Schmackhafte Schnapsideen

25.01.08
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Von Marc Uthmann     - Versmold-Loxten. Wer Sascha Dornaus Reich betritt, der ahnt, dass hier ein Tüftler am Werk ist. Große Maschinen, ein riesiger Bottich und allerlei Flaschen und Päckchen - ein Paradies für alle, die gerne mischen, probieren und auf der Suche nach einer neuen Idee sind. Kein Wunder, dass sich der 27-jährige Destillateurmeister aus Bockhorst in seiner Likörmanufaktur in Loxten pudelwohl fühlt. Vor gut zwei Jahren wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit und hat ihn noch nicht bereut.

Das Internet eröffnete Sascha Dornau eine neue Perspektive. „Dort habe ich gesehen, dass jemand seine Maschinen und Kontakte zu Abnehmern anbietet.” Der Bockhorster griff zu und produziert seit dem 1. November 2005 in Eigenregie Likör in verschiedensten Variationen.

Es war ein wichtiger Schritt für den Meister. „Ich konnte mich zuvor einfach nicht mehr weiterentwickeln.” Dornau hatte bei Kisker in Künsebeck Destillateur gelernt und im Anschluss von 1999 bis 2001 auch beim Traditionsbetrieb gearbeitet. Er wechselte zu Schwarze nach Steinhagen. Als der Betrieb 2002 nach Rinteln verlegt wurde, pendelte der Bockhorster - seit Oktober 2004 mit dem Meisterbrief in der Tasche - jeden Tag 81 Kilometer hin und zurück. Kein Dauerzustand.

So mischt, filtriert und analysiert der Experte nun in seinem eigenen Reich. Und klärt seinen Gast über einen weit verbreiteten Irrtum auf: „Der Kornbrenner und der Destillateur üben nicht denselben Beruf aus. Während der Kornbrenner den Alkohol herstellt, kreiere ich aus Alkohol, Zucker, Wasser, Säften und Aromen Liköre.” Beim Sauerkirschlikör etwa verleiht das Saftkonzentrat dem Getränk die entscheidende Note.

Die Analyse ist von großer Bedeutung. Nicht nur, dass der gesetzlich vorgeschriebene Alkoholgehalt des Likörs stimmen muss - was zählt, ist der Geschmack. „Das kann mir schon mit der ersten Mischung gelingen, manchmal braucht es auch fünf bis acht”, verrät Dornau, der natürlich nur in kleinster Dosis probieren kann.

110 verschiedene Produkte bietet er an - 60 produziert er selbst, 50 kauft er zu und füllt sie nach Rezept ab. Den größten Teil seines Geschäftes macht die Lohnfüllung für Vertriebsgesellschaften aus: „Da steht dann nicht mein Name drauf, aber Idee und Geschmack stammen von mir.” Unter eigener Firma liefert der Destillateur nach Österreich. Sein Kundenstamm ist breit gefächert: Großhandel, Einzelhandel, einzelne Personen oder auch Vereine. Für die stellt er zum Beispiel Karnevalsschluck her, wie das »Kirschmariechen« für den Karnevalsverein Wiedenbrück.

Aus Dornaus Manufaktur stammten lustige kleine Pullen mit Inhalt, die einst Fußballfans beflügelten: der »Eurofighter« für Schalke-Anhänger oder der »Dortmunder Meistertropfen« für BVB-Fans. „Das ist lange her,” sagt der Bockhorster und schmunzelt - den Fußballlikör bietet er nicht mehr an: „Die Flaschen eignen sich leider auch als Wurfgeschosse und sind nicht mehr gefragt.”

Der Destillateur arbeitet allein - nur in der stressigen Vorweihnachtszeit erhält er an den 15-Stunden-Tagen Hilfe von der Familie. „Da ich vom Mischen bis zum Vertrieb alles selbst organisiere, habe ich Abwechslung genug.” Freie Handelsvertreter machen Dornaus Produkte in Deutschland bekannt. Er stuft sein Geschäft als hart ein: „Der Preisdruck nimmt zu, Discounter bieten Spirituosen billig an. Und nachdem Glashütten geschlossen wurden oder sich zusammenschließen, wird das Flaschenangebot knapper - und teurer.

Der Meister geht trotzdem davon aus, dass er sich am Markt behaupten wird - und hegt Träume. Manche ernsthaft, manche mit einem Augenzwinkern. „Wenn genug Geld da ist, würde ich gerne Whiskey machen. Der bräuchte Zeit, müsste lagern und reifen.” Und auch an den Klimawandel hat Dornau schon gedacht. „Wenn es noch wärmer wird, baue ich Wein am Teutoburger Wald an. Und stelle dann Teutoburger Grappa her.” Wirklich ein Mann mit Näschen.

 
 
 
 
 


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