Hightech unterm Pferdehuf

04.07.09
von Anja Hanneforth  
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von Anja Hanneforth


Werther. In der arabischen Wüste wird er eingesetzt, auf Golfplätzen unter glühender Sonne, im Garten- und Landschaftsbau und jetzt auch im Pferdesport: »Geohumus« oder, wie das Material im Pferdebereich heißt, »Geohorse«. Es ist ein echter Tausendsassa, sorgt im wahrsten Wortsinn für »blühende Landschaften« und speziell auf Reitplätzen für elastischen, trittsicheren, Sehnen-schonenden Halt für empfindliche Pferdebeine, noch dazu bei deutlich reduzierter Staubbildung; kaum zu glauben, wie viele Vorteile das unscheinbare Granulat hat. „Aber es stimmt”, bestätigt Petra Maciejowski. Die Reiterin, die ihre Pferde auf dem Hof Overbeck in Werther eingestellt hat, kann sich selbst täglich von den Vorzügen von »Geohorse« überzeugen.


„Der Boden ist super”, sagt sie und demonstriert mit ihrer Stute Fabienne, wie man trotz heißer Temperaturen locker durch die Halle federn kann.
Rund 30 Pferde stehen auf dem Hof Overbeck an der Jöllenbecker Straße. Herzstück der Anlage ist die Reithalle. Sie wird viel genutzt, sommers wie winters ist sie Dreh- und Angelpunkt des Reitbetriebs. Nun haben Reithallen neben allen Vorteilen auch Nachteile: Im Sommer staubts, ohne Beregnung wären sie in der warmen Jahreszeit nicht zu benutzen; im Winter ist es kalt, bei hohen Minusgraden gefriert der Boden, ein Bereiten wird unmöglich; dort, wo die Pferde am häufigsten laufen, verhärtet der Boden, regelmäßiges Grubbern ist Pflicht, sonst nehmen Beine und Rücken der Tiere ernsthaft Schaden.
Jetzt ist Deutschland ein Pferdeland, es gibt unzählige Reitbetriebe, immer größere Anlagen werden gebaut, neue Hallen sprießen wie Pilze aus dem Boden. Es lässt sich also Geld verdienen mit der finanzstarken Klientel und so wird in Sachen Reitboden geforscht und entwickelt, was das Zeug hält. Der Markt ist heiß umkämpft, die Hersteller versuchen, sich mit immer neuen Erfindungen zu übertrumpfen. Sägespäne unter den Sand zu mischen reicht schon lange nicht mehr, heute werden Mixturen aus Kunststoffschnipseln, Lederstückchen, Textilien und anderen Fasern verwendet. Sie sind pferde- und nutzerfreundlich, genau wie »Geohorse«. Doch dieses Material bringt einen Vorteil mit, der den anderen Produkten fehlt: Es ist vollständig biologisch abbaubar und muss nicht teuer entsorgt werden.
Nicht umsonst ist die Herstellerfirma aus Frankfurt mit Preisen überschüttet worden, 2006 gabs den Deutschen Gründerpreis, 2007 den dritten Platz beim Umweltpreis der Stiftung Arbeit und Umwelt, jüngst eine Nominierung zum St.-Georg- Award im Bereich Innovation. Vertrieben wird »Geohorse« von der Firma T. Oesterwinter GmbH & Co. KG aus Bielefeld. Die beiden Brüder Thomas und Matthias Oesterwinter sind echte Fans ihres Produkts. „Mehrere Universitäten haben dessen Entwicklung begleitet, es gibt keine Nachteile”, antwortet Matthias Oesterwinter auf kritische Fragen nach chemischer Zusammensetzung und toxischen Inhaltsstoffen. „Das Material ist in der Landwirtschaft sogar für den Ertragsanbau zugelassen”, verweist er auf das enorme Potenzial des Granulats, kann aber verstehen, dass es von vielen zunächst skeptisch beäugt wird.
Im vergangenen Herbst wurde die Reithalle auf dem Hof Overbeck mit »Geohorse« versetzt. „Wir sind sehr zufrieden”, bescheinigt Inhaberin Antje Sonntag dem Untergrund beste Noten. Mitte der Woche war ein Fernsehteam von RTL vor Ort und hat seinerseits das besondere Material in Augenschein genommen und auf Leinwand gebannt.
Schon viel früher hat Antje Sonntag die Probe aufs Exempel gemacht: Sie wollte wissen, ob »Geohorse« auch für den Garten so gut ist wie angepriesen. Sie hat zwei Kübel mit Rosen und Sommerblumen bepflanzt, ein Kübel mit normaler Blumenerde, der andere mit dem Granulat versetzt. Der Anblick verrät: Im »Geohorse«-Blumentopf gedeihen die Blumen deutlich kräftiger. „Was soll ich da noch sagen?”, liegt der Beweis für Matthias Oesterwinter auf der Hand.
 
 
 
 
 


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