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Sabine Mahne musste 675 Euro für den Schlüsseldienst bezahlen
Von Tasja Klusmeyer
¥ Versmold-Peckeloh. Es war eine kleine Unachtsamkeit, die Sabine Mahne jetzt großen Ärger einbrachte. Und eine Rechnung über 675 Euro. Die Peckeloherin wollte am Samstagvormittag nur kurz mit einem ihrer Hunde um die Ecke, lehnte die Haustür an und stand kurze Zeit später vorm verschlossenen Haus. Die Tür war zugefallen, der Schlüssel steckte von innen. Sabine Mahne war auf die Hilfe des Schlüsseldienstes angewiesen. „Da hätte ich mal besser ein Fenster eingeworfen“, sagt sie im Nachhinein angesichts der horrenden Summe, die sie zahlen musste.
Alle Versuche, mit einem Ersatzschlüssel ins Haus zu kommen, scheiterten. Sabine Mahne klingelte daraufhin bei einer Nachbarin und fragte nach den Gelben Seiten. Unter der Ortsmarke Versmold stehen dort zwei Firmen. Die Peckeloherin entschied sich für die erste: den ARA Schlüsseldienst. Mit einem „preiswerten 24-Stunden-Notdienst“ wirbt dieser. Unter der Telefonnummer mit Versmolder Durchwahl allerdings meldet sich nur die Stimme vom Band: kein Anschluss unter dieser Nummer. Auf der Homepage von ARA spuckt der Rechner im Übrigen dieselbe Festnetznummer für Kunden aus Versmold aus.
Sabine Mahne wählt schließlich die kostenlose Hotline, die in den Gelben Seiten direkt unter der Versmolder Nummer steht. Es werde jemand geschickt, heißt es dort. Eine Dreiviertelstunde später ist ein Mitarbeiter – nach eigenen Angaben aus Steinhagen – vor Ort. So weit, so gut. Der Mann überreicht der Peckeloherin ein Schreiben, in dem die Preise aufgelistet sind. 20 Euro je 20 Minuten Anfahrt und Abfahrt sind dort aufgelistet, ebenso 20 Euro pro 20 Minuten Arbeitszeit, Materialkosten und – weil es Samstag ist – ein Wochenendzuschlag von 100 Prozent.
„Ich habe mich erkundigt, wie teuer es in etwa würde“, erklärt Sabine Mahne. Teuer – das soll die Antwort gewesen sein. Genaueres könne er nicht sagen. „Ich bin vielleicht von 300 Euro ausgegangen. Hätte er gesagt, dass es mehr als 500 werden, hätte ich die Arbeiten nie im Leben ausführen lassen“, beklagt die Peckeloherin die mangelnde Information. Sabine Mahne unterschrieb die Einwilligung dennoch, denn ohne Unterschrift wäre der Schlüsseldienst wieder abgerückt, berichtet die Peckeloherin.
Es dauert fast eineinhalb Stunden, bis das Schloss ausgetauscht ist, Sabine Mahne wieder ins Haus am Heidhorstsee kann. Als der Mitarbeiter die einzelnen Posten zusammenrechnet und unterm Strich die Summer von 675,92 Euro auftaucht, ist Sabine Mahne geschockt. Die Materialkosten fallen mit 168 Euro Netto vergleichweise gering aus. Vor allem die An- und Abfahrt sowie die Arbeitszeit – plus jeweils 100 Prozent Wochenendaufschlag – schlagen zu Buche. So muss die Peckeloherin am Ende allein für die Fahrt 160 Euro und für eineinhalb Stunden Arbeit 240 Euro zahlen.
„Für dieses Geld kann man sich ja gleich eine neue Tür kaufen. Das ist Abzocke, da wird die Not der Bürger ausgenutzt“, kritisiert Sabine Mahne. Sie will sich nun bei einem Anwalt erkundigen, ob sie gegen diese hohe Rechnung vorgehen kann. Vor allem gegen die Fahrtkosten. Sie habe schließlich einen Schlüsseldienst angerufen, von dem sie ausgehen musste, dass er vor Ort ansässig sei.
Die Verbraucherzentrale in Gütersloh räumt Sabine Mahne allerdings wenig Chancen ein. Das Problem: Die Peckeloherin hat den Betrag bereits bezahlt. „Sonst hätte ich den Schlüssel doch nicht bekommen“, sagt Mahne, die die Summe direkt vor Ort per EC-Karte entrichten musste. Grundsätzlich rät die Verbraucherzentrale, sich auf den etwaigen Notfall vorzubereiten und sich über einen seriösen Anbieter zu informieren. Dieser sollte sich möglichst vor Ort befinden. Außerdem solle man sich die Geschäftsbedigungen genau durchlesen.
„Wenn man diese durch seine Unterschrift akzeptiert hat, sieht es schlecht aus“, sagt Leiterin Jutta Hülsmann. Bei Vorlage einer Rechnung, die einem zu hoch erscheint, sollte man zudem die Zahlung zunächst verweigern und eine genaue Prüfung einfordern. Bei Sabine Mahne ist das Geld bereits vom Konto abgebucht. Sie will nun andere Versmolder, die einmal in eine ähnliche Notsituation geraten, warnen, nur einen ihnen bekannten Dienstleister zu verständigen. Das rät die Verbraucherzentrale ebenso.
„Auch seriösen Schlüsseldiensten sind die anderen ein Dorn im Auge“, so Jutta Hülsmann.
Die Firma ARA war für das HK gestern unter verschiedenen Nummern nicht erreichbar. |
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