Reportagen der Hoffnung

20.06.08
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Von Andreas Großpietsch     Halle/Bielefeld. 35 Grad Hitze bei hoher Luftfeuchtigkeit, viele Menschen, große Armut - in diesem Sinne entsprach der Aufenthalt im afrikanischen Staat Ghana allen Klischees. Doch Thomas Wöstmann, freier Journalist aus Hörste, brachte von seiner einwöchigen Reportagereise mit Kameramann Thomas Tiersch aus Rheda-Wiedenbrück viele Bilder mit, die ganz anders sind, die Hoffnung machen. Das ist ganz im Sinne seines Auftraggebers, der Hilfsorganisation Opportunity International Deutschland (OID).

Am Sonntag landete Wöstmann wieder wohlbehalten in Deutschland. Seit Montag früh ist er dabei, aus den rund elf Stunden bewegten Bildern zwei Filme zu machen, die jeweils zehn Minuten lang sein werden. „Es sind so viele tolle Bilder, die Auswahl ist nicht leicht”, meint er. Und außerdem gibt der 44-Jährige zu: „Es hat mich wirklich angepackt, was ich dort gesehen habe.”

Es sind vor allem die Menschen in dem westafrikanischen Land, die ihn begeistert haben. Sicherlich sind die Lebensumstände mit Deutschland nicht vergleichbar, die Probleme der Menschen sind existenziell, die Frage nach der nächsten Mahlzeit ist nicht immer beantwortet. Und doch gibt es Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und ihm eine Wendung zum Besseren geben. Opportunity International hilft ihnen dabei mit so genannten Mikro-Krediten (siehe dazu Kasten oben rechts).

Es sind Menschen wie Comfort Amofah. Die 63-jährige Frau lebt in einer ländlichen Gegend der Ashanti-Region in dem kleinen Dorf Bonuso, wo sie sechs Kinder groß gezogen hat. Als sie vor drei Jahren Witwe wurde, verwirklichte sie einen Traum, den sie als Mutter vergeblich träumte. Mit Hilfe eines Kredits von OID gründete sie ihre eigene »Micro-School« vor Ort, damit die Wege nicht mehr so lang sind.

Diese privaten Schulen haben ihren Namen nicht etwa, weil sie so klein sind, sondern wegen der Mikrokredite, die zu ihrer Gründung eingesetzt wurden. Die Schule in Bonuso hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens eine beeindruckende Entwicklung genommen: Sie arbeitet als Ganztagsschule mit angeschlossenem Kindergarten, die rund 200 Mädchen und Jungen neben Unterricht und Betreuung eine warme Mahlzeit bietet.

An europäische Standards darf man dabei allerdings nicht denken: Das Schulgebäude besteht aus ein paar Bretterwänden und einem Dach, die Lehrer müssen kein Studium nachweisen, eine Ecke des natürlich ungepflasterten Schulhofs dient als Latrine und gekocht wird auf einer offenen Feuerstelle. Und trotzdem bietet sie den Absolventen viel mehr, als sie vorher hatten: die Hoffnung auf eine besseres Leben. Ghana hat ein staatliches Schulsystem und dazu hunderte von Micro-Schools, und doch besuchen rund 15 Prozent der ghanaischen Kinder niemals eine Schule.

In der Schule von Comfort Amofah können sie in sechs Jahren Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, dazu die Staatssprache Englisch und Kenntnisse im Umweltschutz. Finanziert wird sie vom Schulgeld. „Die Eltern zahlen zwei Cedi im Monat, was zwei Dolllar entspricht. Ein Lehrer verdient etwa 60 bis 100 Cedi im Monat”, hat Thomas Wöstmann recherchiert.

Trotzdem sind sehr viele Menschen bereit, sich das Geld für den Schulbesuch ihrer Kinder abzusparen. Das war nicht nur in Bonuso so, sondern auch in Ashaiman, einem sehr armen Vorort der ghanaischen Hauptstadt Accra, wo in einer städtischen Micro-School gedreht wurde. Dorthin schicken Menschen wie Asoma Banda (37) ihre Kinder. Der gelernte Schneider ist ebenfalls Kreditnehmer von OID. Mit einem Startkapital von rund 100 Euro renovierte er eine Holzhütte, wo er mit zwei Lehrlingen und einer alten, per Fußpedal angetriebenen Nähmaschine eine florierende Schneiderei gegründet hat.

Er ist allerdings eine Ausnahme in den OID-Programmen: „Normalerweise sind es die Frauen, die ihr Leben mit einem Start in die Selbstständigkeit in die Hand nehmen,” sagt Thomas Wöstmann. „In Afrika geben wir die Kredite zu 95 Prozent an Frauen, weil sie wesentlich zuverlässiger und geschäftstüchtiger sind und das Geld in der Familie verwenden”, stellt er fest.

 
 
 
 
 


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