden auch nicht aktiv an”, sagt Johanna Reiter, Leiterin der Firmenkundenbetreuung und Prokuristin bei der Volksbank. Das Risiko dieser Finanzierung müsse man sich leisten können, betont die Dplom-Kauffrau. Denn dem Vorteil der ersparten Zinsen stehen große Risiken gegenüber. Auch stabile Währungen schwanken im Wert untereinander nicht unerheblich. Für einen Euro bekam man Ende vergangenen Jahres 1,68 Franken, im Augenblick sind es 1,62 Franken. Ein Unterschied von immerhin 3,6 Prozent Prozent. Wird der Euro teurer und damit der Franken billiger, freut sich der Kreditnehmer. Im umgekehrten Fall sieht das ganz anders aus. „Ein Häuslebauer muss jeden Monat Franken kaufen und ist damit dem Währungsrisiko voll ausgesetzt”, sagt Johanna Reiter. Dazu komme ja das Problem der Besicherung des Darlehens. Keine ausländische Bank wolle sich damit belasten. „Wir als Hausbank müssten die Sicherung stellen und wären natürlich sehr vorsichtig.” Bei sehr vermögenden Kunden, die darüber hinaus - beispielsweise als Unternehmer oder Finanzexperten - über Erfahrungen mit Fremdwährungskrediten verfügten, sehe die Sache etwas anders aus. „Dann kann ein solches Darlehen ein Baustein einer Baufinanzierung sein”, erklärt die Prokuristin. Volksbanken arbeiten dabei mit der WGZ-Bank in Luxemburg zusammen, die die Darlehen vergibt. Aber selbst wenn das Geld fließt, kommt der Zinsvorteil nicht zu 100 Prozent beim Kunden an. „Für die Bankbürgschaft werden ein bis zwei Prozent Gebühren berechnet, es gibt die Verluste beim Kauf der fremden Währung”, erläutert Johanna Reiter. „Ein Fremdwährungskredit ist grundsätzlich kein Teufelszeug, er bietet auch Chancen”, sagt Karsten Nümann, Firmenkundenbetreuer bei der Kreis-sparkasse Halle. Viele international tätige Unternehmen würden damit das Währungsrisiko bei ihren Exportgeschäften absichern. Dabei gehe es aber um überschaubare Zeiträume und nicht um zehn bis 30 Jahre wie bei einer normalen Hausfinanzierung, betont Nümann. Die Kreissparkasse Halle verlangt für solche Geschäfte von ihren Kunden die Devisentermingeschäftsfähigkeit und das ist eine hohe Hürde. „Für Häuslebauer bieten wir solche Kredite nicht an”, betont Sebastian Meinel, Bereichsleiter Privatkunden bei der Kreissparkasse. Das wäre „unverantwortlich gegenüber den Kunden”, denn es handele sich um eine Spekulation auf den Wechselkus und da seien seriöse Vorhersagen über zehn Jahre und länger nicht möglich. Ähnlich wie bei der Volksbank wird bei der Kreissparkasse im Einzelfall genau geprüft, ob Kunden mit dem Wunsch nach einem Fremdwährungsdarlehen das Anforderungsprofil erfüllen. „Für einen Investor im Mietwohnungsbau kann es Sinn machen, einen Teil seiner Kredite in fremder Währung aufzunehmen”, nennt Karsten Nümann ein Beispiel. Umfangreiche Erfahrungen mit dieser Art von Geschäften seien aber unbedingte Voraussetzung. Die Sparkassen wickeln Fremdwährungsdarlehen über die Westdeutsche Landesbank ab. Private Hausbauer, da sind lich die Experten bei Volksbank und Kreissparkasse einig, können sich mit dieser Kreditform schnell ruinieren. „Wenn der Wechselkurs aus dem Ruder läuft, dann sind die Reserven der Häuslebauer möglicherweise schnell aufgebraucht und dann wird es bitter”, so Sebastian Meinel. Johanna Reiter rät dringend dazu, mögliche Zinsersparnisse aus einem Fremdwährungsdarlehen in die Tilgung zu stecken und so das Risiko zu verringern. Banker sind grundsätzlich sehr zurückhaltend und äußern sich über Mitbewerber nicht. Die Mail des Finanzdienstleisters aus Süddeutschland wollen beide Banken nicht kommentieren. „Wir kennen diesen Anbieter nicht”, sagen Karsten Nümann und Sebastian Meinel. Im Hintergrund steht offenbar eine Bank in einem osteuropäischen Land, deren Darlehen der Anbieter vermittelt. „Diese Bank unterliegt jedenfalls nicht der deutschen Bankenaufsicht”, meint Sebastian Meinel. Wärend beide Haller Geldhäuser das Fremdwährungsdarlehen grundsätzlich als eine denkbare Finanzierungsform für ausgewiesene Spezialisten betrachten, löst ein weiteres Angebot des Finanzdienstleisters Kopfschütteln aus. Da werden fünf bis zwölf Prozent jährliche Schuldenreduktion durch ein sogenanntes »Währungsmanagemant« versprochen. Je nach Entwicklung der Devisenmärkte soll das Darlehen in andere Währungen umgeschichtet werden und dabei soll dieser Gewinn entstehen. „Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll”, sagt Karsten Nümann vorsichtig. Es höre sich nach einer wundersamen Geldvermehrung an. Johanna Reiter warnt - ganz im Gegensatz zur Aussage des Finanzdienstleisters - sogar vor einem entscheidenden Nachteil des Fremdwährungsdarlehens. „Ändern sich die Lebensumstände zum Beispiel durch Scheidung, dann kann dieses Darlehen nicht vorzeitig gekündigt werden.” „Wenn das ein übliches Geschäft wäre, dann würden wir und alle anderen Banken es auch machen”, sagt Sebastian Meinel mit Blick auf das angepriesene Währungsmanagement. Für den privaten Häuslebauer bleibt die ernüchternde Feststellung: Nur hohe Risiken versprechen offerbar auch hohen Gewinn und das Letzte, was man bei einer Immobilienfinanzierung gebrauchen kann, sind hohe Risiken. |
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